31 Dezember 2009

In der Büchermühle

In unserer Wohnung türmen sich Bücher in Bergen, also wurde endlich einmal wieder ausgemistet. Ruckzuck hatte ich eine Kiste zusammen, in der sich mehrere Dutzend Taschenbücher und Hardcover fanden.

Keine Science Fiction und Fantasy (das geht immer an die Phantastische Bibliothek), dafür aber Western und Krimis, Sachbücher und allgemeine Literatur, sogar ein Packen Lyrik. Alles Bücher, die ich seit dem Umzug im Jahr 2010 nicht mal im Gedächtnis hatte, geschweige denn in der Hand - die konnte ich also wegwerfen.

Das wollte ich nicht, also brachte ich sie ins Kashka in der Karlsruher Karlstraße. Dort nimmt man, wie ich wußte, gebrauchte Kleidung und auch alte Bücher in Empfang; die Dinge werden dort sortiert, dann wieder neu verkauft. Es handelt sich quasi um ein »Kaufhaus für Bedürftigte«, und diese kaufen dort gern ein.

Die junge Frau, der ich meine Kiste übergab, erwies sich als sehr freundlich. Sie bat mich um die Ecke, wo sie kurz einen Karton auf andere Kartons stellte. Dann lud sie die Bücher um: Mit beiden Händen griff sie in meine Kiste, wo alles piekfein und super-ordentlich gestapelt war, und packte die Bücher in den Karton.

Ruckzuck fiel alles übereinander, was sie nicht kümmerte. Sie stapelte Hardcover auf Taschenbücher und Manga-Comics so zwischen Comic-Alben, daß sie garantiert kaputtgingen, und kümmerte sich einen Dreck darum, daß irgendjemand die Sachen vielleicht mal wieder in die Hand nehmen würde. Entsetzt sah ich zu, außerstande, der Beschädigung der Bücher zuzuschauen.

Dann kannst du sie beim nächsten Mal gleich in einen Papiercontainer stopfen, dachte ich. Die nimmt jetzt keiner mehr.

Und als ich sah, daß der Karton mit den Büchern auf einem anderen Karton stand, in dem sich Bücher, Taschenbücher und kreuz und quer gestapelte Vinyl-Scheiben zu einem chaotischen Durcheinander sammelten, in dem garantiert nichts heil blieb, machte ich, daß ich aus dem Laden kam. Die kriegen von mir nix mehr!, schwor ich mir.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

schau doch mal ob sich in Karlsruhe nicht auch ein paar kleine unabhängige Buchhändler, Versandantiquariate etc. finden, dass sind Leute die Bücher auch neben dem pekunären Aspekt schätzen und wissen wie man damit umgehen muss, ich bin so einer (nicht in KA) und kenne das Problem mit den "Sozialkaufhäusern", habe erst vor kurzem entdeckt dass im Hinterhof von so nem Laden (gibt natürlich auch gut geführte, aber die Massen von Büchern aus Haushaltauflösungen etc. können die gar nicht managen) ca. 20.000 (!) Bücher teilweise im Freien unter Planen verrotten, da ist Dein Beispiel noch harmlos (verm. sind dsa Spenden aus Nachlässen u. a. eine komplette Bibliothek aus belesenem Pfarrerhaushalt) und versuche die jetzt noch zu retten. In England gibt es seit längerem einen "Kleinkrieg" zwischen den "Antiquaren" und Oxfam, da die ganzen kleinen Buchläden durch dieses Konkurrenz echte Probleme haben, mittlerweile gibt es sogar ein offizielles Abkommen zw. Oxfam und den Antiquaren die letzeren ein begrenztes Vorkaufsrecht einräumt um nicht noch mehr Existenzen zu zerstören, Grüße, Prost Neujahr!

ute hat gesagt…

manche dinge ändern sich wohl nie. an die bücherstapel in deiner wohnung kann ich mich noch gut erinnern. sie kamen immer meiner lesesucht zugute, an der sich übrigends auch in den letzten 20 jahren nix geändert hat :)