Vielleicht hat sich der eine oder andere Leser dieses Blogs gefreut, warum Ende Oktober und Anfang November für einige Tage völlige Funkstille herrschte. Der Grund liegt auf der Hand: Ich war im Urlaub; wir waren zehn Tage auf Zypern. Da war noch recht warm, und man konnte im Meer planschen - das war ausschlaggebend dafür, einen erneuten Touri-Trip zu buchen.
Wenn ich dazu komme, liefere ich einige Berichte nach. Wobei: Über Zypern kann ich nicht viel sagen. Über die Dörfer Protaras und Paralimni sowie die Kleinstadt Ayia Napa kamen wir nicht hinaus; ansonsten spazierten wir durch den schönen Naturpark am Cape Greco, wo man schön wandern und aufs Meer gucken konnte.
Das Hotel Grecian Park erwies sich als sehr ordentlich, und ich nahm sicher wieder zwei Kilo zu. Wobei ich mit am besten fand, dass es am Ende der Saison war und sich das Hotel von Tag zu Tag mehr leerte: Deshalb hatten wir auch ein Zimmer mit bombastischem Meerblick und besonders aufmerksamen Service beim Abendessen (und am Ende kein Buffet mehr, sondern ein viel besseres Menü).
Unterm Strich war's erholsam und schön. Ich bekam sogar ein wenig Farbe ins Gesicht. Was will ich eigentlich mehr?
Es passiert einiges um mich herum, und nicht alles gefällt mir. Vieles fasziniert mich, vieles interessiert mich – und das soll Thema dieses Blogs sein.
09 November 2010
08 November 2010
Scab klingen sehr professionell
Scab stammen aus München; vier Typen, die sehr normal aussehen und konventionellen Melodie-Punk spielen, der so klingt, als ob man ihn kommerziell verwerten wolle. Dagegen ist ja nichts zu sagen, es hat aber mit »meinem« Punk so viel nicht zu tun.
Das belegt sehr schön die CD-Single »My Song For You«, auf der sich zwei Stücke befinden: gute Musik, sauber gepielt und perfekt aufgenommen, ein Sound, der die örtliche Junge-Union-Fraktion sicher ebenso zum Tanzen bringen wird wie fröhliche Irokesenpunker.
Mag sein, dass ich negativ klinge, denn die Band hört sich damit nicht schlechter an als vergleichbare Melodie-Punker aus den USA – aber auf Dauer langweilt mich diese glattgespülte Punk-Musik einfach.
Das belegt sehr schön die CD-Single »My Song For You«, auf der sich zwei Stücke befinden: gute Musik, sauber gepielt und perfekt aufgenommen, ein Sound, der die örtliche Junge-Union-Fraktion sicher ebenso zum Tanzen bringen wird wie fröhliche Irokesenpunker.
Mag sein, dass ich negativ klinge, denn die Band hört sich damit nicht schlechter an als vergleichbare Melodie-Punker aus den USA – aber auf Dauer langweilt mich diese glattgespülte Punk-Musik einfach.
Ziemlich improvisierte Sendung
Da es quasi der erste Tag nach dem Urlaub war, geriet meine Radiosendung am Sonntag abend, 7. November 2011, zu einer leicht chaotischen Angelegenheit. Kurzerhand griff ich in das Fach mit CD-Samplern, das ich zu Hause angelegt habe, schnappte mir zwei Dutzend CDs und fuhr mit diesen ins Querfunk-Studio.
Die Sendung wurde doch ganz ordentlich, hoffe ich zumindest. Es gab wenig England-Punk, weil ich den komplett vergessen hatte – gerade mal Police Bastard bollerten aus den Boxen. Und auch der Deutschpunk hielt sich sehr in Grenzen.
Stattdessen gab es englischsprachige Töne aus deutschen Punkrocklanden: Unter anderem spielte ich Oxymoron aus Nürnberg und Loaded aus Mannheim, dazu Steakknife ausm Saarland. Und für die Skapunk-Freunde gab's mit Yakuzi aus Pforzheim, Scrapy aus Passau und No Respect aus Göttingen einiges auf die Ohren.
Einen gewissen Schwerpunk gab's mit den USA. Anti-Flag und Good Riddance mag ich immer gern spielen, die Bodies und die Seducers kennt man mittlerweile kaum noch – aber das passt auch. Und Jello Biafra mit den Melvins kann man ebenfalls bringen.
Was fehlte noch? Ein wenig Hardcore zum Abschuss. Den brachten die Skandinavier: einmal Endstand aus Finnland, einmal Rifu aus Norwegen. Ich fand meine Sendung cool.
Die Sendung wurde doch ganz ordentlich, hoffe ich zumindest. Es gab wenig England-Punk, weil ich den komplett vergessen hatte – gerade mal Police Bastard bollerten aus den Boxen. Und auch der Deutschpunk hielt sich sehr in Grenzen.
Stattdessen gab es englischsprachige Töne aus deutschen Punkrocklanden: Unter anderem spielte ich Oxymoron aus Nürnberg und Loaded aus Mannheim, dazu Steakknife ausm Saarland. Und für die Skapunk-Freunde gab's mit Yakuzi aus Pforzheim, Scrapy aus Passau und No Respect aus Göttingen einiges auf die Ohren.
Einen gewissen Schwerpunk gab's mit den USA. Anti-Flag und Good Riddance mag ich immer gern spielen, die Bodies und die Seducers kennt man mittlerweile kaum noch – aber das passt auch. Und Jello Biafra mit den Melvins kann man ebenfalls bringen.
Was fehlte noch? Ein wenig Hardcore zum Abschuss. Den brachten die Skandinavier: einmal Endstand aus Finnland, einmal Rifu aus Norwegen. Ich fand meine Sendung cool.
07 November 2010
Der Pforzheimer Bottich
An diesem Samstag abend, 6. November 2010, ging es nach Pforzheim, wo es nach aktuellen Gerüchten einen neuen Punkrock-Schuppen geben sollte. Der Laden hieß »Bottich«, lag verkehrsgünstig direkt unter dem Rathaus der Stadt und entpuppte sich als Veranstaltungsort, an dem vor allem Folk und Jazz veranstaltet wurde.
Viel Beton und alles sehr schlicht, dazu haufenweise junge Leute - ich kam mir vor wie in den 80er Jahren. Alles sehr sympathisch und sicher mal wieder ein Grund, nach Pforzheim zu fahren.
Als erste Band spielten Fragment aus Pforzheim; wie ich hinterher erfuhr, war es der erste Auftritt der fünf Jungs. Im Prinzip gab's eine wütende Mischung aus Geschrei und Gebrüll, voller Energie und Heftigkeit, irgendwie wie eine Kreuzung aus Extreme Noise Terror und Rorschach - das heimische Publikum feierte das auch gut ab.
Danach Social Sukas, die aus Köln stammten und im Prinzip Skinhead-Hardcore der klassisch amerikanischen Schule spielten. Ruppig und aggressiv, mit einem fies auf der Bühne herumtobenden Glatzkopf. Das hatte was, aber nach einiger Zeit laberte ich dann lieber vor der Tür mit mitgereisten Trinkkumpanen.
Immerhin warteten wir auf die Hauptgruppe: Gewapened Beton hatte ich schon der »Alten Hackerei« in Karlsruhe gesehen, und die vier jungen Holländer ließen auch an diesem Abend nix anbrennen, sondern bolzten sich mit rasantem Tempo durch ihre Stücke. Das gefiel mir gut, sogar der teilweise stumpfe Pogo entlockte mir ein fröhliches Grinsen.
Im Gegensatz zum Slime-Konzert am Vorabend war der Besuch im »Bottich« so richtig Punkrock. Dazu gehörte dann auch die Heimfahrt mit vier angesoffenen bis hackepallebreiten Leuten in meinem Auto sowie das Ins-Haus-Schleppen eines nicht mehr so richtig gehfähigen Kollegen ...
Viel Beton und alles sehr schlicht, dazu haufenweise junge Leute - ich kam mir vor wie in den 80er Jahren. Alles sehr sympathisch und sicher mal wieder ein Grund, nach Pforzheim zu fahren.
Als erste Band spielten Fragment aus Pforzheim; wie ich hinterher erfuhr, war es der erste Auftritt der fünf Jungs. Im Prinzip gab's eine wütende Mischung aus Geschrei und Gebrüll, voller Energie und Heftigkeit, irgendwie wie eine Kreuzung aus Extreme Noise Terror und Rorschach - das heimische Publikum feierte das auch gut ab.
Danach Social Sukas, die aus Köln stammten und im Prinzip Skinhead-Hardcore der klassisch amerikanischen Schule spielten. Ruppig und aggressiv, mit einem fies auf der Bühne herumtobenden Glatzkopf. Das hatte was, aber nach einiger Zeit laberte ich dann lieber vor der Tür mit mitgereisten Trinkkumpanen.
Immerhin warteten wir auf die Hauptgruppe: Gewapened Beton hatte ich schon der »Alten Hackerei« in Karlsruhe gesehen, und die vier jungen Holländer ließen auch an diesem Abend nix anbrennen, sondern bolzten sich mit rasantem Tempo durch ihre Stücke. Das gefiel mir gut, sogar der teilweise stumpfe Pogo entlockte mir ein fröhliches Grinsen.
Im Gegensatz zum Slime-Konzert am Vorabend war der Besuch im »Bottich« so richtig Punkrock. Dazu gehörte dann auch die Heimfahrt mit vier angesoffenen bis hackepallebreiten Leuten in meinem Auto sowie das Ins-Haus-Schleppen eines nicht mehr so richtig gehfähigen Kollegen ...
06 November 2010
Die beste Slime-Coverband
Freitag, 5. November 2010: Fünf Männer und zwei Frauen, allesamt zwischen Mitte dreißig und exakt fünfzig Jahre alt, sitzen in der Straßenbahn von Karlsruhe nach Heidelberg. »Wie in alten Zeiten«: Wir trinken Bier, labern dummes Zeugs und fahren gemeinsam auf ein Punk-Konzert. Ein 80er-Jahre-Revival der besonderen Art - die klassische Deutschpunk-Band Slime aus Hamburg, ein echter Klassiker, den wir alle mögen, spielt im Karlstorbahnhof.
Der Karlstorbahnhof entpuppt sich als ehemaliger Kinosaal, der Andrang ist groß, und selbstverständlich kenne ich haufenweise Leute. Grauhaarige Punkrocker sind da, aber auch haufenweise junge Leute, eine gute Mischung. Ich verlabere mich völlig vor der Tür und gehe spät rein.
So verpasse ich leider den größten Teil der Vorgruppe. Das sind die sauguten Chefdenker aus Köln. Das T-Shirt der Band hängt praktischerweise vor dem Bühnen-Logo von Slime, mitten im Stern des Logos - geschicktes Marketing gewissermaßen. Der Auftritt ist aber auch so gut, sofern ich das beurteilen kann.
Slime lassen sich dann ein wenig Zeit mit dem Auftritt. Bevor die Band auf die Bühne kommt, werden weiße Handtücher an die vier Herren und die eine Dame verteilt - das finde ich lustig.
Nach den ersten vier Stücken bin ich kurz davor, weinend den Saal zu verlassen. Klassiker aus den frühen 80er Jahren werden zu einer Hardrock-Soße vermischt, bei der mir ganz anders wird. Auch wenn ich die Augen schließe, klappt das nicht mit meiner Erinnerung an früher.
Jede Band hat das Recht, sich fortzuentwickeln. Slime machten das anfangs der 90er Jahre mit »Schweineherbst« und anderen Stücken; als die Band diese nun spielt, passt der Auftritt von damals mit dem Auftritt dieses Freitags zusammen. Ich bin einigermaßen versöhnt und beginne, den Abend zu genießen.
