24 Februar 2026

Comic-Dreiteiler über eine Insekten-Zukunft

Irgendwann in einer Zeit, die sehr weit von der unsrigen entfernt ist: Die Menschheit scheint ausgestorben, doch ihre Hinterlassenschaften bedecken immer noch das Land, vor allem der Kunststoff ist geblieben, allgemein nur als »Plastok« bezeichnet. In dieser Zeit sind die Insekten irgendwie intelligent geworden, haben Staaten gegründet und leben mehr schlecht als recht zusammen – Ameisen und Käfer, Wespen und Schmetterlinge. Die Menschen werden als Götter verehrt oder als »die Großen« bezeichnet. Blattläuse werden in dem Staatswesen, das die Insekten aufgebaut haben, als geringwertig angesehen.

Doch dann wird die Hohepriesterin, die sich mit den verschwundenen Göttern beschäftigt hat, bei einem Attentat getötet. Der Einzige, der als Mörder in Frage kommt, ist ausgerechnet eine Blattlaus. Sie ist unschuldig, was sie auch beteuert, was ihr aber niemand glaubt. Doch dann wird die Laus aus dem Gefängnis befreit, und sie stolpert geradezu durch die Welt, trifft auf Insekten, die ihr helfen, und ebenso Insekten, die sie bekämpfen. Und ganz nebenbei findet die Blattlaus die Ursache für den Götterglauben …

So lässt sich die Handlung der skurrilen Trilogie »Plastok« zusammenfassen, die als ein gelungener Comic-Dreiteiler erschienen ist. Ob man das nun als Science Fiction bezeichnet, weil die Handlung in ferner Zukunft spielt, oder als Fantasy, weil die Insekten sich sehr menschenähnlich verhalten und miteinander sprechen können, ist dabei wohl gleichgültig. Entstanden ist ein ungewöhnliches Abenteuer, das prächtig unterhält und künstlerisch sehr eigenständig wirkt.

Für die Geschichte verantwortlich zeichnen Maud Michel und Nicolas Signarbieux; anfangs schrieb Maud Michel allein die Texte, später wurde Signarbieux immer wichtiger. Die Geschichte nimmt ihr Thema ernst, was ich gut finde: Zwar gibt es immer wieder einen grimmigen Humor, aber es gleitet nie ins Alberne ab. Für Kinder ist der Comic-Dreiteiler eher nichts, auch wenn allerlei Insekten durch die Handlung krabbeln – es kommt zu durchaus heftigen Kämpfen, bei denen Köpfe fliegen oder die Gegner aufgefressen werden.

Die Geschichte wird spannend erzählt, die Handlung verläuft recht geradlinig. Schön fand ich, dass die Insekten in ihren Sitten und Gebräuchen durchaus unterschiedlich dargestellt werden – auch wenn sie natürlich ein eher menschliches Verhalten aufweisen. Wer mag, kann diesen Comic sowieso als eine politische Darstellung lesen, bei der die Insekten eben die Rolle menschlicher Vorbilder einnehmen.

Rein künstlerisch ist Nicolas Signarbieux weit entfernt vom klassischen Funny-Stil, wobei es ohnehin albern gewesen wäre, Wespen oder Marienkäfer mit Knollennasen darzustellen. Realismus weist sein Comic ebensowenig auf, es ist schon eher ein humoristischer Stil, aber eben sehr eigenständig. Die Linien sind klar, die Farben zurückhaltend. Ich empfehle, die Leseprobe zu betrachten, die sich auf der Internet-Seite des Splitter-Verlags findet.

Alles in allem ist »Plastok« eine sehr gelungene und sehr kurzweilige Trilogie: Die Handlung steigert sich kontinuierlich, es gibt die eine oder andere Überraschung, und am Ende verblüfft ein hübscher Knalleffekt. Empfehlenswert!

(Die Rezension erschien bereits im Dezember auf der Internet-Seite der PERRY RHODAN-Redaktion. Da sie von mir stammt, kann ich sie ja auch gut an dieser Stelle wiederholen ...)

1 Kommentar:

Enpunkt hat gesagt…

Ich finde ja immer, dass es sich lohnt, eine Leseprobe anzuschauen – hier geht's zur Informationsseitze des ersten Bandes von »Plastok« auf der Internet-Seite des Splitter-Verlags, wo es auch eine Leseprobe gibt:

https://www.splitter-verlag.de/plastok-1-vergiftung.html