03 August 2017

Zukunft war auch mal moderner

Die Dieselskandale, der Klimawandel, die Flüchtlinge, die Zukunft der Arbeit – mir tun die Politiker eigentlich leid, weil sie sich ständig mit so komplexen Themen beschäftigen müssen, auf die es keine Antworten gibt. Da müsste man eigentlich intensiv um die Zukunft ringen, müsste darum arbeiten, welche Ziele die richtigen sind, müsste sich mit Fachleuten und deren Arbeit beschäftigen, um die richtigen Antworten zu finden.

Dummerweise passiert genau das nicht.

Die Politiker schwatzen, wenn sie sich nicht gerade von der Industrie am Nasenring durch die Landschaft ziehen lassen. Sie machen Wahlplakate, auf denen sie allerlei Kram versprechen, von denen jeder weiß, dass sie es eh nicht einhalten werden. Und sie ignorieren die dringend notwendige Auseinandersetzung um die Zukunft.

Vielleicht habe ich zu viel Science Fiction gelesen, vielleicht bin ich einfach auch nur ein tumber Träumer. Aber selbst ein Mensch ohne zu viel politisches Wissen kann sich denken, dass es so bald nicht mehr weitergehen kann. Und es wäre beispielsweise die Aufgabe einer ohnehin chancenlosen Oppositionspartei, stärker auf solche Themen hinzuweisen.

Wie soll das denn weitergehen mit der globalen Gerechtigkeit? Das bisherige Gerede von Gerechtigkeit wird rein national betrachtet: Wir nehmen den Reichen vielleicht einige Euro ab und geben sie den Hartz-IV-Empfängern. Grundsätzlich richtig – aber was machen wir mit der Milliarde Afrikanern, die auf der anderen Seite des Mittelmeers sitzen?

Die komplexe Welt der Gegenwart wird in der nahen und fernen Zukunft nicht einfacher werden. Es ist jetzt schon klar, dass alles noch schwieriger werden wird. Es geht nicht darum, die Dieselmotoren ein bisschen besser zu machen – das sage ich als Dieselautofahrer –, sondern es geht darum, den Verbrennungsmotor schnellstmöglich abzuschaffen und endlich auf umweltfreundliche Autos umzusteigen oder sich ein ganz neues System auszudenken. Das geht nicht ohne irrsinnige Investitionen.

Es kann nicht darum gehen, afrikanischen Potentaten dafür Geld zu geben, dass sie ihre Bevölkerung einsperren. Es muss jetzt daran gearbeitet werden, dass diese Länder endlich auf die Füße kommen, dass ihre Bevölkerung eine Chance hat – und das kostet nicht einige Milliönchen, das kostet irrsinnig viel Geld. Es ist offenbar billiger und vor allem eifacher, am bisherigen System der Ausbeutung aktuell nichts zu ändern.

Es gibt haufenweise Probleme. Doch im Wahljahr werden diese Probleme nicht diskutiert, sondern verschleiert oder gar national verbrämt. Während die Bundeskanzlerin sich schon irgendwie durchmerkeln wird, geht die Opposition auf einen Kurs, der nicht gerade zukunftsorientiert ist.

Vielleicht habe ich zu viel Science Fiction gelesen. Vielleicht habe ich echt keine Ahnung von Politik. Aber dass es so nicht weitergehen kann, sollten doch auch Politiker merken ...

Kommentare:

GruftiHH hat gesagt…

Hallo Klaus,

dass ist alles richtig, was Du schreibst. Aber das Problem liegt nicht nur an den Politikern. Es liegt am System. Die Industrienationen leben von der Armut und den Resourcen der Entwicklungsländer. Die werden nach wie vor ausgebeutet. Und ich glaube sehr, dass wir mit den 22 Millarden, die wir hier in Deutschland 2016 für die Flüchtlinge ausgegeben haben (mit Unterkunftsbau etc.) vor Ort mehr erreicht hätten.

Das Afrika ein schwer Kontinent ist, ist schon lange bekannt. Das ein großer Teil der Entwicklungshilfe in dunkle Kanäle fließt leider auch.

Pervers finde ich eigentlich, dass man in den Flüchtlingen Fachkräfte gesehen hat, die man hier in Europa und Deutschland prima gebrauchen kann. Aber hat mal einer überlegt, dass man dann dieses Wissen und diese Fachkräfte aus Afrika abzieht und die vor Ort fehlen?

Wahlversprechen werden sowieso nie gehalten, Probleme ausgesessen und zukunftsorientiere Entscheidunge nicht getroffen. Lieber wartet man ab und schafft sich ein Pöstchen in der Wirtschaft, wenn man nicht mehr im Bundestag sitzen kann.

Die Politiker müssten mehr Geld verdienen, dafür dürften sie aber keine Nebeneinkünfte haben oder gar in Aufsichtsrat von Firmen sitzen und damit indirekt Lobbyarbeit machen.

Es muss auch eine vernünftige politische Kultur (wieder)entdeckt werden. Nicht nur innerhalb der Parteien, sondern auch innerhalb der Wähler. Wir haben so viele politische Meinungen (Rechts, Links, Mitte usw.) und alle wollen eigentlich eine bessere Welt. Daher sollte man sich im Dialog mit den Problemen auseinander setzen - auch wenn es schwer fällt. Man muss den anderen wieder verstehen lernen und ihn nicht bekämpfen.

Aber vielleicht bin ich auch nur ein naiver SF-Leser, wie Du. ;-)

LG

Christian

RobertPraetzler hat gesagt…

Klaus, habe diese Woche beim Aufräumen "Schafe blicken auf" von Brunner in der Hand genommen und war erschrocken, wie aktuell dieser Roman immer noch ist. Werde ihn jetzt doch nochmals lesen und nicht wie eigentlich geplant weggeben.

Enpunkt hat gesagt…

An Robert: »Schafe blicken auf« und »Morgenwelt« möchte ich auch mal wieder lesen. Die fand ich damals unglaublich toll, hab sie aber seit 1981 oder so nicht noch mal gelesen.

An Christian: Das Abziehen von Fachkräften ist in der Tat auch so ein Thema. In deutschen Krankenhäusern arbeiteten doch ab den 90er-Jahren schon Ärzte aus Syrien und anderen Ländern; diese gebildete Schicht fehlt solchen Ländern dann auch. Wir ziehen alle Ressourcen von dort ab, auch die menschlichen. Okay, das ist das System, schon klar – und ich habe auch keine Lösung. Aber es wird halt nicht mal über eine Lösung diskutiert.

Wir sind wohl zu sehr »naive SF-Leser«.

GruftiHH hat gesagt…

Da stelle ich mal die Frage an den Fachmann: Hast Du einen Tipp für einen SF-Roman, der mal positiv ist. Ich meine so richtig positiv. Wo die Zukunft der Welt nicht aus Kriegen und Chaos besteht. Ok. Wird eventuell langweilig, weil kein Konfliktpotenzial in der Story....

Enpunkt hat gesagt…

Hm. So richtig positive SF, die nicht langweilt? Zumindest im Moment fällt mir dazu nichts ein. Die klassische Raumfahrt-SF eigentlich: Da ist die Vision ja schließlich fast immer, dass sich die Menschheit eint und gemeinsam ins All vorstößt.