14 September 2026

Neuseeländische Krimi-Miniserie

In einer Kleinstadt im Norden von Neuseeland ist die Polizistin Deb tätig; sie schlägt sich mit Betrunkenen und Autounfällen herum, sie kennt sich gut aus und weiß über die örtlichen Probleme bestens Bescheid. Als mit Mihi nicht nur eine neue Kriminalbeamtin in den Ort kommt, sondern auch ihre Ex-Lebenspartnerin, die sie vor Jahren hat einfach sitzen lassen, gerät Deb in emotionale Verwicklungen. Und das in einer Zeit, in der sich die Fälle häufen ...

Die sechs Teile umfassende Miniserie »Back Up« ist neu in der Mediathek des ZDF; ich habe sie mir angesehen und fand sie sehr unterhaltsam. Jede Folge steht für sich, erzählt wird aber eine gemeinsame Geschichte: Die Fälle hängen miteinander zusammen, und die emotionalen Konflikte tragen die Staffel in hervorragender Art und Weise.

Kulturelle Gegensätze spielen eine Rolle, werden aber nicht übertrieben: Mihi ist eine Maori, und sie ist mit ihrer Familie eng verwoben. Dafür kennt Deb wegen ihrer Familie jeden Trunkenbold in der Stadt. So sind Kultur, Beziehung und Kriminalfall hervorragend miteinander verknüpft.

Die Miniserie hat immer wieder schöne Landschaftsaufnahmen; die Schauspieler/innen wirken auf mich auch in den Nebenrollen sehr glaubhaft, und die Musik ergänzt die einzelnen Folgen. Gelegentlich gibt es Humor, der kann auch mal grob sein – wie das halt in ländlichen Regionen manchmal so ist ...

Insgesamt hat mich »Back Up« überzeugt. Weil die Geschichte noch nicht völlig auserzählt ist, könnte es eine Fortsetzung geben. Es wäre aber auch okay, wenn es bei diesem Sechsteiler bliebe ...

11 September 2026

Vor 25 Jahren begann eine andere Zeit

Auf einmal stand der Kollege in meinem Büro, sein Gesicht war bleich. »Da ist einer mit dem Flugzeug ins World Trade Center geflogen«, sagte er.

Ich tat das Ganze zuerst ab. »Mit einer Cessna, oder was?«, fragte ich. »Hat er sich verflogen?«

»Nein. Mit einem Passagierflugzeug.« Ich solle im Internet nachgucken.

Wir bekamen keinen Zugriff mehr aufs Internet. Die Leitungen waren an diesem 11. September 2001 völlig überlastet. Im Radio kamen nur verwirrende Berichte. Wir wussten nicht, was los war, ahnten aber, dass etwas Schlimmes geschehen sein musste.

Ich machte sehr früh Feierabend und fuhr nach Hause. Dort setzte ich mich auf die Couch und sah quasi »live« zu, wie ein Flugzeug in den zweiten Turm flog, wie alles brannte und dann die Türme zusammenstürzten.

An diesem Tag war an ein normales Gespräch nicht mehr zu denken. Alle Leute, mit denen ich redete, waren bestürzt und schockiert.

Das ist jetzt exakt 25 Jahre her. An diesem Tag begann eine andere Zeit, das ist mittlerweile sicher. Die Welt änderte sich in einem Maß, das wir uns vorher nicht hatten vorstellen können.

10 September 2026

Starker Buchladen

Mitten in Gamla Stan, der zentralen Insel von Stockholm, findet sich hinter einer schönen Altstadt-Fassade ein interessanter, nein, ein echt starker Laden. Gemeint ist der »Science Fiction Bokhandeln«, der gleich mehrere Stockwerke einnimmt. Wobei die Genre-Bezeichnung nicht so eng genommen wird: Mehr als die Hälfte des Sortiments ist Fantasy, und in der riesigen Comic-Abteilung finden sich auch haufenweise Alben und Taschenbücher aus anderen Genres.

