18 Oktober 2017

40 Jahre Deutscher Herbst

»Die sind nicht so allein«, sagte mein Vater. »Bei uns in der Firma gibt's einige, die finden gut, was die machen.« Er sprach von der Roten Armee Fraktion, also den Terroristen von der »Baader-Meinhof-Bande«, wie man das damals bezeichnete. »Die meinen, es ist gut, wenn's auch mal welche von denen da oben abkriegen.«

Der sogenannte Deutsche Herbst ist in diesen Tagen genau vierzig Jahre her, und ich erinnere mich sehr gut daran. Ich habe die Bilder im »Stern« vor Augen, die blutüberströmte Terroristen auf einer Doppelseite zeigen. Das Schleyer-Bild kann ich mir nur in der Schwarzweiß-Version vorstellen, als die ich es in allen Zeitungen vor Augen geführt bekam.

Ich sehe noch den Hausmeister, der mit einem dicken Filzstift vor dem Fahndungsplakat stand, das in der Schule hing, und immer dann einen fetten Strich durch ein Gesicht zog, wenn ein Terrorist erschossen oder verhaftet wurde. »Wieder oiner erwischt«, sagte er befriedigt, als hätte er persönlich geschossen.

Die RAF war mir als Kind und Jugendlicher höchst suspekt. In den 80er-Jahren las ich gern das »Angehörigen-Info«, in dem die Angehörigen und Freunde der Inhaftierten über die Haftbedingungen informierten. Ich fand aber nie gut, dass die Terroristen politische Gegner erschossen und bei ihrem Feldzug gegen die Republik buchstäblich über Leichen gingen.

Aber wenn heute alle möglichen Leute behaupten, die RAF habe nie einen Rückhalt in der Bevölkerung gehabt, so kann das nicht stimmen. Meine Erinnerung sagt etwas anderes: Wenn ganz stinknormale Fabrikarbeiter in einer spießigen kleinen Stadt im Schwarzwald hinter vorgehaltener Hand ihre Sympathien äußerten, waren diese Arbeiter bestimmt keine Avantgarde.

Vierzig Jahre nach alledem bleiben vor allem die Bilder – die Zeitzeugen sind alt, haben viel vergessen und erinnern sich höchst subjektiv. Man wird wohl nie die Wahrheit über den Deutschen Herbst komplett erfahren.

1 Kommentar:

  1. Dia dhuit, Klaus.
    Wann immer Leute meinen im Besitz "absoluter Wahrheiten" zu sein, für die man/frau auch gern andere Mitmenschen killen darf/soll/muß, ist der eigene "Rote Alarm!" gefragt. Schlußendlich nämlich führt jeder Ansatz totalitären Denkes ungebremst in eine Variante von Faschismus.
    Vor 40 Jahren raubte, bombte & ermordete man/frau also für linkes Weltrevoluzzertum. Heute (u.a.) für kruden Religions-Bling-Bling - same shit!

    bonté

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