Andere Leute haben das Problem nicht. Begeistert wird überall mitgesungen, vor der Bühne entwickelt sich ein fröhlicher Pogo-Mog, die Stimmung kocht langsam hoch. Bis in die letzten Reihen herrscht Bewegung.
Als ich vom Bierholen zurückkomme und mich zu meinen Begleitern stelle, stößt mir mein Nebenmann mehrfach den Ellbogen in die Seite. »Hey, du stehst auf meinem Platz«, schnauzt er mich an.
Ich glaube an einen Irrtum und lache. »Ich will die Band sehen«, mosert er weiter. »Ich hab dich durchgelassen, jetzt geh weiter. Du stehst auf meinem Platz.«
Ich glaub's immer noch nicht und lache weiter, erzähle die Geschichte dann Ün, der neben mir steht. Der guckt sich den Typen an, lacht ebenfalls. »Der hat sogar ein T-Shirt der ›Alten Hackerei‹ an«, sagt er lauthals. »Ob's da jetzt auch Platzkarten gibt?«
Irgendwie passt mein neuer Freund, der mir noch eine Viertelstunde länger den Ellbogen in die Seite haut, zum ganzen Auftritt. Punk im Jahr 2010 scheint eine Mischung aus Oldie-Rock-Show und großem Rock-Konzert zu sein. Wer da hingeht, erwartet korrekte Bedienung, einen sauberen Blick zur Bühne und die Chance, die alten Lieder mitzusingen.
Ich gönne Slime das Geld, das sie mit der Tour hoffentlich verdienen. Das Konzert beurteile ich als »ganz gut«, und wenn man die Gitarren-Soli und das Hardrock-Gedöns ignoriert, macht es sogar Spaß. (Und über die drei Stunden dauernde Heimfahrt mit Bussen und Straßenbahnen decken wir den Mantel des Schweigens.)
Der Karlstorbahnhof entpuppt sich als ehemaliger Kinosaal, der Andrang ist groß, und selbstverständlich kenne ich haufenweise Leute. Grauhaarige Punkrocker sind da, aber auch haufenweise junge Leute, eine gute Mischung. Ich verlabere mich völlig vor der Tür und gehe spät rein.
So verpasse ich leider den größten Teil der Vorgruppe. Das sind die sauguten Chefdenker aus Köln. Das T-Shirt der Band hängt praktischerweise vor dem Bühnen-Logo von Slime, mitten im Stern des Logos - geschicktes Marketing gewissermaßen. Der Auftritt ist aber auch so gut, sofern ich das beurteilen kann.
Slime lassen sich dann ein wenig Zeit mit dem Auftritt. Bevor die Band auf die Bühne kommt, werden weiße Handtücher an die vier Herren und die eine Dame verteilt - das finde ich lustig.
Nach den ersten vier Stücken bin ich kurz davor, weinend den Saal zu verlassen. Klassiker aus den frühen 80er Jahren werden zu einer Hardrock-Soße vermischt, bei der mir ganz anders wird. Auch wenn ich die Augen schließe, klappt das nicht mit meiner Erinnerung an früher.
Jede Band hat das Recht, sich fortzuentwickeln. Slime machten das anfangs der 90er Jahre mit »Schweineherbst« und anderen Stücken; als die Band diese nun spielt, passt der Auftritt von damals mit dem Auftritt dieses Freitags zusammen. Ich bin einigermaßen versöhnt und beginne, den Abend zu genießen.
Andere Leute haben das Problem nicht. Begeistert wird überall mitgesungen, vor der Bühne entwickelt sich ein fröhlicher Pogo-Mog, die Stimmung kocht langsam hoch. Bis in die letzten Reihen herrscht Bewegung.
Als ich vom Bierholen zurückkomme und mich zu meinen Begleitern stelle, stößt mir mein Nebenmann mehrfach den Ellbogen in die Seite. »Hey, du stehst auf meinem Platz«, schnauzt er mich an.
Ich glaube an einen Irrtum und lache. »Ich will die Band sehen«, mosert er weiter. »Ich hab dich durchgelassen, jetzt geh weiter. Du stehst auf meinem Platz.«
Ich glaub's immer noch nicht und lache weiter, erzähle die Geschichte dann Ün, der neben mir steht. Der guckt sich den Typen an, lacht ebenfalls. »Der hat sogar ein T-Shirt der ›Alten Hackerei‹ an«, sagt er lauthals. »Ob's da jetzt auch Platzkarten gibt?«
Irgendwie passt mein neuer Freund, der mir noch eine Viertelstunde länger den Ellbogen in die Seite haut, zum ganzen Auftritt. Punk im Jahr 2010 scheint eine Mischung aus Oldie-Rock-Show und großem Rock-Konzert zu sein. Wer da hingeht, erwartet korrekte Bedienung, einen sauberen Blick zur Bühne und die Chance, die alten Lieder mitzusingen.
Ich gönne Slime das Geld, das sie mit der Tour hoffentlich verdienen. Das Konzert beurteile ich als »ganz gut«, und wenn man die Gitarren-Soli und das Hardrock-Gedöns ignoriert, macht es sogar Spaß. (Und über die drei Stunden dauernde Heimfahrt mit Bussen und Straßenbahnen decken wir den Mantel des Schweigens.)
24 Oktober 2010
Auf der Insel Sainte Marguerite
Erinnerungen an die Südfrankreich-Tour im Juni 2010
Es war der letzte »komplette« Tag unseres Aufenthalts in Cannes und Umgebung, und wir beschlossen, uns endlich die Inseln südlich der Stadt anzuschauen. Zumindest eine der Lerins, wie die Inseln heißen, und zwar genau diejenige, die wir an jedem Morgen sahen, wenn wir aus unserer winzigen Wohnung herauskamen und die fünfzig Meter zum Strand zurücklegten.
Mit der Fähre ging es hinüber nach Sainte Marguerite, der größten der Lerins-Inseln. Sie ist einen auf drei Kilometer groß und sieht aus wie ein sehr spitz zulaufendes Ei, das auf der Seite liegt – wer sich das jetzt nicht vorstellen kann, möge die Beschreibung ignorieren.
Es gibt ein altes Fort, direkt daneben gibt es Restaurants und andere Möglichkeiten, sich den Wanst vollzuschlagen. Das ließen wir sein, stattdessen begannen wir mit einer Wanderung. Wir spazierten einmal rings um die Insel, was eine Strecke von vielleicht acht Kilometern entsprach, gingen dabei aber vor allem über die Steine am Strand oder fotografierten uns gegenseitig bei irgendwelchem Unfug.
Es tat richtig gut, nach den Tagen in der Stadt die frische Luft des Mittelmeers zu erspüren. Der Duft, der von den Bäumen des dichten Inselwaldes aufstieg, die schmalen Hohlwege, die aussahen, als schriebe man das 18. Jahrhundert und gleich kämen irgendwelche Musketiere um die Ecke, die warme Luft und die strahlende Sonne am Himmel – es war ein wunderbarer Spaziergang.
Einigermaßen erschöpft hüpften wir selbstverständlich später ins Wasser, um die frische Meeresbrandung zu genießen. Und fast hätten wir die letzte Fähre zum Festland verpasst, weil wir natürlich nicht schlau genug gewesen waren, eine Uhr einzupacken. Aber es ging alles gut – und seither habe ich Insel Sainte Marguerite als schönes Domizil im Hinterkopf.
Es war der letzte »komplette« Tag unseres Aufenthalts in Cannes und Umgebung, und wir beschlossen, uns endlich die Inseln südlich der Stadt anzuschauen. Zumindest eine der Lerins, wie die Inseln heißen, und zwar genau diejenige, die wir an jedem Morgen sahen, wenn wir aus unserer winzigen Wohnung herauskamen und die fünfzig Meter zum Strand zurücklegten.
Mit der Fähre ging es hinüber nach Sainte Marguerite, der größten der Lerins-Inseln. Sie ist einen auf drei Kilometer groß und sieht aus wie ein sehr spitz zulaufendes Ei, das auf der Seite liegt – wer sich das jetzt nicht vorstellen kann, möge die Beschreibung ignorieren.
Es gibt ein altes Fort, direkt daneben gibt es Restaurants und andere Möglichkeiten, sich den Wanst vollzuschlagen. Das ließen wir sein, stattdessen begannen wir mit einer Wanderung. Wir spazierten einmal rings um die Insel, was eine Strecke von vielleicht acht Kilometern entsprach, gingen dabei aber vor allem über die Steine am Strand oder fotografierten uns gegenseitig bei irgendwelchem Unfug.
Es tat richtig gut, nach den Tagen in der Stadt die frische Luft des Mittelmeers zu erspüren. Der Duft, der von den Bäumen des dichten Inselwaldes aufstieg, die schmalen Hohlwege, die aussahen, als schriebe man das 18. Jahrhundert und gleich kämen irgendwelche Musketiere um die Ecke, die warme Luft und die strahlende Sonne am Himmel – es war ein wunderbarer Spaziergang.
Einigermaßen erschöpft hüpften wir selbstverständlich später ins Wasser, um die frische Meeresbrandung zu genießen. Und fast hätten wir die letzte Fähre zum Festland verpasst, weil wir natürlich nicht schlau genug gewesen waren, eine Uhr einzupacken. Aber es ging alles gut – und seither habe ich Insel Sainte Marguerite als schönes Domizil im Hinterkopf.
23 Oktober 2010
M2 sind definitiv originell
Für die italienische Band M2 fehlen mir ein wenig die Begrifflichkeiten. Das Info und die bisherigen Besprechungen werfen mit Wörtern wie Post-Rock um sich oder versuchen den Sound der zweiköpfigen Gruppe als Mixtur aus Alternative-Rock und Drums & Bass zu bezeichnen. Das stimmt wohl alles so, wird der Band aber kaum gerecht.
Was die Band nämlich wirklich auszeichnet, ist die Stille, die in manchen Stücken mitschwingt, das Einflechten von Alltagsgeräuschen ebenfalls oder Gesprächsfetzen in deutscher, englischer, italienischer oder niederländischer Sprache, mit denen eine eigene Geschichte erzählt wird. Manche Stücke sind monoton, erzeugen damit aber eine Dymanik, die mir sehr gut gefallen hat; langweilig ist das nicht, vom Punkrock aber – was ich immer noch am liebsten höre – meilenweit entfernt.
Im Frühjahr 2010 kam die Platte »global pigeon« raus, die mir als schöne CD-Box vorliegt. Die recht langen Stücke sind in französisch, italienisch, holländisch, englisch und deutsch, teilweise mit einem sehr charmanten Akzent. Sehr schräg, sehr schön.
Die Platte ist nicht eingängig, sie ist originell, und sie langweilt mich nicht. Ich bin mir sicher, dass ich sie nicht zum letzten Mal angehört habe. Starkes Ding, echt!
Was die Band nämlich wirklich auszeichnet, ist die Stille, die in manchen Stücken mitschwingt, das Einflechten von Alltagsgeräuschen ebenfalls oder Gesprächsfetzen in deutscher, englischer, italienischer oder niederländischer Sprache, mit denen eine eigene Geschichte erzählt wird. Manche Stücke sind monoton, erzeugen damit aber eine Dymanik, die mir sehr gut gefallen hat; langweilig ist das nicht, vom Punkrock aber – was ich immer noch am liebsten höre – meilenweit entfernt.
Im Frühjahr 2010 kam die Platte »global pigeon« raus, die mir als schöne CD-Box vorliegt. Die recht langen Stücke sind in französisch, italienisch, holländisch, englisch und deutsch, teilweise mit einem sehr charmanten Akzent. Sehr schräg, sehr schön.
