Der Schriftsteller Tom Hillenbrand war in den vergangenen Jahren sehr produktiv. Er verfasste erfolgreiche Krimis, die in Luxemburg spielen, und historische Romane, in denen es um das Stehlen von Kaffeepflanzen oder Kunstwerken geht. Als Science-Fiction-Fan mag ich es besonders, wenn er in die Zukunft blickt und von einer Welt erzählt, die keine hundert Jahre von der unseren entfernt liegt.
Bereits vor einem Jahr kam sein Roman »Thanatopia« in den Handel; diese Rezension ist also ein bisschen verspätet. Er spielt in der gleichen Welt wie auch die Hillenbrand-Bände »Hologrammatica« und »Qube«. Man muss diese Bücher aber nicht gelesen haben, um »Thanatopia« verstehen zu können, auch wenn es immer wieder Anspielungen gibt und Figuren auftauchen, die man kennen könnte. Letztlich handelt es sich um drei unterschiedliche Darstellungen einer relativ nahen Zeit.
Die schildert Hillenbrand durchaus kritisch, aber nicht als völlig dystopisch. In seiner Zukunft des Jahres 2095 hat die Klimakatastrophe bereits dazu geführt, dass weite Teile in Süd- und Mitteleuropa unbewohnt geworden sind; Millionen von Europäern siedeln in neuen Städten am Polarkreis.
Gleichzeitig haben sich die technischen Möglichkeiten rasant weiterentwickelt: Bewusstseine können auf Datenträgern gespeichert werden, das Klonen von Menschen ist bereits möglich, Raumschiffe sind am Rand des Sonnensystems unterwegs, Künstliche Intelligenzen spielen anscheinend ihre eigenen Spiele.
In dieser Zeit ereignen sich mysteriöse Morde, die nicht nur die Polizei in Wien verwundern. Wie es sich herausstellt, werden Klone gezüchtet, um sie möglichst schnell wieder zu töten. Dahinter steckt eine Bewegung, deren Mitglieder hinter das Geheimnis des Todes kommen wollen.
Doch schnell gibt es Fragen, die sich nicht leicht beantworten lassen: Wer stirbt eigentlich, wenn man einen Klon tötet und mit ihm ein Bewusstsein, das ihm »aufgespielt« worden ist? Was ist eigentlich der wahre Kern eines Menschen, wenn man gewissermaßen digital weiterleben kann?
Ganz klar: Tom Hillenbrands Roman ist in erster Linie ein Science-Fiction-Krimi, der in einer Zukunft spielt, die nicht mehr so weit von unserer heutigen Zeit entfernt ist. Es geschehen Morde, die Polizei ermittelt, es spielen mächtige Leute aus der Wirtschaft und der Politik mit.
Ganz nebenbei stellt man sich bei der Lektüre des Romans die eine oder andere Frage, die über den reinen Krimi hinausgeht. Letztlich geht es um die Grenzen zwischen Leben und Tod, ebenso um die Grenzen zwischen »echten« Menschen und künstlichen Bewusstseinen.
»Thanatopia« ist richtig spannend. Dank seines Weltenbaus kommen Science-Fiction-Fans auf ihre Kosten. Wer sich auf den Krimi konzentriert, wird mit einer mitreißenden Handlung und interessanten Charakteren belohnt. Der Stil ist klar, Beschreibungen und Dialoge fesseln einen bei der Lektüre.
Absolut empfehlenswert!
Der Roman erschien als Paperback bei Kiepenheuer & Witsch; er ist 384 Seiten stark und kostet 18,00 Euro. Man kann ihn mithilfe der ISBN 978-3-462-00872-2 in allen Buchhandlungen bestellen. Die E-Book-Version gibt’s für 12,99 Euro. Informationen zum Buch sowie eine Leseprobe gibt’s auf der Verlagsseite.
(Diese Rezension wurde im Mai 2026 auf der Internet-Seite der PERRY RHODAN-Serie veröffentlicht. Hier wiederhole ich sie aus dokumentarischen Gründen und leicht verändert.)

Informationen zu »Thanatopia« sowie eine Leseprobe gibt es auf der Internet-Seite des KiWi-Verlags.
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