Der Laden erstreckt sich über mehrere Stockwerke, die ich mir staunend anschaute. Taschenbücher und Bücher, Comics und Mangas bilden dabei einen wesentlichen Teil. Es gibt aber ebenso einen großen Bereich für Rollenspiele und andere Spielsysteme. Wer beispielsweise »Warhammer« und dergleichen mag, kann sich mit Figuren und Diorama-Bausätzen eindecken.

Selbstverständlich gibt es eine Abteilung für Kinderbücher, man kann sich allerlei Merchandise-Produkte kaufen, und sogar eine eigene »Harry Potter«-Abteilung lädt zum Stöbern ein. Ein großer Teil des Angebots ist in englischer Sprache; die Schweden beherrschen diese Sprache meist sehr gut. Aber der Anteil der Übersetzungen kann sich ebenfalls sehen lassen.

Ich war sehr beeindruckt. Man kann in diesem Laden einiges an Zeit verbringen, einfach nur deshalb, weil man viel zum Staunen und zum Stöbern hat. Wäre ich Schwede oder würde ich in diesem Land arbeiten, wäre ich wohl öfter in dieser Ecke von Gamla Stan.

09 September 2026

Die Suche nach der Dunklen Materie

Zu den großen Rätseln der Kosmologie und der Astrophysik zählt das der fehlenden Masse. Wie es aussieht, ist das, was wir Menschen mithilfe unserer Teleskope sehen und mit allerlei technischen Hilfsmitteln darüber hinaus wahrnehmen können, nur ein Teil dessen, was das Universum ausmacht. Die »normale« Materie bildet gerade einmal 15 Prozent; der Rest besteht aus Dunkler Materie und Dunkler Energie. Doch was ist das genau, was man unter diesen Begriffen zusammenfasst?

Der niederländische Wissenschaftsjournalist Govert Schilling geht in seinem Sachbuch »Der Elefant im Universum« dieser Frage nach. Das macht er in eine recht lockeren Weise, so dass ein interessierter Laie – als solcher betrachte ich mich – jederzeit seinem Text folgen kann.

Kein Wunder: Schilling ist ein Autor, der schon Preise für seine Arbeiten erhalten und mehr als fünfzig Bücher veröffentlicht hat. Die Internationale Astronomische Union (IAU) hat im Jahr 2007 sogar einen Kleinplaneten nach ihm benannt: (10986) Govert …

Schilling schildert sowohl die historische als auch die physikalische Dimension der Forschung: Er erzählt, welche Wissenschaftler zu welchen Zeiten am Thema der »fehlenden Materie« gearbeitet haben und zu welchen Schlussfolgerungen sie gekommen sind. Zudem gibt er die wissenschaftlichen Grundlagen wieder, die für die Suche eingesetzt werden. Auch vermittelt er die unterschiedlichen Theorien und zeigt auf, wie realistisch es ist, dass man sie jemals überprüfen kann.

Dabei arbeitet sich der Autor und Journalist von Person zu Person vor. Das ist eine geschickte Methode: Er erzählt von den jeweiligen Wissenschaftlern, mit denen er teilweise persönlich gesprochen hat, und stellt dar, welche Erkenntnisse sie zu ihrem Forschungsgebiet beigetragen haben. So entsteht das Bild einer engagierten Gemeinschaft, die an einem der größten Rätsel unserer Zeit arbeitet, sich dabei nicht immer einig ist – um es vorsichtig zu formulieren –, aber auf einen harten Konkurrenzkampf verzichtet.

Die Lektüre machte mir richtig Spaß. Einige Dinge, über die Schilling schreibt, wusste ich durch die langjährige Lektüre von Zeitschriften wie »bild der wissenschaft«; vieles war mir aber neu. In der Zusammenstellung fand ich das Buch sehr überzeugend: Schilling schreibt so, dass man ihm jederzeit folgen kann. Weil er auch immer die persönlichen Eigenschaften der Wissenschaftler ins Spiel bringt – wenn jemand einen Kaffee trinkt oder an seiner Brille herumspielt –, bekommt man einen lebensnahen Einblick.

