22 September 2016

Angebot für Dienste

Woher die Mail kam, möchte ich gar nicht erwähnen, aber ich fand sie witzig. »Ich dachte, es wäre sinnvoll«, so begann sie, Autorinnen und Autoren anzuschreiben, gemeint waren »einige willkürlich ausgewählte«. Man wolle sie »befragen«, ob sie sich »eine Zusammenarbeit hinsichtlich des Lektorats« vorstellen könnten.

Diese Mail traf bei mir ein, sie war höflich, und sie enthielt auch den Hinweis auf eine Internet-Seite. Ich schlussfolgerte: Es hat jemand mitbekommen, dass ich Gelegenheitsautor bin, und möchte sich mir als Dienstleister anbieten. Das tat diese Person nicht nur bei mir, sondern augenscheinlich bei ganz vielen Leuten.

Auf die Idee, sich vorher mal anzuschauen, wer denn dieser unbekannte Autor – also ich – sei und was der Autor so alles mache, kam der Dienstleister offenbar nicht. Ich versuchte dann, einigermaßen höflich und doch ironisch zurückzuschreiben.

Womöglich habe ich die Partnerschaft meines Lebens versäumt. Vielleicht wäre es sinnvoll gewesen, mit dieser Person zusammenzuarbeiten. Schließlich kann ich als Hobbyautor schon gelegentlich Unterstützung brauchen, und auch als Verlagsmensch bin ich gelegentlich auf den einen oder anderen Neu-Kollegen angewiesen.

Aber ich stelle mir ernsthafte Fragen: Wie möchte jemand als freier Lektor arbeiten, wenn er oder sie offensichtlich nicht einmal in der Lage ist, vorher im Internet eine Grundrecherche über die Personen zu betreiben, mit denen er zusammenarbeiten möchte? Wie sinnvoll ist es denn eigentlich, »willkürlich ausgewählte« Personen anzuschreiben? Und wie ernsthaft kann jemand glauben, aufgrund solcher Mails eine vernünftige Partnerschaft aufzubauen?

Kommentare:

J. hat gesagt…

Wenn ich mir aus einem BRanchenbuch/XING/Facebook etc. tausende Adressen einfach automatisch abgreifen und elektronisch verarbeiten kann, dann ist der Aufwand sehr gering. Und wenn dann nur einer oder zwei Antworten, dann hat man Erfolg gehabt. Dahingegen aufwendig etwas zu recherchieren und eventuell nur eine Handvoll Mails zu versenden, welchen Erfolg erwartest du dann? Ich glaube nicht, dass da mehr Leute antworten. Alles eine Frage des Systems, Mails kosten nichts, wie man ja am täglichen Spamaufkommen sehen kann.

walkonwildside hat gesagt…

Das ist das Schrotschußsystem, wie bei einer Massenkurzbewerbubg: relativ wenig Aufwand und eine immerhin messbare Chance 'anzukommen'. Ich jedenfalls abe dies nach meinem Studium so gemacht und über 500 Unternehmen pauschal angeschrieben - über 30 baten um eine 'richtige' bewerbubg und bei über 20 kam es zu einerm Vorstellungsgespräch. Am Ende konnte ich unter 4 Jobs wählen. Ich jedenfalls würde so jemand eine Chance geben - PR könnte sicherlich ein besseres Lekrorat bitter benötigen...

Enpunkt hat gesagt…

Hm. Der gute Mann bewarb sich ja nicht bei der PERRY RHODAN-Serie, sondern bei mir als Gelegenheitsschriftsteller – das ist schon ein Unterschied. Bei PERRY RHODAN kommt es ja nicht nur auf deutschtechnische Kenntnisse an, sonst wäre das ja geradezu einfach ...