05 Juni 2016

Genetiker gegen Rassisten

Wissenschaftler haben herausgefunden, wie die Menschen in Europa vor Jahrtausenden aussahen. Zumindest entnehme ich das einem Interview mit dem Archäo- und Paläogenetiker Johannes Krause, das am Freitag, 3. Juni 2016, in der »taz« veröffentlicht wurde. Anhand von genetischen Untersuchungen lassen sich gewisse Dinge sehr genau nachvollziehen und auch beweisen.

Es ist völlig klar, dass beinharte Rassisten solche Gedankengänge nie glauben werden. Aber die Vorstellung, dass die »Ur-Europäer« vor 4000 oder 5000 Jahren eher dunkelhäutig waren, fast schwarz, und dazu blaue Augen hatten, die finde ich sehr witzig.

Witzig finde ich darüber hinaus, dass sich die klassischen Archäologen und die Genetiker nicht ganz einig sind. Während die Archäologen anhand von Ausgrabungen ihre Schlüsse ziehen, analysieren die Genetiker die Knochen und finden aufgrund dieser Knochen heraus, welche Verwandtschaftsbeziehungen herrschten.

Was Rassisten völlig überraschen und entsetzen wird: Man wird nach keiner wissenschaftlichen Methode eine wie auch immer geartetete »deutsche Rasse« herausfinden können, erst recht keine »arische Rasse« oder sonstigen Mumpitz. Das wusste unsereins zwar schon vorher – aber jetzt gibt es für all das auch noch streng wissenschaftliche Beweise.

Das macht die rechtsradikale These von der angeblich geplanten »Umvolkung« noch absurder, als sie es ohnehin schon ist. Die »Umvolkungen«, die immer wieder auf dem Gebiet des heutigen Mitteleuropa stattfanden, sorgten schon vor Jahrtausenden dafür, dass sich unsere Vorfahren mit der Restbevölkerung des Neandertalers vermischten, dass Einflüsse aus Vorderasien in den Genpool eingearbeitet wurden und dass es ganz sicher nie eine nordeuropäische »Hochrasse« gab.

Aber gegen dümmliche Rassismen und gegen »ethnobiologische« Gedankengänge helfen weder Wissenschaft noch Überzeugungskraft. Das ist leider so ...

Kommentare:

Swen hat gesagt…

Das es auf genetischer Grundlage keinen Unterschied zwischen, sagen wir Afrikanern und Europäern gibt, weiss man doch schon recht lange, nicht jetzt erst seit ein paar Wochen. Die genetischen Unterschiede zwischen "dem Europäer" und "dem Afrikaner" sind kleiner als die genetischen Unterschiede zwischen zwei Europäern.

Unknown hat gesagt…

Lieber Swen, das Argument ist nicht nur duemmer als der meiste Mist den Rassisten so von sich geben, sondern basiert auch auf einer populistische Argumentation die einer ernsthaften Diskusion nicht wuerdig ist. Die Varianz innerhalb einer Gruppe, und der Abstand des Mittelwerts zu dem einer anderen Gruppe sagt ueberhaupt nichts ueber Gleicheit oder Ungleichheit aus und ist daher, zumindest in der simplifizierten Form genauso Pseudowissenschaft wie irgendeine der Rassenlehren.

Auf verdrehte Argumentation mit ebenfalls verdrehten Argumenten zu antworten kann nicht der richtige Weg sein.