11 September 2009

Peinliche Männer

Fünf Stunden mit der Bahn ermatten auch jemanden, der - wie ich - eigentlich gern mit der Bahn reist. Also steige ich in Hamburg-Altona aus dem Wagen, stelle mein Gepäck kurz auf den Bahnsteig, genieße die Sonne, die zwischen den Wolken hervorguckt, und freue mich, daß ich fahrplanpassend eingetroffen bin.

Es kann eigentlich nichts schief gehen an diesem Wochenende, denke ich. Es ist zwar eine Dienstreise, aber eine von der netten Sorte - mit ein bißchen Freiraum für Privatkram und dergleichen.

Zwei Wagen weiter vorne steigen gut ein Dutzend Männer aus. Die habe ich während der Fahrt wahrgenommen, weil sie im Bordbistro saßen: lärmend, laut, übertrieben fröhlich und mit Bier in der Hand. Schon da habe ich mir überlegt, ob es sich um typische Hamburg-Touristen handeln könnte: auf der Suche nach einem abenteuerlichen Wochenende mit viel Suff und vielleicht ein bißchen Sex.

Sie gehen als Pulk über den Bahnsteig. »Hallo, ihr Fische!«, schreit einer, und die anderen lachen. »Stuttgart ist in der Stadt.«

Im Pulk gehen sie weiter, ich überhole sie, so schnell es geht. Fremdschämen ist mein aktueller Impuls: Es sind alles Schwaben, und ich bin ja auch einer. Muß man sich so peinlich benehmen?

Sie beginnen, grölend zu singen. »Super-Stuttgart, wir sind aus Super-Stuttgart.« Und ich mache, daß ich vom Bahnsteig verschwinde; wahrscheinlich ist mein Kopf hochrot.

5 Kommentare:

  1. Ach, Klaus - morgen ist HSV vs. VfB Stuttgart ... hast Du noch nie Fußballfans gesehen?

    AntwortenLöschen
  2. mein lieber herr frick! sicher ist fremdscham hier angemessen gewesen, allerdings handelte es sich bei den peinlichen männern um vfb stuttgart fans, die ihren verein auswärts in hamburg supporten wollen. so muß man(n) sich in fremden städten benehmen. das gehört zum guten ton des fußballs dazu. ich bin einmal mit holstein kiel fans in hamburg per sonderzug eingetroffen (zum spiel vs. st. pauli). alle gröhlten: hurra, hurra, die kieler die sind da! - ich konnte leider nicht fliehen, da ich im fantross von der polizei eskortiert wurde. ich habe mich auf jeden fall in grund und boden für meine stadt (kiel) und deren bürger geschämt...und beschlossen, nie wieder per zug auswärts zu einem fußballspiel zu reisen. grüße aus kiel! a.j.(44)

    AntwortenLöschen
  3. Lieber André, lieber Bernhard, natürlich weiß ich, wie Fußballfans aussehen und sich verhalten. Ich wusste am Freitag abend noch nicht, dass der VfB in Hamburg spielen wird. Aber die Herren sahen ja auch nicht aus wie Fußballfans, keine Schals oder dergleichen - nix. Peinlich fand ich sie dennoch ...

    AntwortenLöschen
  4. Peinlich sind sie dennoch ... wenn sie bunte Haare gehabt hätten und statt dessen "Sch*ß Deutschland" gegröhlt hätten, wär's aber etwas anderes, nicht? Dann wären die, die's nervt, bloß doofe Spießer... Klaus, manchmal hast Du die Toleranzschwelle einer schwäbischen Kehrwoche.

    AntwortenLöschen
  5. Tja, da muss man durch. Aber es gibt auch peinliche Hamburger, oder Pinneberger, zu denen ich inzwischen gehöre.

    AntwortenLöschen

Leider ist es auch in diesem Blog nötig geworden, Kommentare vorher zu »filtern« und sie erst danach freizuschalten. Ich bedauere das sehr, möchte diese »Sicherungsfunktion« aber beibehalten. Dieser Blog soll keinen Menschen für Beleidigungen und anderes zur Verfügung stehen, die im Zweifelsfall tagelang online sein könnten.

Bitte habt dafür Verständnis - und nötigenfalls auch mal 24 Stunden oder länger Geduld.