29 Oktober 2012

An der Eitelkeit gepackt

Jeder Mensch ist eitel. Wenigstens ein bisschen. Ich mache da keine Ausnahme. Und im Sommer diesen Jahres wurde ich so richtig an meiner Eitelkeit gepackt, schaffte es dann aber doch im letzten Moment, die fünf Sinne auf einer Linie zu sortieren.

Der Reihe nach: An einem Freitag klingelte mein Telefon. Am Apparat war ein sehr nett klingender Mann, der sich als Redakteur ausgab, so in etwa in meine, Alter. Er hatte es schon mehrfach versucht, war dann aber an meiner Sturheit gescheitert, dass ich zeitweise nicht an mein Telefon gehe ...

Er sei Redakteur für ein großes deutschsprachiges Wochenmagazin, und es gehe um die Chaostage. Diese jährten sich im Spätjahr 2012 zum dreißigsten Mal. Da wollte er eine Reportage dazu machen, und ich wäre ein möglicher »Kandidat« für ein Porträt.

Ich wandte ein, dass ich 1982 nicht dabei gewesen sei, ebensowenig 1983 und 1984 – so gut sich das in meiner Biografie auch machen würde. Ich hätte mich erst 1994, 1995, 1996 und 2000 auf den Straßen Hannovers herumgetrieben, von irgendwelchen provinziellen Kleinkram-Chaostagen in den 80er- und 90er-Jahren mal abgesehen. Über 1982 könnte ich nichts sinnvolles erzählen.

Dann schmeichelte er meiner Eitelkeit. Ich sei ja schließlich in den 90er-Jahren sehr aktiv geworden, ich hätte ja auch noch diesen ungewöhnlichen Beruf, das könnte man doch gut verbinden, und überhaupt ... Alles in allem sah ich mich schon in einer großen Reportage in einer großen deutschsprachigen Zeitschrift ganzseitig abgebildet. Meine Eitelkeit hatte zugeschlagen.

Übers Wochenende dachte ich nach, nicht nur einmal, sondern längere Zeit. Wer hatte etwas davon, wenn ich meine Fresse zum Thema Chaostage herzeige? Die internationale Punkrock-Szene gleich mal gar nicht. Die von mir herausgegebene Serie ebenfalls nicht.

Und ich selbst gleich zweimal nicht – außer einer Befriedigung meiner Eitelkeit gab's hier nichts zu holen. Vor allem nicht in einem Magazin, das ich selbst nicht lese, das ich aus gutem Grund nicht gut finde ... Ich war auf einmal selbst von mir fasziniert, wie leicht ich mich bequatschen lasse, für ein wenig Ruhm und Bekanntheitsgrad.

Am Montag meldete ich mich bei dem Journalisten und sagte ab. Ich habe es bis jetzt noch keine Sekunde bereut.


2 Kommentare:

  1. Ja, das kenne ich ... über den Sommer hatte ich mal wieder Kontakt mit einem uralten Bekannten, der schon bei 83-Chaostage Fotos geschossen hat. Mit dem habe ich dann was zum 30er-Jubiläum für so nen STERN-Ableger gemacht. Und neulich hatte ich deswegen ein Date mit einer Dame vom NDR. die mir allerdings in einer anderen Sache weiterhelfen konnte. Guter Deal. Und jetzt ist die Tür zu. Wenn noch jemand aufkreuzt, gibt's nur ein großes Schild: AUSVERKAUFT! Sollen sie sich doch was aus den Fingern saugen ... das hat eh immer am meisten Spaß gemacht!

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