03 Mai 2017

Kampf mit dem Kleiderschrank

So richtig nachvollziehbar ist nicht mehr, warum ich auf die Idee kam, mal meinen Kleiderschrank genauer anzuschauen und auf Klamotten zu untersuchen, die nicht mehr passten. Die Möglichkeit besteht allerdings, dass es auf mehr oder weniger sanften Druck hin geschah. So nach dem Motto, »dieses T-Shirt willst du doch echt nicht mehr anziehen, oder?« Auf jeden Fall wurde »gemistet«.

Es war, so viel kann ich gleich mal sagen, ein hochdramatischer Ablauf. Es ist wirklich erschütternd, was man in den Tiefen eines Kleiderschranks findet, nicht nur T-Shirts, die man seit Jahren nicht mehr angehabt hat und die man wohl nie mehr anziehen wird. (Aber mein selbstgemachtes ENPUNKT-T-Shirt aus den frühen 90er-Jahren habe ich eisern verteidigt … anziehen werde es wohl kaum mehr.)

Manchmal wunderte ich mich über mich selbst. Da gab es beispielsweise diese Hose, die ich 1999 in Malaysia gekauft hatte. Ich wunderte mich, dass die mittlerweile recht zerschlissen war und am Bauch ein wenig sehr spannte (ähm). Zähneknirschend warf ich sie weg.

Einige T-Shirts aus den 90er-Jahren wanderten tatsächlich in den Müll. Ein T-Shirt mit dem Motiv meiner Lieblingsheftromanserie behielt ich, mit dem Gedanken im Hinterkopf, das irgendwann mal bei einem Con anzuziehen. Ich müsste dann mit stark eingezogenem Bauch über die Bühne wandeln, aber das sollte zu schaffen sein (ähm).

Meine Lederjacke verteidigte ich, auch wenn ich die nur noch selten anziehe. Meine Lederhose entsorgte ich; es ist kaum vorstellbar, dass ich noch auf die Sorte extrem sportlicher Demos gehen sollte, für die ich sie mir vor einem Vierteljahrhundert zulegte. (Sie passte übrigens ertaunlicherweise, saß allerdings an den Oberschenkeln ein wenig zu eng. Aber in einem Schwarzen Block würde mich mit den Klamotten heutzutage jeder für einen Schauspieler, Seniorenpräsident oder Zivilpolizisten halten.)

Danach war der Kleiderschrank nicht ganz so leer, wie ich mir das vorher gedacht hatte. Aber es fällt wirklich schwer, sich von Klamotten zu trennen, die einem mal was bedeutet haben. (»Dieses Hemd habe ich beim Fest der Fantasie 1995 getragen.« – »Das sieht man. Besser weg damit, oder?«) Zum Ausgleich muss ich mir wohl dringend wieder einige Schallplatten kaufen ...

Kommentare:

Christina hat gesagt…

Oha! Erst die Oper, dann kein Kino und jetzt der Kleiderschrank! Kann es sein, dass der Druck ein bisschen mehr als sanft ist? :-)

Das mit dem Wegwerfen ist bei uns übrigens genau umgekehrt. Mein Mann ist in dieser Hinsicht gnadenlos und absolut minimalistisch. Ich habe schon so einiges nicht mehr vor dem Entsorgen retten können. Viel schlimmer ist aber, es scheint ansteckend zu sein. Ich erwische mich in letzter Zeit häufig dabei, dass ich Dinge wegwerfe (vor allem Klamotten), die ich früher behalten hätte.
Mhm, das gibt einem irgendwie zu denken.

Jim hat gesagt…

Da ich mir auf jedem Konzert und Festival ein T-Shirt kaufe, ist mein Schrank ebenfalls stark überfüllt. Aber ich kann mich auch nicht davon trennen. Die Shirts erinnern ja wirklich an Gelegenheiten, zu denen man sie gekauft oder getragen hat.

J. hat gesagt…

Ich kann voll und ganz mit dir mitfühlen. Den ideelle Wert von Shirts und anderen Klamotten können andere oft einfach nicht einschätzen. Ich habe auch jede Menge davon.