21 Januar 2021

Karmacopter aus Mannheim

Wenn man bedenkt, wie viele Konzerte ich im Verlauf der Jahrzehnte in Mannheim gesehen und wie viele spannende Abenteuer ich in dieser Stadt erlebt habe, ist es bedauerlich, dass es gute Bands gibt, die ich nie live mitbekommen habe. Ein Beispiel dafür ist Karmacopter, eine dreiköpfige Band aus Mannheim, von der ich die Platte »Goodbye Haptik« habe, die 2009 veröffentlicht worden ist.

Die Band macht rotzigen Punk mit deutschen Texten, der vor allem gut in die Beine geht. Der Sound ist ruppig, vor allem das ratternde Schlagzeug und der knallige Gesang fallen mir da positiv auf. Man macht aber nicht nur Tempo-Sound, sondern baut immer mal wieder eine Unterbrechung ein, und manche Stücke sind eh ein wenig langsamer. Mir gefallen natürlich vor allem die Pogo-Stücke.

Allerdings fürchte ich, dass die Band zu verkopft ist für ein typisches Deutschpunk-Publikum. In einem Stück wie »dabeigewesen«, das mit seiner Emo-Gitarre sowieso eher nach Emopunk klingt, wird der leider viel zu früh verstorbene Martin Büsser erwähnt und ein sarkastischer Blick auf die Szene geworfen: »denn kredibel sein kommt nicht vom dumm im juz rumhängen«.

Wer als Band dann Textzeilen wie »Ich weiß, warum ich nicht tanzen will / es ist das Bindeglied zwischen Sterben und Onanieren« raushaut, schielt definitiv nicht auf den Mainstream, nicht einmal auf den Mainstream in einer winzigen Szene. Aber ich finde gerade diese Mischung aus rotzigen Statements und schlauen Aussagen über Gesellschaft, Szene und eigene Selbstverwirklichung sehr treffend und sehr gut.

Wer die Karmacopter-Platte irgendwo sieht und findet, sollte sie sich zulegen. Sehr guter Punk aus den Nuller-Jahren! Gibt’s im übrigen auch digital.

1 Kommentar:

  1. Die Platte »Goodbye Haptik« von KARMACOPTER gibt es – wie sich das für viele der neueren Bands gehört – auch bei Bandcamp. Dort kann man sie sich anhören und herunterladen. Hier:
    https://karmacopter.bandcamp.com/album/goodbye-haptik-lp-2009

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