Der Autor hat also eher einen journalistischen als einen wissenschaftlichen Zugang. Aber genau das fand ich so lesenswert – eine gelungene Mixtur aus Unterhaltung und Information.

»Der Elefant im Universum« ist als Hardcover-Band im Kosmos-Verlag erschienen, umfasst 400 Seiten – inklusive einer großen Liste von Quellenangaben – und kostet 28,00 Euro. (Wer sich vom Inhalt überzeugen möchte, findet auf der Internet-Seite des Verlags eine Leseprobe.) Das E-Book kostet 22,99 Euro.

(Diese Rezension habe ich im Juli auf der Internet-Seite der PERRY RHODAN-Serie veröffentlicht. Hier ist es praktisch eine Wiederholung zur Dokumentation.)

08 September 2026

Erfrischende Kurz-Utopien

Die Autorin Theresa Hannig ist mir seit mehreren Jahren bekannt: Sie schreibt Science Fiction, die in der näheren Zukunft spielt, und ist politisch aktiv. Mit »Übermorgen« liegt gewissermaßen ein Querschnitt durch die zwei Seiten ihrer Persönlichkeit vor – allerdings in Buchform: Science Fiction in ihrer kurzen Form, immer unterhaltsam, immer politisch und manchmal sehr amüsant.

Veröffentlicht wurden die Texte zuerst in der »tageszeitung« aus Berlin; die Zusammenstellung in Buchform erfolgte nun im Hirnkost-Verlag. Theresa Hannig sollte in einer Kolumne politische Ereignisse so kommentieren, wie es von einer Science-Fiction-Autorin erwartet wird: also durchaus der Zukunft zugewandt, gern auch ein bisschen positiv und nicht voller Angst vor kommenden Krisen. 

Die Autorin erfand einen Zeitreisenden aus dem Jahr 2123, der bei ihr an der Tür klopft und sich mit ihr unterhält. Ihre fiktiven Gespräche mit Felix – so heißt der Zeitreisende – bilden die Grundlage für die kurzen Texte, die nie mehr als drei Buchseiten lang sind. Felix kennt sich mit der gesellschaftlichen Lage seiner Zeit gut aus und kommentiert aus seiner Warte die eine oder andere Entwicklung unserer Zeit. 

Vor allem erzählt er darüber, was sich in den fast hundert Jahren positiv verändert hat. Die Welt des Jahres 2123 ist zwar noch lange nicht perfekt, aber die Menschen leben in einer Zukunft, die man sich gern vorstellen möchte.

Die Autorin und der Zeitreisende diskutieren über den Klimawandel und neue Möglichkeiten für die Bürger, sich an demokratischen Entscheidungen zu beteiligen. Sie reden über die Rente oder die Bauern, praktisch über alle Themen, die sich heutzutage ergeben und bei denen man schon gern wüsste, wie die in der Zukunft gelöst werden.

Die Gespräche sind oft amüsant zu lesen, die Visionen einer nicht zu weit entfernten Zukunft werden häufig mit einem gewissen Augenzwinkern präsentiert. Besonders gut gefällt mir dabei, dass die Autorin nicht den mahnenden Zeigefinger erhebt, sondern ihre Figuren locker erzählen lässt. Leserinnen und Leser können sich so ihre eigene Meinung bilden.

Wer mag, kann die einzelnen Texte als Kurzgeschichten betrachten; veröffentlicht wurden sie als Kolumnen. Das Buch enthält auch Kolumnen, die nicht in der »tageszeitung« veröffentlicht wurden, weil sie der Redaktion zu negativ waren. So entsteht ein höchst unterhaltsames Science-Fiction-Lesebuch, das man immer wieder zur Hand nimmt und nicht am Stück lesen muss.