Die Platte ist nicht eingängig, sie ist originell, und sie langweilt mich nicht. Ich bin mir sicher, dass ich sie nicht zum letzten Mal angehört habe. Starkes Ding, echt!
22 Oktober 2010
Pfadfinder als Zweitberuf
Im Zug nach München: Vor mir sitzt eine alte Frau mit kurzen grauen Haaren, ich schätze sie knapp an die 80 Jahre. Zu allem Überfluss ist sie auch noch gehbehindert und benötigt einen Stock, um durch das Großraumabteil zu humpeln.
Sorgt schaue ich ihr nach, als sie bei einem Halt aufsteht und in Richtung Toilette geht. Eine ebenfalls grauhaarige Frau, vielleicht um die 70 Jahre alt und deutlich rüstiger, sieht meinen Blick und lächelt mich an. »Ich pass' auf, dass ihr nichts passiert.«
In der Tat hilft sie später der gehbehinderten Frau zurück an den Platz. Beruhigend winkt sie ab, als ich aufstehen will. Klappt schon, soll das wohl heißen.
In München hole ich das Gepäck der beiden Frauen, das im Stauraum untergebracht ist, herunter und trage es hinaus. »Das ist aber mal ein netter junger Mann«, sagt die alte Dame hinter mir leise.
Ich bin beglückt. »Junger Mann« ... es kann so einfach sein, sich wieder jung zu fühlen. (Nach einer Lesung in einem Jugendhaus komme ich mir ja meist wie ein Rentner vor.) Ich komme mir vor wie ein Pfadfinder.
Sorgt schaue ich ihr nach, als sie bei einem Halt aufsteht und in Richtung Toilette geht. Eine ebenfalls grauhaarige Frau, vielleicht um die 70 Jahre alt und deutlich rüstiger, sieht meinen Blick und lächelt mich an. »Ich pass' auf, dass ihr nichts passiert.«
In der Tat hilft sie später der gehbehinderten Frau zurück an den Platz. Beruhigend winkt sie ab, als ich aufstehen will. Klappt schon, soll das wohl heißen.
In München hole ich das Gepäck der beiden Frauen, das im Stauraum untergebracht ist, herunter und trage es hinaus. »Das ist aber mal ein netter junger Mann«, sagt die alte Dame hinter mir leise.
Ich bin beglückt. »Junger Mann« ... es kann so einfach sein, sich wieder jung zu fühlen. (Nach einer Lesung in einem Jugendhaus komme ich mir ja meist wie ein Rentner vor.) Ich komme mir vor wie ein Pfadfinder.
21 Oktober 2010
In kühler Luft gelesen
Knapp zwanzig Leute waren es wohl, die sich im Veranstaltungsraum des Art Canrobert einfanden, um meiner Lesung am Mittwoch abend, 20. Oktober 2010, zu lauschen. Der Saal war halbdunkel, so dass ich die Zuhörer kaum sah, und aus dem Treppenhaus zog kalte Luft hoch - alles in allem eine seltsame Situation für mich.
Die Zuhörer hielten dennoch durch. In den knapp eineinhalb Stunden las ich aus den "Peter Pank"-Büchern, gab eine unveröffentlichte Geschichte zum Besten und brachte zum Schluss noch einen Text aus dem Afrika-Buch. Danach gab's in kleiner Runde noch die Fragen, die sich in der großen Runde vorher wohl niemand traute, und ich plauderte ein wenig.
Schöne Veranstaltung mit einem kritischen Punkt: Es gab kein ordentliches Bier. Also war es wohl meine erste Lesung, bei der ich selbst mangels Alternative zwei Flaschen mit Fritz-Cola trank.
Die Zuhörer hielten dennoch durch. In den knapp eineinhalb Stunden las ich aus den "Peter Pank"-Büchern, gab eine unveröffentlichte Geschichte zum Besten und brachte zum Schluss noch einen Text aus dem Afrika-Buch. Danach gab's in kleiner Runde noch die Fragen, die sich in der großen Runde vorher wohl niemand traute, und ich plauderte ein wenig.
Schöne Veranstaltung mit einem kritischen Punkt: Es gab kein ordentliches Bier. Also war es wohl meine erste Lesung, bei der ich selbst mangels Alternative zwei Flaschen mit Fritz-Cola trank.
20 Oktober 2010
Verheizte Cops
Ganz verblüffende Neuigkeiten liest man in diesen Tagen zwischen allem Integrations- und Ichmagschweinefleischaberkeinekopftücher-Unsinn in den Zeitungen. Polizisten erzählen allen Ernstes in der Öffentlichkeit, dass sie bei Demonstrationen »verheizt« würden und ganz schön verunsichert seien durch all das.
Noch besser: Nach Angaben von Polizisten, die man unter anderem im »Hamburger Abendblatt« nachlesen kann, gibt es »verdeckt agierende Beamte, die als taktische Provokateure, als vermummte Steinewerfer fungieren, unter die Demonstranten schleusen«. Da bin ich ja völlig baff.
Das hätte ich ja nie vermutet. Die Polizei steht nicht immer auf der Seite von Recht und Ordnung? Die Beamten machen manchmal Dinge, die sie nicht dürfen oder zu denen sie von Politikern aufgehetzt werden?
Ohne Schmarrn und ohne Ironie: Wer auf mehr als einer Demonstration war, hat genügend Polizeieinsätze miterlebt, wo klar war, von welcher Seite die Aggression ausging. Die mediale Aufregung verblüfft mich an dieser Stelle, nicht die Aussagen der Polizisten.
Das war doch immer so, zumindest in den Jahren, seit ich auf Demonstrationen auftauche. (Gab ja auch schon genügend Berichte, in denen stand, wie Zivilpolizisten »versehentlich« von ihren uniformierten Kollegen zusammengeschlagen worden sind.) Für manchen Uniformierten scheint eine Eskalation immer mal wieder eine schicke Gelegenheit zu sein, mal so richtig »die Sau rauszulassen«.
Ich wundere mich wieder mal nur über die Aufregung in manchen Medien und das gleichzeitige Beschwichtigungsgedröhne. Sogar wer die Polizei nur aus »Tatort« und »Alarm für Cobra 11« kennt, weiß, dass manche Beamte gelegentlich über die Stränge schlagen. Na also ...
Noch besser: Nach Angaben von Polizisten, die man unter anderem im »Hamburger Abendblatt« nachlesen kann, gibt es »verdeckt agierende Beamte, die als taktische Provokateure, als vermummte Steinewerfer fungieren, unter die Demonstranten schleusen«. Da bin ich ja völlig baff.
Das hätte ich ja nie vermutet. Die Polizei steht nicht immer auf der Seite von Recht und Ordnung? Die Beamten machen manchmal Dinge, die sie nicht dürfen oder zu denen sie von Politikern aufgehetzt werden?
Ohne Schmarrn und ohne Ironie: Wer auf mehr als einer Demonstration war, hat genügend Polizeieinsätze miterlebt, wo klar war, von welcher Seite die Aggression ausging. Die mediale Aufregung verblüfft mich an dieser Stelle, nicht die Aussagen der Polizisten.
Das war doch immer so, zumindest in den Jahren, seit ich auf Demonstrationen auftauche. (Gab ja auch schon genügend Berichte, in denen stand, wie Zivilpolizisten »versehentlich« von ihren uniformierten Kollegen zusammengeschlagen worden sind.) Für manchen Uniformierten scheint eine Eskalation immer mal wieder eine schicke Gelegenheit zu sein, mal so richtig »die Sau rauszulassen«.
Ich wundere mich wieder mal nur über die Aufregung in manchen Medien und das gleichzeitige Beschwichtigungsgedröhne. Sogar wer die Polizei nur aus »Tatort« und »Alarm für Cobra 11« kennt, weiß, dass manche Beamte gelegentlich über die Stränge schlagen. Na also ...
19 Oktober 2010
Eigentlich überzeugendes Fanzine

Eigentlich könnten die »Andromeda Nachrichten« (abgekürzt wird das Ding seit vielen Jahren mit AN) ein richtig tolles Science-Fiction-Fanzine sein; die vorliegende Ausgabe 231 beweist das sehr schön. Das offizielle Fanzine des Science Fiction Clubs Deutschlands (SFCD) sieht wieder mal klasse aus, was ein Verdienst des Redakteurs Michael Haitel ist: A4-Format, 160 Seiten, teilweise farbiger Druck, professionell wirkende Optik.
Inhaltlich geht es quer durch den Gemüsegarten, was unter anderem daher kommt, dass das Fanzine zugleich als Programmheft für den BuchmesseCon diente. Kein Wunder, dass man viel über das Programm der Veranstaltung erfährt - finde ich aber gut, weil es sich da um interessante Themen handelt. So gibt es ein Interview mit dem sympathischen Bestsellerautor Markus Heitz samt ausführlicher Vorstellung seines aktuellen Romans.
Kritisch formuliert und amüsant zu lesen sind die Con-Besprechungen, wobei der Autor der Texte mit einer ganz schönen Arroganz ans Thema herangeht. Das finde ich aber durchaus erfrischend - endlich mal einer, der nicht alles aus Prinzip gut findet.
Nervig wie immer der PERRY RHODAN-Teil, bei dem ich stets froh bin, wenn ich ihn überblättern kann, ohne mich zu sehr über den Unsinn zu ärgern. Besser sind dagegen die fundierten und ausführlichen Buchbesprechungen - sehr gut!
Die »Andromeda Nachrichten« sind mit ihrer Nummer 231 wiederum ein eigentlich empfehlenswertes Heft. Warum nur »eigentlich«? Weil nach wie vor der SFCD als Herausgeber fungiert und man dort offensichtlich nicht einmal kapiert, welches Schmuckstück das komplett aufgehübschte und neu präsentierte Fanzine eigentlich ist.
18 Oktober 2010
Düster-Wave im Punkrock-Schuppen
»Wenn ich in die ›Alte Hackerei‹ gehe, möchte ich angeschrien werden«, brachte es ein Besucher auf den Punkt. »Und dann will ich idealerweise zurückschreien können.« Beides ging am Freitag abend, 15. Oktober 2010, nicht gerade besonders gut: Die Band Diego aus Karlsruhe spielte auf, und deren Sound passt nicht gerade ideal zum ansonsten von Punkrock und Hardcore geprägten Stilmix der »Alten Hackerei«.
Die Band spielt im weitesten Sinne IndieRock, meinetwegen auch Wave, und das macht sie gut. Die Stücke sind teilweise sehr getragen, werden dann aber zwischendurch von einem wummernden Bass geprägt. Im besten Fall erinnerten mich viele Stücke tatsächlich an die späten 70er Jahre, meinetwegen auch an die frühen 80er Jahre, als der düstere Wave-Sound der Briten hierzulande auf offene Ohren stieß.
Ein lustiges Konzert war das nicht, nein, eher eines für die getragenen Töne. (Seltsames Publikum hatte sich zudem eingefunden, stilistisch in die Ecke »überalterte Ex-Studenten« einzustufen.) Ich fand's gut, wenngleich nicht berauschend und selbstverständlich nicht zum Hüpfen anregend.
Für Hüpfmusik sorgen die DJs hinterher - da gab's zwar auch volle Kanne 70er Jahre, aber dann doch in einer exotischen Mischung aus Nick Straker Band und allerlei Punkrock-Klassikern. Wie immer also in der »Alten Hackerei« ...
Die Band spielt im weitesten Sinne IndieRock, meinetwegen auch Wave, und das macht sie gut. Die Stücke sind teilweise sehr getragen, werden dann aber zwischendurch von einem wummernden Bass geprägt. Im besten Fall erinnerten mich viele Stücke tatsächlich an die späten 70er Jahre, meinetwegen auch an die frühen 80er Jahre, als der düstere Wave-Sound der Briten hierzulande auf offene Ohren stieß.
