26 September 2017

Was tun nach diesem Sonntag?

Viele Menschen haben sich in den vergangenen eineinhalb Tagen zur Bundestagswahl geäußert, viele von ihnen haben sehr kluge Sätze von sich gegeben. Manche waren staatsmännisch und äußerten nachvollziehbare Gedankengänge. Da ich kein Politiker bin, gibt's hier nur einige wenige Gedanken von mir, die mir seit dem Sonntagabend durch den Kopf gehen.

Erstens: Ich hatte mir kurzfristig überlegt, in eine Partei einzutreten, um meinen Unmut über die aktuelle Politik endlich sinnvoll zu kanalisieren. Aber mit diesem Gedankengang wurde ich anfangs 1983 ein Mitglied der SPD, war eifriger Juso und bin heute noch fassungslos darüber, wie lange ich das alles mitmachte.

Zweitens: Ich bin sicher nicht »unpolitisch«, sehe aber nirgends eine sinnvolle Partei oder Organisation, in die ich mich einbringen möchte. Ich mag die Sprüche nicht mehr hören, ich möge mich halt da engagieren, wo ich am meisten Übereinstimmung finde. Es kann keiner ernsthaft der Linkspartei zumuten, mich als Mitglied aufnehmen zu müssen.

Drittens: Wenn mir jetzt alle möglichen Leute sagen, 87 Prozent seien doch gegen die AfD-Nazis, so stimmt das nicht. 87 Prozent haben vielleicht nicht die AfD gewählt. Sie haben aber auch nichts gegen die AfD und andere Nazi-Gruppierungen getan. (Wie oft stand ich in Demonstrationen von 250 Leuten gegen die zweiwöchentlichen Nazi-Aufmärsche in meiner Heimatstadt? Das hat zumeist weder die CDU noch die SPD interessiert.)

Viertens: Wenn es eine Sprache gibt, die Nazis verstehen, so ist es die der Gewalt. (Meist üben sie die Gewalt aus ...) Die Geschichte belegt das eindrucksvoll. Ob die Gewalt verbal oder sportlich ausgetragen wird, ist durchaus diskussionswürdig. Aber der alte Spruch »Nazis aufs Maul« als Reaktion bekommt in meinen Ohren neuerdings viel Sympathie.

Fünftens: Vielleicht schaffen es die 87 Prozent, die angeblich so tapfer gegen Nazis sind, beim nächsten Mal ihre Hintern in Bewegung zu versetzen. Dann könnte man Aufmärsche und Aktionen der Rechtsradikalen blockieren, verhindern, stören oder sonstwie als schwierig gestalten. Wenn nicht 250 Leutchen gegen die Nazis stehen, sondern 2500 ... nur mal so angedacht ...

1 Kommentar:

  1. Es geht ja nicht nur um den Widerstand gegen die braunen Kappen. Es geht ja auch darum, weitere Übereinstimmung zu finden. Ich war dieses Jahr nicht überrascht, die Linke als die Partei vorzufinden, die mit am meisten mit meinen Überzeugungen übereinstimmte. Richtig überrascht war ich, dass ich eigentlich eher noch die sogenannte Tierschutzpartei hätte wählen sollen.

    Ich für meinen Teil weiß, dass alle Parteien meine Wünsche nicht vollständig erfüllen. Ich weiß eben auch, dass das auch dann gar nicht ginge, wenn es eine Partei gäbe, die 100 % mit meinen Ansichten konform gehen würde. Aber ich finde mich bei den Parteien, die ich dann jetzt gewählt habe - siehe, wer mag: http://www.beckinsale.de/archive/3326 - so gut aufgehoben, dass ich keine Bauchschmerzen mit meiner Wahl habe. Und immer noch sagen kann, dass braune Farbe nicht auf meinem Wahlzettel zu finden war.

    My.

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