11 August 2017

Ideenhändler als künftiger Beruf?

»Mir fällt es schwer, Ideen zu entwickeln«, sagte mir einmal jemand, der gerne Science-Fiction-Kurzgeschichten schrieb. »Ich sitze dann immer da, und mir fällt nichts ein.« Das ist eine Empfindung, die ich tatsächlich nicht nachvollziehen kann. Mein Problem ist eher, dass ich zu viel Ideen habe und diese nicht kanalisieren kann.

Kanalisieren heißt: Die ganze Zeit wird der Kopf mit irgendwelchen Geschichten geflutet – es geht jetzt nicht mal darum, ob die gut oder brauchbar oder sonstwie relevant sind. Die Geschichten sind da, und sie plagen mich, wenn sie nicht aus dem Kopf kommen.

Ich radle mit dem Rad durch den Wald, und ich denke über eine Fortsetzung von »Das blutende Land« nach. Welche Figuren könnten auftauchen, welche Geschichte will ich erzählen?

Ich sitze im Training an irgendeiner Maschine, und mir fallen Szenen aus Afrika ein, aus denen ich Geschichten machen könnte: Militärkontrolle in Burkina-Faso, Geldeintreiber in Kamerun, Tuareg in Algerien, Kiffen in Marokko, Radfahren in Senegal, Geldwechseln in Togo, Elefanten in Sambia ... und so weiter.

Dazu kommen Punkrock-Geschichten, also auch biografisches Zeugs, Fantasy-Geschichten, Ideen für meine liebste Raketenheftchenserie, Konzepte für neue Heftromanserien und so weiter. Es ist eine Flut, die nicht immer genial ist – wirklich nicht –, aber nicht aufhören mag.

Das Hirn ist voll mit Dingen, die sich immer wieder zu neuen Bildern formen. Und wenn ich die nicht aus dem Kopf bekomme, tun sie weh. Weil ich aber dummerweise nicht tagaus, tagein schreiben kann – die meisten Dinge interessieren ja niemanden, wie der bescheidene Erfolg meines Afrika-Buches zeigt –, sondern Geld verdienen muss, frustriert der Ideenstau.

Also bin ich immer mit einem Block und einem Stift unterwegs. Ich notiere mir Ideen, ich schreibe Szenen auf, ich kritzle Dialoge auf Zettel und in Blocks. Dann verschwinden sie vielleicht recht schnell wieder, und zwei Jahre später weiß ich nicht einmal mehr, was die Notizen zu bedeuten haben – aber sie sind aus dem Kopf.

Die Empfindung aber, keine eigenen Ideen zu haben, kann ich nicht teilen. Vielleicht sollte ich doch mal mit einem schwungvollen Ideenhandel anfangen ...

2 Kommentare:

  1. Christina10:46 AM

    Texte im Kopf!
    Das kenne ich auch, vor allem nachts. Dann schreibe ich an Geschichten oder formuliere Blogeinträge nur in Gedanken und wünschte ich könne aufstehen, um sie niederzuschreiben. Manchmal tue ich das auch, aber selten. Viel zu selten.
    Ich glaube, deswegen blogge ich auch, um die Texte aus dem Kopf zu bekommen. Es hilft nur nicht, es kommen immer wieder welche nach.

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  2. Angelika6:16 PM

    Das kenne ich auch!
    Gerade erst wieder heute Vormittag erlebt.
    Stehe mit dem Auto auf dem Parkplatz vorm Einkaufzentrum. Anstatt gleich auszusteigen, sinniere ich über die Pläne einer Künstlichen Intelligenz.
    Bis ein netter Herr an meine Autoscheibe klopfte und fragte, ob mit mir alles in Ordnung ist oder ob ich Hilfe bräuchte ...

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