Ein lustiges Konzert war das nicht, nein, eher eines für die getragenen Töne. (Seltsames Publikum hatte sich zudem eingefunden, stilistisch in die Ecke »überalterte Ex-Studenten« einzustufen.) Ich fand's gut, wenngleich nicht berauschend und selbstverständlich nicht zum Hüpfen anregend.
Für Hüpfmusik sorgen die DJs hinterher - da gab's zwar auch volle Kanne 70er Jahre, aber dann doch in einer exotischen Mischung aus Nick Straker Band und allerlei Punkrock-Klassikern. Wie immer also in der »Alten Hackerei« ...
15 Oktober 2010
Ich lese in Rastatt

Seit wievielen Jahren ich nun in Rastatt arbeite, weiß ich schon gar nicht mehr genau - gelegentlich versuche ich das auch zu verdrängen. Tatsache ist, dass die Stadt von grauenvoller Langeweile ist und ich froh bin, dort nicht wohnen zu müssen.
Es gibt aber eine Ausnahme, und das ist das autonome Jugendhaus Art Canrobert, das ich im Lauf der Zeit immer mal wieder besucht habe. Dort findet am Mittwoch, 20. Oktober 2010, eine Lesung mit mir statt.
Der Eintritt ist frei, und was ich genau vorlesen werde, hängt vom Publikum ab. Kennen die schon alles, wollen die Wiederholungen? Hin wie her: Zur Dokumentation zeige ich hier den Flyer.
14 Oktober 2010
Ich besuchte das Schreibcamp
Die beiden Autoren Frank Borsch und Michael Marcus Thurner – beide arbeiten unter anderem für PERRY RHODAN und sind mir seit vielen Jahren persönlich bekannt – veranstalten ausgerechnet in der Woche nach der Frankfurter Buchmesse 2010 ihr sogenanntes Schreibcamp. Eine tolle Idee, wie ich finde: Autoren sitzen eine Woche lang unter erschwerten Bedingungen in einem Schwarzwalddorf zusammen und schmeißen ihre kreativen Ideen auf einen Haufen.
Dazu lädt man sich Gäste ein. Auch das finde ich gut. Nur habe ich im voraus nicht so recht kalkuliert, dass ich in der Woche nach der Buchmesse völlig im Terminchaos versacken werde – und trotzdem habe ich zugesagt. Also verlasse ich am Mittwoch, 13. Oktober 2010, in völliger Hektik mein Büro, springe ins Auto und fahre gen Süden.
Die Autobahn zwischen Karlsruhe und Freiburg besteht zur Hälfte aus Baustellen, in denen man nur 60 oder 80 Stundenkilometer fahren kann. Immerhin habe ich keinen Stau, dennoch dauert alles ewig. Und in der Freiburger Innenstadt kann ich mir im Schritttempo allerlei Gebäude und Buschreihen anschauen. Auch schick.
Dabei vergesse ich glatt, meinen Tank nachzufüllen. Buchstäblich mit dem letzten Tropfen – die Tankanzeige war bereits im Minus – erreiche ich eine Tankstelle und befülle meinen Wagen. Dann rolle ich mit einer gut einstündigen Verspätung im Hotel in Hinterzarten ein, romantisch an einem Schwarzwaldhang gelegen und nur fünf Meter vom Waldrand entfernt.
Mich erwarten ein Dutzend Personen und viele erwartungsvolle Blicke. Ich hielt eine Art Referat, in dem ich darstellte, wie ein Redakteur im Verlag arbeitet, dann gab es auch schon ein leckeres Abendessen, bei dem wir über alles mögliche diskutierten. Nach dem Essen gingen die Fragen und Antworten weiter – ich sagte so viel, wie ich nur konnte, zu den jeweiligen Themen und hoffe, dass es sein Seminarteilnehmern gefallen hat.
Die Rückfahrt zog sich wieder in die Länge, verlief aber flotter als die Fahrt in den Schwarzwald. Kurz vor Mitternacht war ich daheim – war ein schöner Ausflug.
Dazu lädt man sich Gäste ein. Auch das finde ich gut. Nur habe ich im voraus nicht so recht kalkuliert, dass ich in der Woche nach der Buchmesse völlig im Terminchaos versacken werde – und trotzdem habe ich zugesagt. Also verlasse ich am Mittwoch, 13. Oktober 2010, in völliger Hektik mein Büro, springe ins Auto und fahre gen Süden.
Die Autobahn zwischen Karlsruhe und Freiburg besteht zur Hälfte aus Baustellen, in denen man nur 60 oder 80 Stundenkilometer fahren kann. Immerhin habe ich keinen Stau, dennoch dauert alles ewig. Und in der Freiburger Innenstadt kann ich mir im Schritttempo allerlei Gebäude und Buschreihen anschauen. Auch schick.
Dabei vergesse ich glatt, meinen Tank nachzufüllen. Buchstäblich mit dem letzten Tropfen – die Tankanzeige war bereits im Minus – erreiche ich eine Tankstelle und befülle meinen Wagen. Dann rolle ich mit einer gut einstündigen Verspätung im Hotel in Hinterzarten ein, romantisch an einem Schwarzwaldhang gelegen und nur fünf Meter vom Waldrand entfernt.
Mich erwarten ein Dutzend Personen und viele erwartungsvolle Blicke. Ich hielt eine Art Referat, in dem ich darstellte, wie ein Redakteur im Verlag arbeitet, dann gab es auch schon ein leckeres Abendessen, bei dem wir über alles mögliche diskutierten. Nach dem Essen gingen die Fragen und Antworten weiter – ich sagte so viel, wie ich nur konnte, zu den jeweiligen Themen und hoffe, dass es sein Seminarteilnehmern gefallen hat.
Die Rückfahrt zog sich wieder in die Länge, verlief aber flotter als die Fahrt in den Schwarzwald. Kurz vor Mitternacht war ich daheim – war ein schöner Ausflug.
13 Oktober 2010
Ausbeuterische Gelbköppe
Noch ein Youtube-Filmchen - von dem ich hoffe, dass es noch eine Weile zu sehen ist. Banksy ist so ein Streetart-Künstler, und er hat für die »Simpsons« einen neuen Zeichentrick-Vorspann entwickelt. Dabei nimmt er satirisch-derb die Produktionsbedingungen aufs Korn, die letztlich auch bei einem »Simpsons«-Film angewandt werden.
Zwischenzeitlich war das Filmchen wohl nicht mehr bei Youtube zu sehen, weil Twentieth Century Fox es wegen Urheberrechtsansprüchen sperren ließ - ich finde es absolut sehenswert. Satire, bei der einem das Grinsen vergeht.
Zwischenzeitlich war das Filmchen wohl nicht mehr bei Youtube zu sehen, weil Twentieth Century Fox es wegen Urheberrechtsansprüchen sperren ließ - ich finde es absolut sehenswert. Satire, bei der einem das Grinsen vergeht.
Impro-Show
Das kann man albern finden, wie manche Leute ja auch Flashmobs blöd finden - gleichzeitig ist es aber auch cool: Hunderte, nein, Tausende von Leuten folgen den Anweisungen eines Menschen über eine MP3-Datei, die sie sich auf ihren iPod heruntergeladen haben.
Im Einkaufszentrum, auf dem Gehsteig und in einem Park, wo es den Höhepunkt mit zahlreichen Rollen Klopapier gibt. Das hat echt was - kann man sich bei Youtube angucken.
Im Einkaufszentrum, auf dem Gehsteig und in einem Park, wo es den Höhepunkt mit zahlreichen Rollen Klopapier gibt. Das hat echt was - kann man sich bei Youtube angucken.
Erschütternd und peinlich
In den 70er Jahren machte die Band Franz K sogenannten Deutsch-Rock, gerne auch mit Adjektiven wie »authentisch« versehen. Vielleicht hätte man die Mitglieder der Band dazu ermuntern sollen, sich auf den Lorbeeren der 70er Jahre auszuruhen – wenn ich mir ihre Single »Wir wollen Bonn« anhöre, weiß ich nicht, ob ich hysterisch lachen oder besinnungslos weinen soll.
Dabei ist die Musik der alten Herren, die sich durch einen ehemaligen Extrabreit-Mitspieler verstärkt haben, gar nicht mal so schrecklich: Es ist halt Hardrock, wie man ihn vor allem in den 80er Jahren gern gespielt hat, irgendein Querschnitt aus Boston und Styx, aus Wolf Maahn und Bap – alles in allem kreuzlangweilig gespielt und garantiert ohne jegliche Überraschung. Das muss nicht schlimm sein, schließlich höre ich ja auch gern Punkrock, und bei dem gibt's seit 1981 nicht mehr viel neues zu vermelden.
Blöd sind allerdings die Texte. Auf der CD-Single phantasiert die Band vor sich hin: »Wenn ich Bundeskanzler wäre, das wäre toll ...« Denn: »Wir wollen Bonn wieder als Hauptstadt / es war so schön am Rhein / da war alles in Ordnung ...« und so weiter.
Wahrscheinlich ist das kein rückwärtsgewandter Mist, sondern ernst gemeinte Ironie. Aber als solche funktioniert es nicht, vor allem angesichts weiterer Schunkelreime: »Berlin ist außer Rand und Band / irgendwas läuft hier verkehrt in unserem bundesdeutschen Land«, meint die Band, und so richtig klar ist mir nicht, was die meinen.
Wünscht man sich ironisch oder ernsthaft die 80er Jahre mit Helmut Kohl am Rhein zurück? Findet man »Kopftuchmädchen« in Berlin schrecklich, oder mag man die hektische neue Zeit einfach nicht? Oder ist das einfach nur der Versuch, angepeilte Zielgruppe der Männer über 45 in ihren Ängsten abzuholen, wie das auch Sarrazin und andere bürgerliche Angstprediger machen?
Keine Ahnung. Die Platte taugt meiner Ansicht nach eher als Satire. Aber ...
... es passt ins Bild, dass die Platte auf einem Sony-Unterlabel erschienen ist. Der Industrie fällt nichts neues mehr ein, und wahrscheinlich glaubt man, dass die einzigen, die so was kaufen werden, eben die alten Fans sind. Die sind in den Überlegungen der Musikindustrie womöglich die einzigen, die noch regulär Geld für eine CD ausgeben und sich keine einzelnen Stücke downloaden. Bei dieser Platte ist der Kauf einer CD allerdings auf jeden Fall verschwendet ...
Dabei ist die Musik der alten Herren, die sich durch einen ehemaligen Extrabreit-Mitspieler verstärkt haben, gar nicht mal so schrecklich: Es ist halt Hardrock, wie man ihn vor allem in den 80er Jahren gern gespielt hat, irgendein Querschnitt aus Boston und Styx, aus Wolf Maahn und Bap – alles in allem kreuzlangweilig gespielt und garantiert ohne jegliche Überraschung. Das muss nicht schlimm sein, schließlich höre ich ja auch gern Punkrock, und bei dem gibt's seit 1981 nicht mehr viel neues zu vermelden.
Blöd sind allerdings die Texte. Auf der CD-Single phantasiert die Band vor sich hin: »Wenn ich Bundeskanzler wäre, das wäre toll ...« Denn: »Wir wollen Bonn wieder als Hauptstadt / es war so schön am Rhein / da war alles in Ordnung ...« und so weiter.
Wahrscheinlich ist das kein rückwärtsgewandter Mist, sondern ernst gemeinte Ironie. Aber als solche funktioniert es nicht, vor allem angesichts weiterer Schunkelreime: »Berlin ist außer Rand und Band / irgendwas läuft hier verkehrt in unserem bundesdeutschen Land«, meint die Band, und so richtig klar ist mir nicht, was die meinen.
