14 April 2026

Das OX-Fest in Karlsruhe

Als ich am Samstag, 11. April 2026, aus dem Haus kam, sah es noch nicht nach Regen aus. Es ging ein frischer Wind, also zog ich mir sicherheitshalber einen Pullover und eine Jacke mit Kapuze an; weil aber noch ganz schön warm war, kam ich einigermaßen verschwitzt in der »Alten Hackerei« an. Dort sollte an diesem Abend das OX-Fest steigen, also das Fest des OX-Fanzines, für das ich bereits seit gut dreißig Jahren schreibe.

Insgesamt spielten vier Band, und ich bekam davon nur einen Teil mit. Der Grund ist einleuchtend: Ich war damit beschäftigt, Bier zu trinken und mit den Leuten zu reden, die ich antraf. Ich stieß auf Punks aus Stuttgart, die ich seit den 80er-Jahren kannte, auf die OX-Crew, mit der ich mich eigentlich nur schriftlich austausche und die ich viel zu selten treffen, auf Punkrocker und ehemalige Punks aus der halben Republik. Die »Alte Hackerei« war ziemlich voll, und die Stimmung empfand ich als bestens.

Irgendwann fing es zu regnen an, was meiner guten Laune keinen Schaden zufügte. Das Bier schmeckte, und man konnte es im Biergarten gut aushalten; unter dem Blechdach führte ich viele Gespräche mit Leuten, die ich teilweise seit Jahren nicht mehr gesehen hatte. Wir redeten über alte Punkrock-Zeiten und die anstehende Rente, über die Kinder und ihre Abenteuer, über die Arbeit und die Familie und all die Sachzwänge, die wir mittlerweile offensichtlich alle haben und die wir uns vor dreißig oder vierzig Jahren nicht einmal vorstellen konnten.

Als Hammerhead auf die Bühne stiegen, suchte ich mir einen Platz in der Nähe des Bühnenrandes. Mir war klar, dass es voll werden würde, und ich wollte mit meiner Brille nicht zu sehr ins Pogo-Getümmel geraten. Kluger Plan, aber …

Die Band legte los, und ab dem ersten Ton schuf sie eine grandiose Stimmung. Der ganze Raum schien zu kochen; überall herrschte Begeisterung. Der ruppige Hardcore-Punk begeisterte, die Ansagen von Tobias Scheiße brachten mal Widerspruch, mal Beifall. Und sobald die Band zu spielen anfing, wurde mitgebrüllt und getanzt. Meine Jacke und meinen Pullover hatte ich längst abgelegt, meine Brille ebenfalls sorgsam verstaut.

Und irgendwann konnte ich mich nicht mehr halten. Da ich eh schon auf der Stelle hüpfte und ins Schwitzen kam, konnte ich mich auch gleich in den Mob stürzen. Das war ein großer Spaß – lauter Leute, die einen durchaus heftigen Pogo betrieben, also kein Kuschel-Pogo, kein »entschuldigen Sie bitte, dass ich Ihnen auf den Fuß getreten sind«, aber ohne Karate-Einlage. Am Ende war ich ein wenig verbeult, fühlte mich aber großartig.

Über den Rest des Abends brauche ich nicht mehr so viel zu sagen. Ich saß noch lange im Biergarten, trank Bier und redete mit Leuten. Es regnete mal mehr und mal weniger. Und gegen zwei Uhr fuhr ich dann doch heim: Der strömende Regen sorgte dafür, dass ich gründlich durchnässt wurde, aber auch ein bisschen nüchtern wurde. 

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