Erschienen ist »Übermorgen« als ein schön gestalteter Hardcover-Band – inklusive Lesebändchen! –, der gut in der Hand liegt. Die 132 Seiten gibt’s für 18,00 Euro überall im Buchhandel; bei einer Bestellung ist die ISBN 978-3-9885714-1-0 möglicherweise hilfreich. Das E-Book kostet übrigens 10,99 Euro – sowohl das E-Book als auch die gedruckte Ausgabe sind über den PERRY RHODAN-OnlineShop erhältlich.

Wer einige Hintergründe zu »Übermorgen« haben möchte, kann sich auf der Internet-Seite der Autorin informieren. Dort gibt es nicht nur eine Leseprobe, sondern auch ein Video zur Buchvorstellung.

(Die Rezension erschien auf der Internet-Seite der PERRY RHODAN-Serie, bereits im Juli 2026. Hier teile ich sie aus dokumentarischen Gründen.) 

07 September 2026

Den Schafskrimi gesehen

Als ich den Roman »Glennkill« der deutschen Autorin Leonie Swann vor gut zwanzig Jahren las, fand ich ihn sehr erfrischend. Ich war nicht ganz so euphorisiert wie manche Leute in meinem sozialen Umfeld, mochte ihn aber sehr. Umso gespannter war ich nun auf die Verfilmung.

Der Film heißt im Original »The Sheep Detectives«, für den deutschen Markt hat man auf den sicheren Titel »Glennkill: Ein Schafskrimi« gesetzt. Mit Prominenten wie Hugh Jackman setzte man durchaus auf Stars; das war also keine billige Produktion. Wobei die eigentlichen Stars des Films eh die Schafe sind ...

Der Film kam in diesem Jahr heraus, ich sah ihn mir auf einem Streamingkanal an, also nicht im Kino. Seien wir fair: Er ist unterhaltsam, er hat seine schönen Seiten, aber man braucht ihn wirklich nicht.

Er hält sich vage an die Vorlage des Romans, vor allem in der Charakterisierung der Schafe, weicht aber in vielen Details stark ab. Das ist nicht schlimm, finde ich, das macht allerdings eine andere Geschichte daraus. Wer eine Eins-zu-Eins-Verfilmung des Bestsellers erwartet, ist vielleicht enttäuscht; mich störte das nicht so sehr.

Die Schafe und ihre Gedankengänge sind putzig, die Lösung des Krimis in sich auch schlüssig. Das passt schon gut zusammen, und man langweilt sich nicht unbedingt. So richtig spannend ist der Streifen allerdings nicht – eineinhalb Stunden kann man damit aber gut verbringen.

04 September 2026

Der Ragtime und die Beatles

In meinem Auto lief der von mir abonnierte Streamingdienst. Warum auch immer ich die Musik gestartet hatte: Aus den Boxen kam das Stakkato-Klavierspiel, das sich Scott Joplin vor gut hundert Jahren ausgedacht hatte. Ich finde Ragtime tatsächlich sehr cool und mag das immer wieder: Die Musik hat Tempo, sie wirkt hektisch und ein wenig überdreht, aber sie macht gute Laune, und eigentlich möchte man dazu herumhüpfen.

Im Gespräch kam die Frage auf: »Das ist eine rasante Musik, viel schneller als das, was in den fünfziger und sechziger Jahren als Rock’n’Roll verkauft wurde. Warum hat man sich darüber nicht aufgeregt? Wieso dieser Zorn und dieser lautstarke Hass gegen die Beat- und Rockmusik?«

Meine ernsthafte Überlegung; keine Ahnung, ob das realistisch ist: Ragtime wurde von Schwarzen Musikern gespielt und lief oft in »anrüchigen« Bars, in Speakeasys und halblegalen Restaurants. Und weil damals von vielen weißen Menschen den Schwarzen eh ein »animalisches Verhalten« angedichtet wurde, verzieh man ihnen gewissermaßen diese schnelle und zeitweise abgedrehte Musik. Das passte für sie irgendwie.

