22 Oktober 2023

Erklärbär in Dreieich

»Entschuldigen Sie bitte.« Die Frau, die mich ansprach, war um die fünfzig Jahre alt und strahlte mich an. Sie hatte eben ihr Auto auf dem Parkplatz abgestellt, keine zehn Meter von meinem Wagen entfernt, und kam auf mich zu. »Wollen Sie auch ins Bürgerhaus? Was ist denn das für eine Veranstaltung, zu der so viele Leute aus ganz Deutschland anreisen? Sie sind ja sogar aus Hamburg.« Sie wies auf mein Nummernschild.

»Das ist nur ein Dienstwagen«, sagte ich, »das Auto gehört nicht mir, sondern meinem Arbeitgeber.« Ich erklärte ihr, was im Bürgerhaus vor sich ging: Der BuchmesseCon öffnete an diesem Samstag, 21. Oktober 2023, seine Pforten, und ich gehörte zu den Besuchern. Ich erzählte ihr von Autorinnen und Autoren, von Science Fiction und Fantasy.

Sie guckte mich an. »Science Fiction und Fantasy?«, fragte sie nach. Ich bejahte. Sie wünschte mir einen schönen Tag und verschwand, und ich hatte das Gefühl, etwas Unanständiges gesagt zu haben.

Ich ging üben den schmutzigen Parkplatz; meine Kolleginnen waren schon weiter. Zwei Frauen, die gerade in einen Waldweg einbiegen wollten, hielten an. Wieder lächelte mich eine an.

»Was ist denn das für eine Veranstaltung im Bürgerhaus?«, fragte sie. »Ich habe vorhin sogar einen Mann im Schottenrock gesehen, und Sie sehen auch anders aus.«

Ich guckte an mir hinunter. Rote Converse, schwarze Hose, schwarzes Shirt, graue Jacke – ich fand, dass ich völlig normal aussah. Aber ich erklärte den beiden Frauen das gleiche, was ich drei Minuten zuvor geschilderrt hatte. Die beiden bedanken sich freundlich, wir wünschten uns jeweils einen schönen Tag, und ich ging weiter.

Es war nicht das erste Mal, dass ich zu einem BuchmesseCon fuhr oder ging. Seit sie in Dreieich veranstaltet wurde, hatte ich diese Veranstaltung für die phantastische Literatur immer besucht. Aber ich war nie von Einheimischen gefragt worden, um was es sich bei alledem handelte.

»Immerhin ziehen sie nicht mit Fackeln und Mistgabeln auf und rufen zur Hexenverbrennung«, spottete ich so leise, dass es außer mir garantiert niemand hörte. Und ich überlegte mir, ob es nicht sinnvoll sein könnte, die Bevölkerung des Orts über die beeindrucken Veranstaltung zu informieren, die in ihrem Bürgerhaus ablief ...

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