Wünscht man sich ironisch oder ernsthaft die 80er Jahre mit Helmut Kohl am Rhein zurück? Findet man »Kopftuchmädchen« in Berlin schrecklich, oder mag man die hektische neue Zeit einfach nicht? Oder ist das einfach nur der Versuch, angepeilte Zielgruppe der Männer über 45 in ihren Ängsten abzuholen, wie das auch Sarrazin und andere bürgerliche Angstprediger machen?
Keine Ahnung. Die Platte taugt meiner Ansicht nach eher als Satire. Aber ...
... es passt ins Bild, dass die Platte auf einem Sony-Unterlabel erschienen ist. Der Industrie fällt nichts neues mehr ein, und wahrscheinlich glaubt man, dass die einzigen, die so was kaufen werden, eben die alten Fans sind. Die sind in den Überlegungen der Musikindustrie womöglich die einzigen, die noch regulär Geld für eine CD ausgeben und sich keine einzelnen Stücke downloaden. Bei dieser Platte ist der Kauf einer CD allerdings auf jeden Fall verschwendet ...
12 Oktober 2010
Argentinien im Blick
Der Grund, warum ich einen Beitrag für den aktuellen FANDOM OBSERVER geschrieben habe, war ja - ich gebe es zu -, weil ich den »Wahrheits-Preis« der »taz« gewinnen wollte. Das hat im letzten Jahr mit PERRY RHODAN gut geklappt, und dieses Jahr wollte ich zumindest zum Wettbewerb antreten.
Leider klappte es nicht, wie mittlerweile bekannt ist. Unverschämterweise hat das piefige Provinzblatt »Die Zeit« gewonnen ... ernsthaft: Soweit ich das erfahren habe, ist der Gewinn auch absolut verdient, also gibt's keinerlei Widerspruch.
Im FANDOM OBSERVER 256, der Oktober-Ausgabe also, ist mein drei Seiten umfassender Artikel »Zwischen Gauchos und Tangos« erschienen. Darin fasse ich die relevanten SF- und Phantastik-Autoren aus Argentinien zusammen.
Das passt gut zur Frankfurter Buchmesse, wo das südamerikanische Land ja den Status eines Gastlandes hatte. Ob die FO-Leser damit etwas anfangen konnten, weiß ich allerdings nicht.
Leider klappte es nicht, wie mittlerweile bekannt ist. Unverschämterweise hat das piefige Provinzblatt »Die Zeit« gewonnen ... ernsthaft: Soweit ich das erfahren habe, ist der Gewinn auch absolut verdient, also gibt's keinerlei Widerspruch.
Im FANDOM OBSERVER 256, der Oktober-Ausgabe also, ist mein drei Seiten umfassender Artikel »Zwischen Gauchos und Tangos« erschienen. Darin fasse ich die relevanten SF- und Phantastik-Autoren aus Argentinien zusammen.
Das passt gut zur Frankfurter Buchmesse, wo das südamerikanische Land ja den Status eines Gastlandes hatte. Ob die FO-Leser damit etwas anfangen konnten, weiß ich allerdings nicht.
11 Oktober 2010
Toonfish mit dem ersten Sex-Werk

In den letzten zwei Jahren hat sich der Splitter-Verlag einen sehr guten Ruf für seine hervorragend gestalteten Comic-Alben erarbeitet. Mit Toonfish ergänzt der Verlag sein Programm jetzt durch eine Reihe, die witzige Comics anbietet – und mit »Happy Sex« vom französischen Zeichner Zep liegt der erste Band vor.
Es geht, wie der Titel schon andeutet, um Sex. Um durchaus heftigen Sex. Von vorne von hinten, mit der Zunge oder mit dem Finger, es gibt zudem allerlei Spielzeug zu bewundern. Wer das als »pornografisch« bezeichnen mag, hat sicher recht, und sicherheitshalber klebt das Label »ab 18 Jahre« auf dem 64 Seiten starken Buch drauf.
Schlimm sind die Comics aber nicht: Es handelt sich um Funny-Comics, die eine superflotte und auch sehr witzige Lektüre garantieren. Gewissermaßen eine ideale Lektüre für die Toilette oder für andere Gelegenheiten, wo man gern eine »kurze« Abwechslung mag; in der Bahn würde ich das Buch nicht unbedingt lesen.
Unterhaltsam ist das Ding, es macht Spaß, und ich finde es klasse. Ein guter Start in die Toonfish-Zeit – ich bin gespannt, wie es weitergeht.
Ärger auf dem Dorf
Die aktuelle Ausgabe des OX-Fanzines trägt die Nummer 92 und ein fettes Cover mit Bad Religion. Ich hoffe, dass sich das auch im freien Handel positiv bemerkbar macht - die Band ist ja immer noch populär genug.
Enthalten ist die aktuelle Fortsetzung von »Und: Hardcore!«, dem dritten Roman um meinen Lieblingshelden Peter Pank. Es ist die Fortsetzung Nummer 28, und diesmal geht's um den Ärger, den Peter und sein Kumpel Jörg mit den örtlichen Nazis und auch der Polizei haben. Dabei sind die beiden an dem ganzen Schlamassel nicht schuldlos ... sie hätten ja nur mal die Klappe halten müssen.
Tatsächlich macht es mir immer noch Spaß, die jeweils aktuellen Folgen über meinen Lieblingshelden zu schreiben, wenngleich sich das vielleicht so langsam totlaufen könnte. Vor allem dauert es ja wohl ewig, wenn ich in dem Tempo an der Story weitermache - solange mich die Leser und die Redaktion nicht rauskegeln, versteht sich ...
Enthalten ist die aktuelle Fortsetzung von »Und: Hardcore!«, dem dritten Roman um meinen Lieblingshelden Peter Pank. Es ist die Fortsetzung Nummer 28, und diesmal geht's um den Ärger, den Peter und sein Kumpel Jörg mit den örtlichen Nazis und auch der Polizei haben. Dabei sind die beiden an dem ganzen Schlamassel nicht schuldlos ... sie hätten ja nur mal die Klappe halten müssen.
Tatsächlich macht es mir immer noch Spaß, die jeweils aktuellen Folgen über meinen Lieblingshelden zu schreiben, wenngleich sich das vielleicht so langsam totlaufen könnte. Vor allem dauert es ja wohl ewig, wenn ich in dem Tempo an der Story weitermache - solange mich die Leser und die Redaktion nicht rauskegeln, versteht sich ...
10 Oktober 2010
Flott auf der Wiese
Am heutigen Sonntag schien die Sonne, ein unglaubliches Gefühl - in den letzten Tagen hatte sie das zwar auch getan, in den Buchmessehallen hatte ich davon aber nicht so viel mitbekommen. Also holte ich mir seit langem mal wieder das Rad aus dem Keller, setzte mich drauf und strampelte los.
Zu einer großen Tour wurde es nicht, dafür bin ich im Jahr 2010 einfach zu wenig trainiert. Aber es war einfach mal wieder sehr schön: Die Luft über den Wiesen war warm, in Wald war es gleich eiskalt, aber es tat gut, sich in der frischen Luft zu bewegen.
Kein Kunstlicht, keine Stimmengewirr, sondern fast völlige Stille. Ich genoss die eine Stunde auf dem Rad. Schade, dass es dazu zu wenig kommt.
Zu einer großen Tour wurde es nicht, dafür bin ich im Jahr 2010 einfach zu wenig trainiert. Aber es war einfach mal wieder sehr schön: Die Luft über den Wiesen war warm, in Wald war es gleich eiskalt, aber es tat gut, sich in der frischen Luft zu bewegen.
Kein Kunstlicht, keine Stimmengewirr, sondern fast völlige Stille. Ich genoss die eine Stunde auf dem Rad. Schade, dass es dazu zu wenig kommt.
09 Oktober 2010
Mangaeske Anwandlungen
Wenn sich der vierte Messetag seinem Ende zuneigt, werde ich doch langsam schlapp; ich versuche mir nichts anzumerken lassen und spotte über Leute, die öffentlich unter der Temperatur und der schlechten Luft leiden. Ich behaupte dann immer, es seien alle Weicheier, und die sollten dann doch lieber daheim bleiben. Gehässigkeit schafft nicht unbedingt Freude, macht aber an einem solchen Messetag gleich doppelt Spaß.
Der heutige Tag war theoretisch nicht so schlimm, aber praktisch viel blöder. Ich pendelte gelegentlich in andere Messehallen, die sich als nicht so sehr überlaufen erwiesen wie diejenige, in der ich mich die meiste Zeit aufhalten musste, und kam ansonsten immer nur schwer über die überfüllten Gänge hinweg. Termine wurden zwischendurch erledigt - so ist das eben auf der Messe ...
Und dann fluten überall die Manga-Kids an einem vorbei. Ich finde die ja teilweise sehr seltsam, aber ich gehe davon aus, dass die den seltsamen älteren Mann mit Anzug an seinem Laptop auch schräg finden.
Der heutige Tag war theoretisch nicht so schlimm, aber praktisch viel blöder. Ich pendelte gelegentlich in andere Messehallen, die sich als nicht so sehr überlaufen erwiesen wie diejenige, in der ich mich die meiste Zeit aufhalten musste, und kam ansonsten immer nur schwer über die überfüllten Gänge hinweg. Termine wurden zwischendurch erledigt - so ist das eben auf der Messe ...
Und dann fluten überall die Manga-Kids an einem vorbei. Ich finde die ja teilweise sehr seltsam, aber ich gehe davon aus, dass die den seltsamen älteren Mann mit Anzug an seinem Laptop auch schräg finden.
Hotel-Randale
Nachts um halb drei Uhr, zurück von der Party: Uns alle überfällt spontaner Bierdurst. Ich würde sagen, dass er bei mir am schlimmsten ist, weil ich der Fahrer war und nüchtern bleiben musste. Da wäre ein Bier vor dem Einschlafen noch mal so richtig nett.
Die Bar hat seit Stunden zu, der Rezeptionist ist völlig überfordert, aber es gibt einen Automaten im Keller. Vier Verlagsangestellte und ein Autor versuchen, an Bier und Wein zu kommen. Das ist alles unverschämt teuer, und es gibt kein vernünftiges Bier, aber um diese Zeit würde ich sogar Öttinger-Plörre trinken.
Es reicht für drei Flaschen Bier, dann zerschellt eine Bierflasche auf einer Weinflasche, und der Automat streikt. Das Ende vom Lied war, dass wir in der ungemütlichen Sitzecke des Hotels saßen, der Fernseher zeigte eine Koch-Show, und wir tranken die wenigen Flaschen Bier ordentlich aufgeteilt mit kleinen Saftgläsern.
Dass die Gespräche wenig hochgeistig waren, überrascht wohl keinen, und gegen halb vier purzelte ich erfolgreich ins Bett. Eine Party ist ja klasse, ohne Absacker bleibt ein Gefühl von Leere.
Die Bar hat seit Stunden zu, der Rezeptionist ist völlig überfordert, aber es gibt einen Automaten im Keller. Vier Verlagsangestellte und ein Autor versuchen, an Bier und Wein zu kommen. Das ist alles unverschämt teuer, und es gibt kein vernünftiges Bier, aber um diese Zeit würde ich sogar Öttinger-Plörre trinken.
Es reicht für drei Flaschen Bier, dann zerschellt eine Bierflasche auf einer Weinflasche, und der Automat streikt. Das Ende vom Lied war, dass wir in der ungemütlichen Sitzecke des Hotels saßen, der Fernseher zeigte eine Koch-Show, und wir tranken die wenigen Flaschen Bier ordentlich aufgeteilt mit kleinen Saftgläsern.