Bei den Beatles oder auch bei Elvis Presley handelte es sich um »weiße Jungs«. Und die machten auf einmal auch so eine wilde Musik. Das war dann auf andere Weise schlimm und brachte die Leute auf. So meine Theorie, die ich nicht blöd finde.

03 September 2026

Stille am Gambia

Aus der Serie »Ein Bild und seine Geschichte«


Bei meiner Reise durch Senegal und Gambia kam ich auch in den Nationalpark Niokolo-Koba im hintersten Winkel des Landes. Der Park liegt so weit von der Atlantik-Küste entfernt, dass er schon fast an Mali und Guinea stößt; eine sehr abgelegene Gegend also, in der es aber seltene Tiere und faszinierende Landschaften zu bestaunen gibt.

Unter anderem kam ich an eine sehr ruhige Stelle am Gambia. Der Fluss schlängelt sich erst eine Weile durch Senegal und dabei durch diesen Nationalpark, bevor er nach Gambia hineinfließt.

Ich war von der Lage und der Atmosphäre beeindruckt. Während ich am Ufer saß, hörte ich im Hintergrund eine große Gruppe von Affen zetern, während die Bäume im Wind rauschten und Vögel zwitscherten.

Im Flusswasser direkt vor mir waren Flusspferde, die ab und zu an die Oberfläche kamen und ihre riesigen Mäuler aufrissen. Einmal sprang ein Flusspferd sogar in die Höhe und landete mit einem riesigen »Platscher« wieder im Wasser.

Links ruhten auf einer Sandbank einige Krokodile. Die Echsen schienen in der Sonne zu dösen oder gar zu schlafen; es wirkte sehr friedlich. Und rechts bot sich der Blick in die Ferne: Wasser, Urwald und Himmel. Diesen Nachmittag am 15. November 1996 werde ich nie vergessen ...

02 September 2026

Knallig-blutiger Western-Comic

Das Kreativgespann aus Rogert Seiter und Chris Regnault ist mir durchaus bekannt: Die beiden haben in den vergangenen Jahren sowohl getrennt wie auch als Team eine Reihe von gelungenen Comics veröffentlicht. Mit »Leave Them Alone« liegt nun ein knalliger Western vor, den der Splitter-Verlag im kleinformatigen »Book«-Format veröffentlicht hat.

Die Story spielt im Jahr 1874 in Arizona. Eine Bande brutaler Mörder terrorisiert die Gegend. Postkutschen werden überfallen, es gibt Mord und Vergewaltigung. Eine kleine Poststation wird zum Schauplatz eines fiesen Kampfes, in dem sich unter anderem ein 18 Jahre altes Mädchen und seine Großmutter bewähren müssen ...

Das Szenario für den spannenden Comic stammt von Roger Seiter, und man kommt sich bei der Lektüre vor wie in einem klassischen Italo-Western. Die Figuren sind klar definiert, man kann Gut und Böse unterscheiden. Trotzdem gibt es »graue« Charaktere, zu denen eine Prostituierte und ein anfangs sehr schweigsamer Revolvermann gehören. Über die gesamte Länge der 160 Seiten hinweg ist die Geschichte spannend, auch deshalb, weil sie sich immer mehr zuspitzt und mit einer Reihe von Überraschungen aufwartet.

Chris Regnault verbindet die rasante Story mit einer bestechenden Grafik. Sie ist nicht hyperrealistisch; die Figuren erinnern manchmal eher an »Funnys«, ohne aber witzig zu sein. Landschaftsbilder überzeugen, Gesichter sind stark, Action wirkt heftig – Regnault hat einen modernen Stil, der nicht an die Western-Klassiker wie »Comanche« oder »Blueberry« erinnert, sondern eigene Wege einschlägt.

