27 November 2014

Ich bin stolz auf mich

Die Autobahn zwischen Karlsruhe und Pforzheim; gefühlte zwanzig Kilometer Baustelle mit einer ständigen Gefahr von Unfällen und Staus. Die Fahrspuren sind verengt, die Geschwindigkeit ist auf 80 Stundenkilometer begrenzt. Dafür gibt es gute Gründe.

Weil auf der rechten Seite ein Lastwagen nach dem anderen kommt, fahre ich immer wieder auf die linke Spur, um zu überholen: rechts von mir jeweils ein LKW, links von mir die Absperrung aus Beton. Und weil ich überhole, habe ich im Schnitt Tempo hundert drauf.

Bis auf einmal ein weißer Porsche Cayenne hinter mir auftaucht. Ich bin ihm zu langsam. Er fährt so dicht auf, dass ich seine Scheinwerfer nicht mehr sehen kann. Ich fahre Tempo hundert, direkt vor mir kommen weitere Autos, die überholen, während rechts von mir ein LKW rollt.

Der Porschefahrer fährt noch dichter auf, gibt mir Fernlicht. Ich verkneife mir den Impuls, ihm den Finger zu zeigen, und fahre weiter. Tempo 100 in der Tempo-80-Schneise. Er gibt mir wieder Fernlicht.

Es nervt. Ich habe keine Lust auf einen albernen Krieg auf den Straßen. Bei der nächsten Gelegenheit fahre ich nach rechts, lasse ihn links vorbei. Er hupt wie ein Blöder, fuchtelt zu mir herüber. Dann ist er weiter.

Da vorne schon wieder ein LKW kommt, setze ich den Blinker und wechsle auf die linke Spur, überhole erneut. Mit Tempo hundert in der Tempo-80-Zone. Den Porsche Cayenne sehe ich vor mir; er gibt einem weiteren Fahrer das Fernlicht in den Rückspiegel.

Ich bin tatsächlich stolz auf mich, dass ich ruhig geblieben bin. Das ist wahrscheinlich eines der vielen untrüglichen Zeichen dafür, dass ich älter geworden bin ...

Kommentare:

sascha hat gesagt…

Ich wäre sofort auf 80 runter. ^^

Jim hat gesagt…

Ich nehme mir bei sowas eigentlich immer vor, die Leute anzuzeigen. Jeder weiß ja, was in solchen Situationen passieren kann.

Ich hoffe dann auch immer, dass man an der nächsten Ampel nebeneinander steht. Dann würde ich meinen Beruf offenbaren und eben jene Ordnungswidrigkeitenanzeige androhen. Selbst, wenn ich sie dann doch nicht stellen würde...