11 Juli 2012

Eine Stadt geht baden

Was herauskommt, wenn sich Größenwahn (man hält sich für eine wichtige Stadt), Minderwertigkeitskomplexe (gegenüber Mannheim und Stuttgart) und eine Beraterfirma zusammentun, das bestätigt in diesen Tagen meine Heimatstadt Stadt Karlsruhe. Die großen Pläne der Vergangenheit (man wollte Kulturhauptstadt Europas werden, um nur ein Beispiel zu nennen) sind allesamt gescheitert, und der KSC ist abgestiegen – also will man zumindest mit einem duften Slogan punkten.

Bisher hieß das Motto der Stadt, das für teures Geld vom Stadtmarketing überall plakatiert wurde, »Karlsruhe – viel vor. viel dahinter«, was unsereins stets mit »viel vor. nix dahinter« übersetzte. Künftig soll das Motto noch viel genialer sein: »Karlsruhe – baden in ideen«, nur echt mit der Kleinschreibung.

Das ganze ist eine Anspielung auf das Land Baden, in dem Karlsruhe ja die Hauptstadt ist, und die Tatsache, dass es sich die Region gern und nicht zu Unrecht als Technologieregion vermarktet. Auf diesen Slogan sind die Stadtverwaltung und das Stadtmarketing auch noch stolz. Die vielen Wortspiele, die sich bei dem Slogan automatisch ergeben, muss ich hier nicht wiedergeben; so viel Hirn dürfte jeder Leser dieses Blogs selbst haben.

Immerhin will man mit dem Slogan, dessen Entwicklung angeblich 50.000 Euro gekostet hat, »eine Neupo­­si­tio­­nie­rung Karlsruhes bis zum 300-jährigen Stadt­ju­bi­läum 2015« erreichen. Angeblich passe der Slogan bestens zu Karlsruhe, er sei »sehr vielschichtig«. Wenn man lange genug irgendwelchen Unsinn erzählt, glaubt man ihn wohl auch selbst ...

4 Kommentare:

  1. Whoa! Hier zwei 50.000-Euro-Slogans für eine gewisse SF-Serie (Geld bitte auf mein Ihnen bekanntes Konto, lieber Herr Frick):

    perry rhodan - ALLe helden

    rhodan perry, weltraum-räumer

    Nicht genial? Hab mir auch nur 15 Sekunden Zeit genommen, ähm.

    PS: Toller Artikel.

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  2. Na geht doch noch. Berlin wirbt mit "Be Berlin", und allein der Slogan soll wohl schon eine sechsstellige Summe gekostet haben (die dazugehörige Werbekampagne mindestens zehn Millionen). Wirklich toll ist der auch nicht. "Arm aber sexy" war irgendwie cooler, aber eben nicht offiziell.

    Da lob ich mir meinen früheren Heimatort, der sich den Slogan "Stadt voller Energie" verpasst. Erstens hat der meines Wissens nach kaum etwas gekostet, und zweitens ist er vielleicht ein etwas simpler, aber frischer Ausspruch, der zudem mit dem Umstand spielt, dass der Ort in Sachen Energiegewinnung und entsprechender Nebenindustrien einen Namen macht...

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  3. Fehlt eigentlich nur noch, dass dieser Wellenreuther tatsächlich OB wird.

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  4. Martin Schäfer9:22 PM

    Meine Heimatstadt ist mittlerweile mehr als 1200 Jahre alt.

    Der aktuelle Spruch:
    MINDEN seit 798 merkwürdig
    passt aber gut.

    Mehr als ein großes Dorf ist unsere Stadt nämlich nicht.

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