Starker top-aktueller Western-Comic! Checkt die Leseprobe!

01 September 2026

Literarischer Blick auf die 70er-Jahre

Ein Roman auf zwei Zeitebenen, ein Roman über eine Epoche: Ich habe »Disko« gelesen, der die Mitte der 70er-Jahre auf besondere Weise lebendig macht. Verfasst wurde der Roman von Till Raether, der selbst Jahrgang 1969 ist und die 70er-Jahre nur als Kind mitbekam – er bringt dieses Jahrzehnt aber hervorragend auf den Punkt.

Die Geschichte beginnt im Hier und Jetzt: Eine Frau schreibt einen Brief an ihren Bruder, zu dem sie nur noch losen Kontakt hat. Dabei war er in ihrem Leben einmal wichtig, vor allem war er in den 70er-Jahren für eine gewisse Zeit ein kleiner Star. Er veröffentlichte Musik, und seine Schallplatten werden zur aktuellen Zeit im Oldie-Radio gespielt. Und während die Ich-Erzählerin schreibt und über ihr Leben nachdenkt, plaudert sie eben auch über das Jahr 1975 und über die Suche nach ihrem Bruder.

Die Geschichte innerhalb der Geschichte hat es in sich: Im November 1975 verlässt die vierzehn Jahre alte Schülerin ihr Elternhaus in Norddeutschland und begibt sich auf die weite Reise nach München. Dort ist ihr Bruder als Musikproduzent tätig, und sie muss ihn unbedingt treffen – ihrer Ansicht nach muss er zurück ins Elternhaus, um bei der Beerdigung der Mutter dabei zu sein.

Das Mädchen hat keinen Plan, schafft es aber trotzdem nach München. Dort stolpert die Vierzehnjährige durch die Nacht, trifft Leute aus der Szene, bei denen sie auch übernachten kann, lernt das Innere von Diskotheken und Tonstudios kennen und kommt so langsam ihrem Bruder näher. Am Ende trifft sie ihn endlich, doch die Begegnung verläuft nicht ganz so, wie sie es sich ausgemalt hat …

»Disko« ist ein gelungenes Werk, das nicht nur Leserinnen und Leser ansprechen sollte, die in den 70er-Jahren bereits alt genug waren, um die damalige Musik mitbekommen zu haben. Stilistisch zielt das Werk nicht unbedingt auf locker-leichte Lektüre ab: Es gibt praktisch keine Dialoge, viel wird in indirekter Sprache vermittelt.

Dadurch ergibt sich ein distanzierter Blick auf die jugendliche Hauptfigur und ihre Erlebnisse, was anfangs verwirren kann – ich war das so schlichtweg nicht gewohnt –, dann aber sehr fasziniert. Das Geschehen liest sich oft amüsant, wenngleich der Roman nie einen schenkelklopfenden Humor vermittelt.

Das München, das Till Raether präsentiert, ist voll von interessanten Charakteren, die aus der manchmal naiven Sicht eines Mädchens geschildert werden. Man bekommt bei der Lektüre einen lesenswerten Einblick in die Diskotheken-Szene der 70er-Jahre, die vielleicht wirklich so war, die man sich aber so auf jeden Fall gut vorstellen kann. Wer möchte, kann sich auf der Internet-Seite des Verlags mit einer Leseprobe einen Eindruck verschaffen.

Erschienen ist »Disko« als Hardcover-Band mit Schutzumschlag (das Taschenbuch kommt in diesem Herbst) bei btb; er ist 240 Seiten stark und kostet 24,00 Euro. Mithilfe der 978-3-442-75926-2 kann man ihn überall im Buchhandel bestellen. Das E-Book gibt’s für 18,99 Euro. 

(Die Rezension wurde auf der Internet-Seite der PERRY RHODAN-Serie veröffentlicht, bereits im Juni. Hier teile ich sie aus dokumentarischen Gründen.)