11 November 2019

Toll erzählter, recht brutaler Superhelden-Comic

Wenn ein Autor, den ich schätze, und ein Comic-Künstler, dessen Arbeit ich ebenfalls mag, an einem Comic-Thema zusammenarbeiten, das ich faszinierend finde, sollte das Ergebnis doch überzeugen. Mir fällt es allerdings nicht leicht, für den »Moon Knight«-Klopper mit dem Titel »Wächter der Nacht«, den es in deutscher Sprache seit 2017 gibt, eine eindeutige Empfehlung abzugeben.

Ich mag den Autor Charlie Huston sehr. Seine Trilogie um den »Prügelnkaben« Hank Thompson hat mich vor vielen Jahren begeistert – selten wurde eine packende Krimi-Geschichte mit einem derart harten und bösen Humor so perfekt präsentiert. Auch die Romane um den Vampir Joe Pitt, der sich durch ein absolut dreckiges New York zu kämpfen hat, fand ich großartig. (Wobei mir eben einfällt, dass ich nicht alle davon gelesen habe. Mist, die liegen in einem Lesestapel!)

Der Mann nahm sich den Comic-Helden »Moon Knight« vor, um dieser Figur neues Leben einzuhauchen. Die Geschichten, die in »Wächter der Nacht« veröffentlicht werden, bildeten 2006 den Start zu einer neuen »Moon Knight«-Saga. Er tat sich mit dem Comic-Künstler David Finch zusammen, den ich aus diversen »Batman«-Geschichten bereits kannte.

Die Geschichte wiederum ist nicht einfach. Marc Spector, der eigentliche Held des Comics, ist ein gebrochener Mann. Er zerfließt in Selbstmitleid, kämpft mit seiner Psyche und den Drogen, hängt lethargisch in seinem Sessel und starrt ins Leere. Nichts ist mehr übrig von einem Mann, der als »Moon Knight« das Vebrechen bekämpft und damit im Auftrag eines ägyptischen Gottes gehandelt hat.

Sagen wir es so: Man muss bei dem Comic aufpassen, dass man nicht den Faden verliert. Es gibt die unvermeidlichen Kämpfe mit bösen Schurken und einer merkwürdigen Organisation, über die man nicht viel erfährt, es tauchen Gefahren aus der Vergangenheit auf – und am Ende ist Marc Spector als Moon Knight wieder auf einer Mission. Huston erzählt mit Vor- und Rückblenden, springt in der Handlung und in den Zeiten; das ist nicht unbedingt einfach erzählt.

Die Grafik macht das allerdings jederzeit wett. Die Bilder sind großartig; die Dynamik der einzelnen Szenen verblüfft. David Finch setzt seine Figuren und die Hintergründe mit seinen Zeichnungen stark in Szene, unterstützt von unterschiedlichen Tuschern; auch die Farbgebung ist hervorragend. Gesichter wirken plastisch, Action ist knallig – toll gemacht!

Allerdings ist das Ganze auch ganz schön brutal. Blut spritzt, die Szenen sind manchmal sehr hart. Das passt zwar zur Handlung, die Gewalt ist also kein Selbstzweck, trotzdem ist das alles nichts für sanfte Gemüter. Man muss allerdings klar sagen, dass Moon Knight kein netter Superheld ist – ihm macht die Brutalität geradezu Freude.

Mein Fazit zu »Wächter der Nacht« ist also durchaus gespalten: spannend erzählt, beeindruckend illustriert, unterm Strich sehr brutal. Das muss man mögen.

(Erschienen ist der Comic bei Panini. Ich habe mir die Hardcover-Version gegönnt, weil die im Regal einfach schöner aussieht.)

1 Kommentar:

Enpunkt hat gesagt…

Wer von »Moon Knight – Wächter der Nacht« eine Leseprobe haben möchte, kann sich hier einfach durchklicken:

https://www.mycomics.de/comic-pages/10065-moon-knight-waechter-der-nacht-1.html#page/1/mode/2up