19 Juni 2026

Im Gitterkäfig der Minis

Ich schob mein Rad in einen der Ständer, die man zwischen der Kirche und der »Alten Bank« errichtet hatte. Wie immer war der Stellplatz völlig überfüllt, so dass ich meine Probleme hatte, das Fahrrad vernünftig abzustellen und abzuschließen. Meine Sporttasche, die ich über der Schulter trug, behinderte mich dabei ein wenig.

Während ich noch versuchte, alles vernünftig zu befestigen, hörte ich plötzlich die Stimme, die von der Seite erklang. »Hallo! Hallo!«, sagte sie. Da sich die Stimme nach einem kleinen Kind anhörte, ignorierte ich die zwei Wörter. Irgendwo wird ja eine Mutter oder ein Vater sein, dachte ich; um Kinder brauchte ich mich nicht zu kümmern.

Doch die Stimme erklang erneut. Das »Hallo! Hallo!« ertönte praktisch direkt neben mir. Ich richtete mich auf, mein Schloss hatte ich mittlerweile an der passenden Stelle befestigt.

Neben dem Fahrradständer erstreckte sich ein Spielplatz, der eigentlich aus zwei Teilen bestand. Der größere Teil war für die Kinder, die schon schaukeln und ein wenig turnen konnten. Aber es gab eine Art Gitterkäfig für die Kleinen, eine Fläche aus Sand, die mit einem Zaun aus stabilem Draht umgeben war, vielleicht einen halben Meter hoch. Wer älter als sieben Jahre war, konnte problemlos darüber klettern, die »Minis« waren damit überfordert.

Neben mir stand einer der Kleinen, ob es ein Junge oder ein Mädchen war, konnte ich nicht erkennen. Das Kind war vielleicht drei Jahre alt, höchstes vier, und trug einen Overall. Als es bemerkte, dass ich es anschaute, hob es beide Hände, grinste breit und zeigte mir die Mittelfinger.

Es sah nicht aggressiv aus, eher putzig; das Kind war klein und noch nicht in der Lage, einen stramm emporgereckten Mittelfinger zu zeigen. Die Fäuste waren putzig, der Mittelfinger wirkte ein wenig krumm. Aber die Geste war eindeutig.

Kurz sah ich mich um. Galt das mir? Wo waren die Eltern? Ich sah keine Aufsichtsperson. Die Erwachsenen, die in der Umgebung des Käfigs saßen oder standen, unterhielten sich oder guckten angestrengt auf ihr Smartphone.

Achselzuckend wandte ich mich ab und fixierte mein Schloss endgültig. Das galt wohl nicht mir.

Da ertönte die Stimme wieder. »Hallo! Hallo!«, sagte das Kind.

Reflexhaft ruckte ich zur Seite und blickte auf das Kind hinunter. Es stand direkt am Gitter, schaute mich an und zeigte mir mit einem leichten Grinsen wieder beide Stinkefinger.

Da konnte ich nicht mehr. Ich lachte los und schüttelte den Kopf. Wo hatte der oder die Kleine das denn her? Kopfschüttelnd verließ ich den Fahrradstände und ging zu dem Gebäude, in dem ich trainieren wollte. Das war dann doch wichtiger …

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