Dass die Gespräche wenig hochgeistig waren, überrascht wohl keinen, und gegen halb vier purzelte ich erfolgreich ins Bett. Eine Party ist ja klasse, ohne Absacker bleibt ein Gefühl von Leere.
08 Oktober 2010
Neurotisch auf der Messe
Der heutige Tage auf der Frankfurter Buchmesse erbrachte für mich die ersten Ausfälle. Kein Schmarrn: Ich war von 10 Uhr morgens bis 16 Uhr mittags am eigenen Messestand, außer einigen Gängen zur Toilette, die keine zwei Dutzend Meter entfernt lag. Ich sah nichts außer meiner Arbeit, meinen Gesprächspartnern und vorbeigehenden Passanten.
Irgendwann kam eine Kollegin zu mir, die vor der Tür geraucht hatte. "Draußen ist voll schönes Wetter", berichtete sie. "Da scheint sogar die Sonne."
Ich schaute mich um, blickte zum tausendsten Mal ins Kunstlicht, atmete tief die schlechte Luft ein und blickte auf die Plätzchen, von denen ich mich den ganzen Tag über ernährte. Sonne und frische Luft, schönes Wetter und freie Horizonte ... das alles konnte ich mir in dem Augenblick nicht mehr vorstellen.
Die sogenannte Gutenberg-Galaxis war zusammengeschrumpft auf 18 Quadratmeter. Das war der Moment, wo ich dachte, ich müsste schreiend loslaufen.
Irgendwann kam eine Kollegin zu mir, die vor der Tür geraucht hatte. "Draußen ist voll schönes Wetter", berichtete sie. "Da scheint sogar die Sonne."
Ich schaute mich um, blickte zum tausendsten Mal ins Kunstlicht, atmete tief die schlechte Luft ein und blickte auf die Plätzchen, von denen ich mich den ganzen Tag über ernährte. Sonne und frische Luft, schönes Wetter und freie Horizonte ... das alles konnte ich mir in dem Augenblick nicht mehr vorstellen.
Die sogenannte Gutenberg-Galaxis war zusammengeschrumpft auf 18 Quadratmeter. Das war der Moment, wo ich dachte, ich müsste schreiend loslaufen.
07 Oktober 2010
Miese Verpflegung
Der Versuch, auf dem Gelände der Frankfurter Buchmesse ein vernünftiges Mittagessen zu erhalten, scheiterte kläglich. Das schicke Messe-Restaurant war zu zwei Dritteln leer, die Tische waren aber alle besetzt.
"Ich habe keinen Platz für Sie", sagte die nette Dame, "es ist alles ab zwölf Uhr besetzt."
Ich guckte auf meine Uhr. "Es ist doch schon zehn nach zwölf, und die Tische sind immer noch leer."
Sie zuckte bedauernd mit den Achseln. "Das ist sehr schade, aber die Gäste kommen sicher gleich."
Es endete bei Bionade und belegten Brötchen im sogenannten Gourmet Café; zumindest war das essbar, und ich fühlte mich halbwegs gesättigt. Den Rest des Tages gab es mehr oder weniger trockenes Gebäck aus der Packung.
"Ich habe keinen Platz für Sie", sagte die nette Dame, "es ist alles ab zwölf Uhr besetzt."
Ich guckte auf meine Uhr. "Es ist doch schon zehn nach zwölf, und die Tische sind immer noch leer."
Sie zuckte bedauernd mit den Achseln. "Das ist sehr schade, aber die Gäste kommen sicher gleich."
Es endete bei Bionade und belegten Brötchen im sogenannten Gourmet Café; zumindest war das essbar, und ich fühlte mich halbwegs gesättigt. Den Rest des Tages gab es mehr oder weniger trockenes Gebäck aus der Packung.
06 Oktober 2010
Krawattentag der erste
Frankfurter Buchmesse 2010, und ich komme mir vor wie in einer Folge von "Täglich grüßt das Murmeltier". Viel bekannte Gesichter, viele Fragen, die letzten Terminvorschläge - und dazwischen komme ich mir mit Anzug und Krawatte wie immer seltsam vor.
Immerhin gibt's nette Begegnungen, unter anderem mit Menschen, die früher in besetzten Häusern gewohnt haben und heute ihr Geld als mehr oder weniger seriöse Grafiker verdienen. Oder mit Verlagskollegen, die mir unaufgefordert eine Neuerscheinung bringen und dazu sagen, "das solltest du lesen".
Am Samstag abend werde ich nicht nehr so guter Dinge sein. Für den ersten Tag ist der Start auf jeden Fall schon mal gelungen, nicht zuletzt deshalb, weil am frühen Morgen The Adored und danach Turbostaat im Auto zu hören waren.
Immerhin gibt's nette Begegnungen, unter anderem mit Menschen, die früher in besetzten Häusern gewohnt haben und heute ihr Geld als mehr oder weniger seriöse Grafiker verdienen. Oder mit Verlagskollegen, die mir unaufgefordert eine Neuerscheinung bringen und dazu sagen, "das solltest du lesen".
Am Samstag abend werde ich nicht nehr so guter Dinge sein. Für den ersten Tag ist der Start auf jeden Fall schon mal gelungen, nicht zuletzt deshalb, weil am frühen Morgen The Adored und danach Turbostaat im Auto zu hören waren.
05 Oktober 2010
Mal mit etwas Abstand
Nachdem die erste Welle der Wut und Empörung abgeflaut ist, die sich wegen der Polizei-Eskalation in Stuttgart aufgebaut hat, und nachdem sich auch die Polizei zu den Vorwürfen geäußert hat, das sei doch alles ganz harmlos gewesen, komme ich um die Ecke: Ja, das war ganz harmlos. Wenn man sich diese Videos anschaut, die da in Stuttgart gedreht wurden, sieht man Polizisten, die sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten geradezu normal benehmen.
Wer in den 80er und 90er Jahren und auch danach auf Demonstrationen war, weiß, wie die Polizei sich sonst gern aufführt. Ich habe nicht nur einmal gesehen, wie Polizisten zu zweit oder zu dritt Jugendliche zusammengeknüppelt haben, wie bis an die Zähne bewaffnete Polizisten mit Pflastersteinen warfen, wie Polizisten ihren »Gegnern« ins Gesicht, in den Unterleib und sonstwohin schlugen. Und ich habe nicht nur einmal einen Polizeiknüppel abgekriegt, bloß weil ich von meinem Grundrecht Gebrauch gemacht habe.
Der einzelne Polizist ist im Normalfall ein normaler Mensch, der – so nehme ich an – seine Ruhe will und einfach keine Lust hat, sich auf Demonstrationen beleidigen zu lassen oder bei Fußballspielen den Prellbock zu spielen. Wenn's dann mal kracht, entlädt sich bei einem solchen Menschen auch mal der Frust. Kann ich ja glatt verstehen.
Wenn man die Prügelorgien im Hinterkopf hat, die man im Verlauf der Jahre mitbekommen hat, ist man irritiert, welches Echo die harmlose Demonstration und die vergleichsweise harmlose Prügelei in Stuttgart erhalten hat. Die Antwort ist klar: In Stuttgart hat die Polizei den Fehler begangen, die eigentlichen Wähler der Regierungspartei zu verprügeln oder zumindest die Kinder dieser Wähler.
Das waren alles keine »Berufsdemonstranten«, um den beliebten Diffamierungsvorwurf aufzugreifen, sondern CDU- und FDP- und Grünen- und SPD-Bürger plus ihre Kinderles. Die darf man nicht verprügeln.
Wären's die üblichen Langhaarigen und Punks gewesen, hätte es keinen Menschen irritiert. Die Medien wären wahrscheinlich voll mit Zustimmung. (Wie 1994 und 1995 bei den Chaostagen, wo ein geifernder Medien-Mob aus einem harmlosen Punk-Treffen eine tagelange Straßenschlacht machten. Aber das ist ein anderes Thema.)
Also alles mal zurück auf Null. Und tief Luft holen. War alles halb so schlimm ...
Wer in den 80er und 90er Jahren und auch danach auf Demonstrationen war, weiß, wie die Polizei sich sonst gern aufführt. Ich habe nicht nur einmal gesehen, wie Polizisten zu zweit oder zu dritt Jugendliche zusammengeknüppelt haben, wie bis an die Zähne bewaffnete Polizisten mit Pflastersteinen warfen, wie Polizisten ihren »Gegnern« ins Gesicht, in den Unterleib und sonstwohin schlugen. Und ich habe nicht nur einmal einen Polizeiknüppel abgekriegt, bloß weil ich von meinem Grundrecht Gebrauch gemacht habe.
Der einzelne Polizist ist im Normalfall ein normaler Mensch, der – so nehme ich an – seine Ruhe will und einfach keine Lust hat, sich auf Demonstrationen beleidigen zu lassen oder bei Fußballspielen den Prellbock zu spielen. Wenn's dann mal kracht, entlädt sich bei einem solchen Menschen auch mal der Frust. Kann ich ja glatt verstehen.
Wenn man die Prügelorgien im Hinterkopf hat, die man im Verlauf der Jahre mitbekommen hat, ist man irritiert, welches Echo die harmlose Demonstration und die vergleichsweise harmlose Prügelei in Stuttgart erhalten hat. Die Antwort ist klar: In Stuttgart hat die Polizei den Fehler begangen, die eigentlichen Wähler der Regierungspartei zu verprügeln oder zumindest die Kinder dieser Wähler.
Das waren alles keine »Berufsdemonstranten«, um den beliebten Diffamierungsvorwurf aufzugreifen, sondern CDU- und FDP- und Grünen- und SPD-Bürger plus ihre Kinderles. Die darf man nicht verprügeln.
Wären's die üblichen Langhaarigen und Punks gewesen, hätte es keinen Menschen irritiert. Die Medien wären wahrscheinlich voll mit Zustimmung. (Wie 1994 und 1995 bei den Chaostagen, wo ein geifernder Medien-Mob aus einem harmlosen Punk-Treffen eine tagelange Straßenschlacht machten. Aber das ist ein anderes Thema.)
Also alles mal zurück auf Null. Und tief Luft holen. War alles halb so schlimm ...
04 Oktober 2010
Spermbirds sind immer noch Gott!
Ich weiß nicht, wie oft ich in meinem ENPUNKT-Fanzine über die Spermbirds geschrieben habe. Die Band aus Kaiserslautern, die mich schon in den 80er Jahren begeisterte und deren Mitglieder längst in alle möglichen Städte zerstreut sind, ist immer noch klasse. Das gelegt ganz hervorragend die aktuelle Platte »A Columbus Feeling«, auf der sich 13 sensationall gute Stücke befinden.
Die Band ist erwachsen geworden, und Gassenhauser wie »My God's A Skateboard« wird man vergeblich suchen. Stücke wie »Choose Not To Look« oder »Meet Me In The Middle« sind aber großartige Hits, die ins Ohr und in die Beine gehen, wenngleich sie meilenweit vom rasanten Slamdance-Sound der früheren Jahre entfernt sind. Mit durchschnittlich drei Minuten sind die Songs auch ein wenig länger als in den 80er Jahren, was ihnen aber gut tut.
Was die Band konnte und immer noch kann, ist, sich zu modernisieren und mit der Zeit zu gehen, ohne sich an irgendwelche Moden anzupassen. Da stimmt immer noch jeder Akkord, da passt alles, und die Stimme von Lee Hollis knallt über die wuchtigen Gitarren drüber, so dass ich eigentlich automatisch zu pogen anfangen will.
Kein Scheiß: Für mich ist das die bisher beste Platte, die ich 2010 gehört habe. Saugut! Die alten Säcke zeigen noch mal, wie es geht. Und das mit einer Eleganz und Souveränität, bei der es mir die Sprache verschlägt.
