05 Februar 2026

Schwäbisch wählen

Wir kamen im Gespräch von einem Thema zum anderen, und so landeten wir tatsächlich bei der Landtagswahl. »Weißt du schon, was du wählen wirst?«, fragte mich mein Bekannter. »Oder wirst du ungültig wählen, weil du eh mit allen Politikern unzufrieden bist?«

Ich überlegte kurz, ob ich ernsthaft antworten wollte, und entschied mich zu: »Ich wähle schwäbisch.« Weil mein Gegenüber verwirrt guckte, schob ich nach: »Ich wohne zwar in der badischen Hauptstadt, bin aber als Schwabe sozialisiert worden. Also wähle ich schwäbisch.«

Mein Bekannter war noch verwirrter als vorher. »Du willst die CDU wählen? Den Hagel?«

»Nein-nein.« Ich winkte ab. »Der kommt zwar aus Ehingen, aber der schwätzt kein richtiges Schwäbisch; bei ihm klingt das immer wie so Honoratioren-Schwäbisch, immer ein bisschen gebildet.«

»Und dann?«

»Na ja, den Özdemir halt.« Ich wechselte in das breite Schwäbisch, das ich als Kind im Dorf gesprochen hatte und nur noch zu speziellen Gelegenheiten auspackte. »Der Mann kommt aus Bad Urach, also vom Rand der Schwäbischen Alb, und der kann breiter schwäbisch schwätzen als ich.«

»Und das ist dein Grund? Echt?«

»Na ja, in einer Zeit, in der politische Inhalt eh nichts mehr zählen, gehe ich auf die echten Werte. Und das ist Schwäbisch.« Ich lachte.

Mein Gegenüber schüttelte nur den Kopf. »Du bist echt blöd.«

Keine Kommentare: