11 Februar 2015

Lügenbeutel und Großkonzerne

Ich lese jeden Monat die deutschsprachige Ausgabe von »Le Monde Diplomatique«; das ist eine Zeitung, die mit ihren Analysen und Artikeln immer wieder einen ganz anderen Blick auf das Weltgeschehen wirft. Und bei den meisten Texten ist es relativ egal, ob ich die gleich lese oder mit dem Abstand von einem Monat oder mehr.

Ein schönes Beispiel dafür ist der Artikel »Die Lügenbeutel«, der in der Dezember-Ausgabe veröffentlicht wurde. Verfasst wurde er von dem britischen Historiker und Journalisten Owen Jones, und man kann ihn noch auf der Internet-Seite der Zeitung nachlesen. Das lohnt sich!

Owen schreibt über den sogenannten freien Markt, das alles aus rein britischer Sicht. Aber seine Argumente lassen sich jederzeit auf die deutschsprachige Politik-Landschaft übertragen. Er macht klar, wie falsch die Argumente der sogenannte Liberalen sind, nach denen der Staat alles falsch macht und die Privatwirtschaft als einzige Triebfeder des Fortschrittes funktioniert.

Über faule Beamte und verkrustete Bürokratien könnte ich mich täglich aufregen; aus vielen Erzählungen und auch der täglichen Arbeit weiß ich allerdings, dass es Faulheit und Unfähigkeit in der sogenannten Privatwirtschaft ebenfalls gibt – immer mehr, je höher man sich in der Hierarchie umschaut. (Während die »kleinen Leute am unteren Ende der Verwertungskette keine Möglichkeit haben, ihre Freiheiten zu pflegen, gibt es für Manager derart viele Vergünstigungen und Möglichkeiten, dass man die korrekterweise immer berücksichtigen sollte.)

Owens Fazit gefällt mir: Als »reines Fantasiegebilde« bezeichnet er den freien Markt. Letztlich werden die Unternehmen (auch Privatschulen, private Rentenversicherungen und alles andere) nur durch gigantische Transferzahlungen des Staates am Leben gehalten und können so ihre Macht ausüben.

Für Owen ist das System in Großbritannien nichts anderes als ein »Sozialismus für die Reichen und für die Unternehmen« – im Zweifelsfall hilft denen immer der Staat, sprich der Steuerzahler. Und all das lässt sich wunderbar auf Deutschland übertragen.

Wir leben also alle längst im Sozialismus. Wer sagt's bei Gelegenheit der SPD?

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