Die Band ist erwachsen geworden, und Gassenhauser wie »My God's A Skateboard« wird man vergeblich suchen. Stücke wie »Choose Not To Look« oder »Meet Me In The Middle« sind aber großartige Hits, die ins Ohr und in die Beine gehen, wenngleich sie meilenweit vom rasanten Slamdance-Sound der früheren Jahre entfernt sind. Mit durchschnittlich drei Minuten sind die Songs auch ein wenig länger als in den 80er Jahren, was ihnen aber gut tut.
Was die Band konnte und immer noch kann, ist, sich zu modernisieren und mit der Zeit zu gehen, ohne sich an irgendwelche Moden anzupassen. Da stimmt immer noch jeder Akkord, da passt alles, und die Stimme von Lee Hollis knallt über die wuchtigen Gitarren drüber, so dass ich eigentlich automatisch zu pogen anfangen will.
Kein Scheiß: Für mich ist das die bisher beste Platte, die ich 2010 gehört habe. Saugut! Die alten Säcke zeigen noch mal, wie es geht. Und das mit einer Eleganz und Souveränität, bei der es mir die Sprache verschlägt.
Keine Einheitsfeier, dafür Punk
Ohne nationalistischen Unterton ging's in meiner Enpunkt-Radiosendung, die am Sonntag abend, 3. Oktober 2010, im Freien Radio Querfunk ausgestrahlt wurde, trotzdem um Deutschland. Allerdings verzichtete ich auf Einigungsgedöns, sondern spielte einfach einige Platten, die im Verlauf der letzten zwölf Monate erschienen sind.
Dabei waren wohl Turbostaat mit ihrem Emopunk die bekanntesten – die spielen demnächst sogar in Karlsruhe auf. Deutschsprachige Texte mit melodischem Gedöns machen ja auch Benzin aus Ulm, halt nicht so gut und nicht so bekannt.
Da stehe ich lieber auf kompakt-rotzigen Punkrock. Den brachten Tora Bora aus Freiburg, die Nazi-Dogs aus Aachen und Television Knockout aus Berlin. Das rotzte gut, das gefiel hoffentlich auch den Hörern.
Für die Hardcore-Fraktion dann noch das Gebolze von The Starts – Hardcore im Sinne der alten englischen Schule, versteht sich. Abschließend sogar noch ein bisschen Psychobilly-Punk-Gemixe, diesmal von einer Band, deren Unkorrektheit sich schon im Namen zeigt: Balls & Boobs aus München.
Dabei waren wohl Turbostaat mit ihrem Emopunk die bekanntesten – die spielen demnächst sogar in Karlsruhe auf. Deutschsprachige Texte mit melodischem Gedöns machen ja auch Benzin aus Ulm, halt nicht so gut und nicht so bekannt.
Da stehe ich lieber auf kompakt-rotzigen Punkrock. Den brachten Tora Bora aus Freiburg, die Nazi-Dogs aus Aachen und Television Knockout aus Berlin. Das rotzte gut, das gefiel hoffentlich auch den Hörern.
Für die Hardcore-Fraktion dann noch das Gebolze von The Starts – Hardcore im Sinne der alten englischen Schule, versteht sich. Abschließend sogar noch ein bisschen Psychobilly-Punk-Gemixe, diesmal von einer Band, deren Unkorrektheit sich schon im Namen zeigt: Balls & Boobs aus München.
03 Oktober 2010
Amerikaner in Italien
Am Samstag abend hatte ich ein strammes Programm: Cocktails trinken, Kino gehen, Cocktails trinken. Kein Wunder, dass es mir den Sonntag über nicht optimal ging. Aber der Abend war trotzdem sehr cool.
Der Film war »The American«, der aktuelle Streifen von und mit George Clooney. Die Handlung ist rasch erzählt: Ein Berufskiller zieht sich in ein italienisches Dorf zurück, wartet dort auf neue Aufträge, bastelt an einem neuen Mordinstrument und wird von seiner eigenen Paranoia sowie ernsthaften Gegnern immer wieder bedroht.
Das ist toll fotografiert und zeitweise auch ganz schön spannend, streckenweise zieht es sich aber sehr. Entsprechend enttäuscht waren Teile des Publikums; ich fand es ganz gut, wie mit der Erwartungshaltung von uns Zuschauern gespielt wurde.
Man muss »The American« wirklich nicht gesehen haben, es ist auch kein Film, der unbedingt im Kino sein muss. Aber man unterhält sich gut und bekommt eine sauber erzählte, konsequente Geschichte serviert. Spezialeffekte sind zudem Fehlanzeige. Im Jahr 2010 ist das glatt lobend zu erwähnen ...
Der Film war »The American«, der aktuelle Streifen von und mit George Clooney. Die Handlung ist rasch erzählt: Ein Berufskiller zieht sich in ein italienisches Dorf zurück, wartet dort auf neue Aufträge, bastelt an einem neuen Mordinstrument und wird von seiner eigenen Paranoia sowie ernsthaften Gegnern immer wieder bedroht.
Das ist toll fotografiert und zeitweise auch ganz schön spannend, streckenweise zieht es sich aber sehr. Entsprechend enttäuscht waren Teile des Publikums; ich fand es ganz gut, wie mit der Erwartungshaltung von uns Zuschauern gespielt wurde.
Man muss »The American« wirklich nicht gesehen haben, es ist auch kein Film, der unbedingt im Kino sein muss. Aber man unterhält sich gut und bekommt eine sauber erzählte, konsequente Geschichte serviert. Spezialeffekte sind zudem Fehlanzeige. Im Jahr 2010 ist das glatt lobend zu erwähnen ...
02 Oktober 2010
Schlaue Gespräche, guter Punk
Freitag abend, 1. Oktober 2010: Aus mir unbekannten Gründen veranstaltete die »Alte Hackerei« eine Art Underground-Festival, also alle möglichen Bands aus dem musikalichen Underground sollten auftreten. Ich gestehe, dass ich vor allem wegen den Bone Idles hinging und ein wenig enttäuscht war, als diese nicht auftraten. Wenn der Sänger krank ist, geht das wohl auch nicht ...
Also verschwatzte ich bei Bier buchstäblich Stunden, bekam von der einen Band nur mit, dass sie eine Mixtur aus Metal und schwerfälligem Hardcore spielte, sah, dass im »Substage« und in der Fleischmarkthalle jeweils Veranstaltungen waren, und fand gut, dass sich auf dem Gelände des Alten Schlachthofes buchstäblich Hunderte von Menschen tummelten.
Dann die Band IHW aus Karlsruhe, die es seit Jahren gibt, die ich aber noch nie gesehen habe. Drei Mann auf der Bühne, dazu Punkrock mit schwer amerikanisch-kalifornischem Einschlag, ohne MelodyCore zu sein, versteht sich, druckvoll gespielt, mit Melodie und Schmackes - gute Band, werde ich mir wohl merken.
Den kleinen Höhepunkt bildeten dann aber Post War Depression, ebenfalls aus Karlsruhe. Eine Frau und drei Mann auf der Bühne, eine Frau daneben, und die brüllte und tobte ins Mikrofon, dass es eine ware Freude war. Wuchtiger Anarcho-Punk mit fieser Kante, abwechslungsreich und schnell, musikalisch mit enormer Spielfreude serviert - mir gefiel das sehr gut, und es gab sogar einen kleinen Pogo-Mob.
Ein schöner Abend, bei dem ich brav und nüchtern blieb. So was wird mir wohl noch in zwanzig Jahren gefallen ...
Also verschwatzte ich bei Bier buchstäblich Stunden, bekam von der einen Band nur mit, dass sie eine Mixtur aus Metal und schwerfälligem Hardcore spielte, sah, dass im »Substage« und in der Fleischmarkthalle jeweils Veranstaltungen waren, und fand gut, dass sich auf dem Gelände des Alten Schlachthofes buchstäblich Hunderte von Menschen tummelten.
Dann die Band IHW aus Karlsruhe, die es seit Jahren gibt, die ich aber noch nie gesehen habe. Drei Mann auf der Bühne, dazu Punkrock mit schwer amerikanisch-kalifornischem Einschlag, ohne MelodyCore zu sein, versteht sich, druckvoll gespielt, mit Melodie und Schmackes - gute Band, werde ich mir wohl merken.
Den kleinen Höhepunkt bildeten dann aber Post War Depression, ebenfalls aus Karlsruhe. Eine Frau und drei Mann auf der Bühne, eine Frau daneben, und die brüllte und tobte ins Mikrofon, dass es eine ware Freude war. Wuchtiger Anarcho-Punk mit fieser Kante, abwechslungsreich und schnell, musikalisch mit enormer Spielfreude serviert - mir gefiel das sehr gut, und es gab sogar einen kleinen Pogo-Mob.
Ein schöner Abend, bei dem ich brav und nüchtern blieb. So was wird mir wohl noch in zwanzig Jahren gefallen ...
01 Oktober 2010
Drei Stück Orange
Eigentlich sollte der Donnerstag, 30. September 2010, ein ruhiger Tag werden. Doch die aktuelle Tagespolitik sorgte dafür, dass meine Laune im Verlauf des Nachmittags immer mieser wurde: Das derbe Vorgehen der Polizisten im Stuttgarter Schlossgarten sowie die offensichtlichen Lügen der Politiker und Polizisten, die ich über die Medien und Twitter verfolgte ... es war alles nicht auszuhalten.
Ich überlegte mir, spontan nach Stuttgart zu fahren, um an der Demonstration teilzunehmen. »Keine gute Idee«, wurde mir beschieden. »Sonst fehlt dir hinterher auch ein Auge, oder sie stecken dich in den Knast.«
Also blieb ich in Karlsruhe. Nachdem ich das brillante »heute«-Interview mit dem baden-württembergischen Innenminister Heribert Rech gesehen hatte, musste ich doch auf die Straße – hinaus in den Nieselregen.
Der Kronenplatz in Karlsruhe glitzerte im Licht der Straßenlampen, aus den Fenstern des »Jubez« drang laute Musik. Doch zuerst mussten wir im »Kaiser-Grill« ein halbwegs vernünftiges und vor allem preislich herausragendes Abendessen zu uns nehmen.
So waren wir gestärkt, um in das »Jubez« zu gehen. Spät, aber immerhin. Die erste Band hatte verpasst, aber auf der Bühne standen noch Orange. Von denen bekamen wir die Zugabe mit, die letzten drei Stücke.
Das gefiel mir ziemlich gut. Zwar war mir die Gitarre ein bisschen zu »funkig«, aber damit war zu rechnen, dafür überzeugten der Basser und der Schlagzeuger; der Sänger konnte zudem gut singen. Ordentliche Rock-Musik also, kein Punk oder Hardcore, aber immerhin schmutzig gespielt und mit leichtem Grunge-Einfluss. Schön!
Ich überlegte mir, spontan nach Stuttgart zu fahren, um an der Demonstration teilzunehmen. »Keine gute Idee«, wurde mir beschieden. »Sonst fehlt dir hinterher auch ein Auge, oder sie stecken dich in den Knast.«
Also blieb ich in Karlsruhe. Nachdem ich das brillante »heute«-Interview mit dem baden-württembergischen Innenminister Heribert Rech gesehen hatte, musste ich doch auf die Straße – hinaus in den Nieselregen.
Der Kronenplatz in Karlsruhe glitzerte im Licht der Straßenlampen, aus den Fenstern des »Jubez« drang laute Musik. Doch zuerst mussten wir im »Kaiser-Grill« ein halbwegs vernünftiges und vor allem preislich herausragendes Abendessen zu uns nehmen.
