01 April 2020

Der zweite Teil der Sean-Duffy-Reihe

Das Jahr 1982 in Nordirland: Die sogenannten Troubles halten an, ständig explodieren Bomben, werden Polizisten erschossen oder sogenannte Kollaborateure grausam hingerichtet. In dieser Zeit versucht Sean Duffy seiner Arbeit nachzugehen. Als Detective Sergeant soll er in Mordfällen ermitteln, ist aber auch dabei, wenn es darum geht, nach einem Anschlag eine Straße abzusperren und Leute zu kontrollieren.

Während sich zwischen Großbritannien und Argentinien der Falklandkrieg anbahnt, finden die Polizisten eine seltsame Leiche: den Torso eines Mannes, den jemand in einen Koffer gesteckt hat. Wie diese Leiche mit einer einsamen Witwe in einer Farm und mit einem großen Industrieprojekt in Belfast zusammenhängen? Das findet Sean Duffy auf schmerzhafte Weise heraus.

Mit seinen Romanen um den aufrechten Polizisten Duffy, der im protestantischen Nordirland ermittelt, obwohl er als Katholik eigentlich zu den »Feinden« gehört, hat sich Adrian McKinty zu einem der profiliertesten Krimi-Schriftsteller der vergangenen Jahre entwickelt. Der Autor schafft es mit dieser Reihe, die hierzulande im Suhrkamp-Verlag erscheint, eine Chronik der 80er-Jahre zu schreiben, die sowohl hart als auch melancholisch wirkt, die viel Zeitgeschehen vermittelt und bei der trotzdem jeder Roman für sich steht.

Das gilt auch für den zweiten Band der Reihe. »Die Sirenen von Belfast« spielt in der Stadt sowie in extrem ländlichen Gegenden. Der Polizist ermittelt, obwohl er von allen Seiten ausgebremst wird; er folgt seinem eigenen moralischen Kompass. Gleichzeitig weiß er selbst nicht so richtig, wohin er mit seinem Leben möchte, trinkt und kifft zuviel. Sean Duffy ist kein typischer Held; aus seiner Sicht kann der Autor aber das Nordirland der frühen 80er-Jahre sehr glaubhaft darstellen.

Großartig ist – vor allem für Musik-Fans und Literaturfreunde –, dass die Serie richtig eng in die Popkultur des Jahres 1982 eingebunden ist. Überschriften einzelner Kapitel orientieren sich an bekannten Liedern jener Zeit. Sean Duffy hört eigentlich ständig Musik, bleibt dabei nicht einem Genre verhaftet, erfreut sich mal an klassischen Klängen, ärgert sich über Brian Eno oder liebt die Undertones. Der Tod des Science-Fiction-Autors Philip K. Dick oder eine aktuelle Ausgabe der Zeitschrift »Interzone« gehören zu den Themen, über die der Detective Sergeant mit irgendwelchen Leuten spricht.

»Die Sirenen von Belfast« ist ein knalliger Krimi, in dem es heftige Action-Szenen ebenso gibt wie skurrile Elemente, in der gekämpft und geliebt wird. Lakonische Dialoge, starke Einblicke in soziale Verhältnisse, ein Held, der niemanden kalt lässt – ich las den Roman mit großer Begeisterung und war geradezu traurig, als er vorüber war. Aber da es ja weitere Bände der Reihe gibt, kann ich bald weitermachen ...

1 Kommentar:


  1. Weitere Informationen zu »Die Sirenen von Belfast« gibt es auf der Produktseite des Suhrkamp-Verelages. Hier:
    https://www.suhrkamp.de/adrian-mckinty/sean-duffy/die-sirenen-von-belfast_1330.html

    Zu »Die Sirenen von Belfast« gibt es sogar einen Buch-Trailer bei YouTube. Wer möchte, schaue hier:
    https://www.youtube.com/watch?v=KZht9bik_2s

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