Zu den großen Rätseln der Kosmologie und der Astrophysik zählt das der fehlenden Masse. Wie es aussieht, ist das, was wir Menschen mithilfe unserer Teleskope sehen und mit allerlei technischen Hilfsmitteln darüber hinaus wahrnehmen können, nur ein Teil dessen, was das Universum ausmacht. Die »normale« Materie bildet gerade einmal 15 Prozent; der Rest besteht aus Dunkler Materie und Dunkler Energie. Doch was ist das genau, was man unter diesen Begriffen zusammenfasst?
Der niederländische Wissenschaftsjournalist Govert Schilling geht in seinem Sachbuch »Der Elefant im Universum« dieser Frage nach. Das macht er in eine recht lockeren Weise, so dass ein interessierter Laie – als solcher betrachte ich mich – jederzeit seinem Text folgen kann.
Kein Wunder: Schilling ist ein Autor, der schon Preise für seine Arbeiten erhalten und mehr als fünfzig Bücher veröffentlicht hat. Die Internationale Astronomische Union (IAU) hat im Jahr 2007 sogar einen Kleinplaneten nach ihm benannt: (10986) Govert …
Schilling schildert sowohl die historische als auch die physikalische Dimension der Forschung: Er erzählt, welche Wissenschaftler zu welchen Zeiten am Thema der »fehlenden Materie« gearbeitet haben und zu welchen Schlussfolgerungen sie gekommen sind. Zudem gibt er die wissenschaftlichen Grundlagen wieder, die für die Suche eingesetzt werden. Auch vermittelt er die unterschiedlichen Theorien und zeigt auf, wie realistisch es ist, dass man sie jemals überprüfen kann.
Dabei arbeitet sich der Autor und Journalist von Person zu Person vor. Das ist eine geschickte Methode: Er erzählt von den jeweiligen Wissenschaftlern, mit denen er teilweise persönlich gesprochen hat, und stellt dar, welche Erkenntnisse sie zu ihrem Forschungsgebiet beigetragen haben. So entsteht das Bild einer engagierten Gemeinschaft, die an einem der größten Rätsel unserer Zeit arbeitet, sich dabei nicht immer einig ist – um es vorsichtig zu formulieren –, aber auf einen harten Konkurrenzkampf verzichtet.
Die Lektüre machte mir richtig Spaß. Einige Dinge, über die Schilling schreibt, wusste ich durch die langjährige Lektüre von Zeitschriften wie »bild der wissenschaft«; vieles war mir aber neu. In der Zusammenstellung fand ich das Buch sehr überzeugend: Schilling schreibt so, dass man ihm jederzeit folgen kann. Weil er auch immer die persönlichen Eigenschaften der Wissenschaftler ins Spiel bringt – wenn jemand einen Kaffee trinkt oder an seiner Brille herumspielt –, bekommt man einen lebensnahen Einblick.
Der Autor hat also eher einen journalistischen als einen wissenschaftlichen Zugang. Aber genau das fand ich so lesenswert – eine gelungene Mixtur aus Unterhaltung und Information.
»Der Elefant im Universum« ist als Hardcover-Band im Kosmos-Verlag erschienen, umfasst 400 Seiten – inklusive einer großen Liste von Quellenangaben – und kostet 28,00 Euro. (Wer sich vom Inhalt überzeugen möchte, findet auf der Internet-Seite des Verlags eine Leseprobe.) Das E-Book kostet 22,99 Euro.
(Diese Rezension habe ich im Juli auf der Internet-Seite der PERRY RHODAN-Serie veröffentlicht. Hier ist es praktisch eine Wiederholung zur Dokumentation.)

Weitere Informationen zu »Der Elefant im Universum« sowie eine Leseprobe gibt es auf der Internet-Seite des Kosmos-Verlags.
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