30 Oktober 2020

Der FreuCon 2000

Aus der Serie »Alte Kamellen, leicht aufgewärmt«


Weil es in diesem Jahr keine »echten« Cons mehr für mich gab und auch keine Konzerte, will ich nun ab und zu in der Vergangenheit wühlen und Texte in den Blog stellen, die irgendwann in kleiner Auflage gedruckt worden sind. Das hier stammt aus dem »Sabberheinz 4« vom April 2000.

»Das war’s.« So lautete meine Aussage am Sonntag, 26. März 2000. Ich saß im Musik-Café des Jugendzentrums »Murgtäler Hof« in Freudenstadt, und mir war bewusst, dass meine Jugend jetzt endgültig vorüber war, und zwar so richtig. Der definitiv letzte FreuCon war über die Bühne gegangen, wir hatten den FreuCon 2000 in den alten Mauern zelebriert, und hinterher saß ich rum und hätte fast heulen können. Für die Jüngeren unter den Lesern mag sich das seltsam anhören, aber so war es wirklich.

Von 1981 bis 1992 veranstaltete ich jedes Jahr einen FreuCon, von Jahr zu Jahr waren Hermann Ritter und Günther Freunek stärker daran beteiligt, ab 1988 gehörten sie zum Con-Komitee, und im Jahr 2000 waren wir drei die Veranstalter. Auch für diese zwei Herren ist mit dem FreuCon 2000 irgendwie eine Ära zu Ende gegangen.

Es ist schwierig, ein Fazit zu einem Con zu ziehen, den man selbst veranstaltet hat. Sagen wir es so: Wer ernsthaftes Programm erwartete, war ohnehin fehl am Platz. So war das wichtigste an diesem Wochenende eben, dass sich alte Kumpels nach vielen Jahren wieder treffen und gemeinsam das eine oder andere Bier trinken.

Viele alte Freunde wurden schmerzlich vermisst: Einige sind schon tot, die meisten haben aber einfach keinen Kontakt mehr zum Fandom. Immer-hin hatten sich Aktivisten wie Achim Mehnert oder Karl E. Aulbach, Udo Klotz oder Gerd Rottenecker eingefunden, dazu viele andere mehr – unter den rund 60 Besuchern fanden sich (mit einer einzigen Ausnahme) keine »Neos«. Sogar der PR-Autor Wolfgang Kehl alias Arndt Ellmer, der in den 80er-Jahren Gast auf dem FreuCon gewesen war, hatte den weiten Weg aus dem südbadischen Raum in den Nordschwarzwald zurückgelegt. Auf eigene Kosten, versteht sich, denn das war alles andere als eine Verlagsveranstaltung.

Programmpunkte wie der Rückblick Hermann Ritters auf dreizehn vergangene Jahre oder die Aktiensitzung des »B-Fandoms« waren lustig, aber natürlich nicht wichtig. Entscheidend war einfach das Beisammensein mit verschiedenen Menschen – und zwar an der Stätte früherer FreuCons.

Als ich Hermann Ritter am Sonntagmittag zum Bahnhof begleitete, schloss sich irgendwie auch ein Kreis: Wir hatten uns 1982 kennengelernt, weil er nach Freudenstadt gefahren war, um den FreuCon zu besuchen. Wir werden uns weiterhin kennen, aber die verbindende Klammer des FreuCons, die wird es nicht geben.

Mal sehen, vielleicht schaffen es jüngere Fans, eine ähnliche Veranstaltungsreihe zu etablieren, die irgendwann mal so einen »Kult«-Charakter haben wird. Aktivisten gibt es ja immer wieder ...

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