15 März 2017

Die Sozen und die hart arbeitenden Menschen

Für welche Inhalte Martin Schulz nun wirklich steht, weiß bislang kein Mensch. Trotzdem hält die Begeisterung über den Heilsbringer aus der westdeutschen Provinz an; die SPD ist echt auf einem Höhenflug. Darüber kann man lästern – ich finde es grundsätzlich gut, dass ein wenig Bewegung in den lahmen Vorwahlkampf gekommen ist und sich die Parteien vielleicht auch über Inhalte streiten.

Wobei ich immer stutze, wenn ich die Standardformulierung des Kandidaten höre. Er lobt die »hart arbeitenden Menschen« und möchte für sie da sein. Wen er damit meint, sagt er leider nicht aus – das macht mich ja glatt ein wenig ratlos.

Wer hart arbeitet und wer nicht, das entscheidet man schließlich nicht selbst. Aus der Sicht eines Bergarbeiters oder eines Landwirts arbeitet jemand wie ich definitiv nicht hart, sondern hat einen gemütlichen Job in einem beheizten Büro. Aus meiner Sicht arbeite ich viel. Aber hart?

Arbeiten Fußballspieler hart, oder haben sie nur ihr Hobby zum Beruf gemacht? Arbeiten Friseurinnen hart, oder sind sie weniger hart arbeitend als Börsenmakler? Nach welchen Kriterien bemisst sich das denn? Nach der Zahl der Arbeitsstunden, nach der Zahl der Burn-Outs, nach der Höhe des Gehalts?

Es bleiben schon ziemlich viel Fragen offen – und das zu einem Zeitpunkt, an dem unsereins noch nicht einmal andeutungsweise weiß, für welche Inhalte der Kandidat steht. Aber vielleicht ist das nicht einmal wichtig, und es wird schlichtweg zwischen Schulz-Bart und Merkel-Raute entschieden.

Kommentare:

RoM hat gesagt…

Hyvää iltaa, Klaus.
Annehmbarerweise war der größte Popularitätseffekt eines Kanzleraspiranten Martin Schulz der, dass er nicht Sigmar Gabriel ist.

Hart arbeitende Menschen sind wohl diejenigen, die trotz Arbeitsplatz jeden Heller auf die Prüfwaage legen müssen. Leute, die (obschon im Vollzeitjob) genötigt sind aufzustocken, weil der Arbeitgeber lieber seine Kosten sozialisiert. Nicht zu vergessen die Zweitjobs, die nötig werden, weil Mieten in Ballungszentren durch den Dachfirst poppen.

Dagegen sind 12 Mio "Abfindung" nach einem Jahr Beschäftigung money for nothing!

bonté

J. hat gesagt…

Wenn der dich anspricht, dann zählst du dazu, ansonsten nicht. Es gibt Dinge die kann man nicht quantifizieren. Da kommt es dann aufs Gefühl an.

Jim hat gesagt…

Gefühl trifft aber nicht immer die besten Entscheidungen. Auf keiner Seite des Wahlzettels.
Ich frag mich auch, wie Sigmar Gabriel sich fühlen muss. Es ändert sich nichts in der Partei, nur der Name des Kandidaten, und schwupp geht es rauf. Jedes Prozent ein Schlag ins Gesicht für Sigmar Gabriel. Zumindest würde ich mich so fühlen.