So waren wir gestärkt, um in das »Jubez« zu gehen. Spät, aber immerhin. Die erste Band hatte verpasst, aber auf der Bühne standen noch Orange. Von denen bekamen wir die Zugabe mit, die letzten drei Stücke.
Das gefiel mir ziemlich gut. Zwar war mir die Gitarre ein bisschen zu »funkig«, aber damit war zu rechnen, dafür überzeugten der Basser und der Schlagzeuger; der Sänger konnte zudem gut singen. Ordentliche Rock-Musik also, kein Punk oder Hardcore, aber immerhin schmutzig gespielt und mit leichtem Grunge-Einfluss. Schön!
30 September 2010
Mein Körper rebelliert
Früher war es einfach: Die Buchmesse rückte näher, und ich bekam entweder fiesen Schnupfen oder einen Pickel auf der Nase. Dieses Jahr scheint mein Körper noch geschicktere Fallen zu stellen.
Am Samstag bekam ich einen Hexenschuss, so richtig fies. Ich latschte das Wochenende über wie ein Insekt durch die Wohnung, langsam und holperig. Mit lustigen Besuchen in der »Alten Hackerei« war da nix.
Am Montag ging ich zum Arzt, der renkte mich ein. Zwar tat der Rücken noch weh, aber ich konnte wieder vernünftig gehen, ohne die ganze Zeit zu jammern. Dafür begann die Rotzerei - der übliche Herbstschnupfen.
Und am Mittwoch dieser Woche: Ich überdehnte aus welchen Gründen auch immer eine Sehne. Mein linkes Bein ist völlig verzerrt seitdem, jede Bewegung damit schmerzt, und ich kann praktisch nicht darauf stehen, geschweige denn vernünftig gehen. Das Zounds-Konzert in der »Alten Hackerei« war unter diesen Umständen auch gestrichen.
Entweder mutiere ich mit rasantem Tempo zum Hypochonder, oder mein Körper signalisiert mir: »Ey, Alter, Buchmesse ist voll kacke. Bleib daheim aufm Sofa und trink Dosenbier.«
Am Samstag bekam ich einen Hexenschuss, so richtig fies. Ich latschte das Wochenende über wie ein Insekt durch die Wohnung, langsam und holperig. Mit lustigen Besuchen in der »Alten Hackerei« war da nix.
Am Montag ging ich zum Arzt, der renkte mich ein. Zwar tat der Rücken noch weh, aber ich konnte wieder vernünftig gehen, ohne die ganze Zeit zu jammern. Dafür begann die Rotzerei - der übliche Herbstschnupfen.
Und am Mittwoch dieser Woche: Ich überdehnte aus welchen Gründen auch immer eine Sehne. Mein linkes Bein ist völlig verzerrt seitdem, jede Bewegung damit schmerzt, und ich kann praktisch nicht darauf stehen, geschweige denn vernünftig gehen. Das Zounds-Konzert in der »Alten Hackerei« war unter diesen Umständen auch gestrichen.
Entweder mutiere ich mit rasantem Tempo zum Hypochonder, oder mein Körper signalisiert mir: »Ey, Alter, Buchmesse ist voll kacke. Bleib daheim aufm Sofa und trink Dosenbier.«
29 September 2010
Bei Marilyn am Straßenrand
Rückblick auf den Italien-Trip im August 2010
Die Namensgebung für Restaurants, Cafés und andere Einrichtungen ist mir nicht nur in Deutschland häufig ein Rätsel. In Italien bin ich häufig noch überraschter als hierzulande. So fragte ich mich am Donnerstag, 26. August 2010, nicht nur einmal, wieso man das sehr schlichte Café allen Ernstes als »Marilyn« bezeichnete.
Die kleine Stadt Zanica hat sicher ihre schöne Seiten, wir sahen sie aber nicht. Auf der Fahrt von Karlsruhe nach Verona hatte ich irgendwann dringende Lust, einen Kaffee zu trinken, und auf einer Autobahn-Raste wollte ich das nicht tun.
Also verließen wir auf der Höhe von Bergamo endlich einmal die Hauptstraße, eierten ein wenig über Nebenstraßen und landeten schließlich am Rand der gesichtslos wirkenden Kleinstadt Zanica. Im Untergeschoss eines mehrstöckigen Hauses war das Café »Marilyn«; im Innern flimmerte und dröhnte der Fernseher, im Schatten zwischen Haus und Straße standen einige Plastikmöbel.
Wir setzten uns an einen Tisch, begrüßten freundlich den schnauzbärtigen Mann nebenan, der eifrig rauchte und Zeitung las, uns ansonsten aber völlig in Ruhe ließ. Die blondierte Bedienung, die ansonsten mit großer Faszination eine Fernsehserie anguckte, brachte uns den gewünschten Kaffee, und der war stark und kräftig und wohlschmeckend, eben genauso, wie man sich das in Italien wünscht und vorstellt.
Irgendwie passte die kleine Kneipe zu dem, was die Stadt zu bieten hatte: alles ein wenig arg durchschnittlich und langweilig, gesichtslos eben – aber nach den Espressi, die wir tranken, fühlten wir uns definitiv besser und konnten weiterfahren. Also kein Wort mehr gegen »Marilyn«.
Die Namensgebung für Restaurants, Cafés und andere Einrichtungen ist mir nicht nur in Deutschland häufig ein Rätsel. In Italien bin ich häufig noch überraschter als hierzulande. So fragte ich mich am Donnerstag, 26. August 2010, nicht nur einmal, wieso man das sehr schlichte Café allen Ernstes als »Marilyn« bezeichnete.
Die kleine Stadt Zanica hat sicher ihre schöne Seiten, wir sahen sie aber nicht. Auf der Fahrt von Karlsruhe nach Verona hatte ich irgendwann dringende Lust, einen Kaffee zu trinken, und auf einer Autobahn-Raste wollte ich das nicht tun.
Also verließen wir auf der Höhe von Bergamo endlich einmal die Hauptstraße, eierten ein wenig über Nebenstraßen und landeten schließlich am Rand der gesichtslos wirkenden Kleinstadt Zanica. Im Untergeschoss eines mehrstöckigen Hauses war das Café »Marilyn«; im Innern flimmerte und dröhnte der Fernseher, im Schatten zwischen Haus und Straße standen einige Plastikmöbel.
Wir setzten uns an einen Tisch, begrüßten freundlich den schnauzbärtigen Mann nebenan, der eifrig rauchte und Zeitung las, uns ansonsten aber völlig in Ruhe ließ. Die blondierte Bedienung, die ansonsten mit großer Faszination eine Fernsehserie anguckte, brachte uns den gewünschten Kaffee, und der war stark und kräftig und wohlschmeckend, eben genauso, wie man sich das in Italien wünscht und vorstellt.
Irgendwie passte die kleine Kneipe zu dem, was die Stadt zu bieten hatte: alles ein wenig arg durchschnittlich und langweilig, gesichtslos eben – aber nach den Espressi, die wir tranken, fühlten wir uns definitiv besser und konnten weiterfahren. Also kein Wort mehr gegen »Marilyn«.
Angenehmes Deutschpunkgerocke
Von der Band Benzin hatte ich bis zum Jahr 2010 nichts gehört. Das hat nicht so viel zu bedeuten, schließlich kann man nicht alles mitkriegen; es könnte aber auch damit zu tun haben, dass die Band aus Ulm vor allem im Vorprogramm sogenannter großer Bands spielte und spielt, also für die Donots oder die Sportfreunde Stiller oder Sum 41.
Da passen sie auch gut hin, und das meine ich nicht despektierlich. Was Benzin machen, ist angenehm rockender Deutschpunk mit viel Melodie und schlau klingenden Texten in deutscher Sprache; früher hätte ich die Musik als »Kommerz-Punk« geschmäht, heute sehe ich das ganze eben als Musik, die mir gut gefällt, die aber eindeutig auf die Medien außerhalb der Punk-Szene schielt.
Wobei ein Stück wie »Bewegung« schon ziemlich cool klingt, auch das Titelstück der Platte überzeugt. Benzin ist eine Band, die den kommerziellen Erfolg schon gern hätte – zumindest wirkt sie so. Und ganz ehrlich: Bei der Musik und den Texten hätten sie so 'nen Erfolg auch verdient.
Da passen sie auch gut hin, und das meine ich nicht despektierlich. Was Benzin machen, ist angenehm rockender Deutschpunk mit viel Melodie und schlau klingenden Texten in deutscher Sprache; früher hätte ich die Musik als »Kommerz-Punk« geschmäht, heute sehe ich das ganze eben als Musik, die mir gut gefällt, die aber eindeutig auf die Medien außerhalb der Punk-Szene schielt.
Wobei ein Stück wie »Bewegung« schon ziemlich cool klingt, auch das Titelstück der Platte überzeugt. Benzin ist eine Band, die den kommerziellen Erfolg schon gern hätte – zumindest wirkt sie so. Und ganz ehrlich: Bei der Musik und den Texten hätten sie so 'nen Erfolg auch verdient.
28 September 2010
In den Ockerminen
Reiserückblick auf den Mai 2010 in Südfrankreich
Hätte man mich vor dem Mai 2010 gefragt, wie Ocker aussehen würde, hätte ich gesagt, »irgendwie gelb bis rot«. Wie recht ich mit dieser schwammigen Aussage haben würde, wurde mir erst bewusst, als wir in den Ockerbergen von Roussillon unterwegs waren.
Vor allem die alte Ockermine, die sich am Rand der kleinen Stadt erstreckt und die man besichtigen kann, zeigte das in teilweise sehr beeindruckenden Bildern. Ein Fußweg, teilweise recht schmal, teilweise auch mit Treppen gesichert, führte durch das Gelände, vorbei an den Resten des Steinbruches.
Rötlich schimmernde, schroff in der Sonne leuchtende Mauern. Geschwungene Kurven in starkem Orange-Ton. Haufenweise Grün, das die steilen Kanten der Ockermine langsam überwuchert. Faszinierende Ausblicke auf ein in der Sonne und im Schatten wechselndes Farbenspiel.
Lang braucht man nicht für den Rundgang, wir wären in einer halben Stunde fertig gewesen. Da man aber immer wieder anhält, um das Bild auf sich wirken zu lassen, braucht man länger. Nach einer Stunde oder auch eineinhalb Stunden hat man dann alles gesehen. Hat was!
Hätte man mich vor dem Mai 2010 gefragt, wie Ocker aussehen würde, hätte ich gesagt, »irgendwie gelb bis rot«. Wie recht ich mit dieser schwammigen Aussage haben würde, wurde mir erst bewusst, als wir in den Ockerbergen von Roussillon unterwegs waren.
Vor allem die alte Ockermine, die sich am Rand der kleinen Stadt erstreckt und die man besichtigen kann, zeigte das in teilweise sehr beeindruckenden Bildern. Ein Fußweg, teilweise recht schmal, teilweise auch mit Treppen gesichert, führte durch das Gelände, vorbei an den Resten des Steinbruches.
Rötlich schimmernde, schroff in der Sonne leuchtende Mauern. Geschwungene Kurven in starkem Orange-Ton. Haufenweise Grün, das die steilen Kanten der Ockermine langsam überwuchert. Faszinierende Ausblicke auf ein in der Sonne und im Schatten wechselndes Farbenspiel.
Lang braucht man nicht für den Rundgang, wir wären in einer halben Stunde fertig gewesen. Da man aber immer wieder anhält, um das Bild auf sich wirken zu lassen, braucht man länger. Nach einer Stunde oder auch eineinhalb Stunden hat man dann alles gesehen. Hat was!
Criminal Jokers mit Punk-Wave-Pop-Mix
Irgendwo aus Italien stammen die Criminal Jokers, die seit einigen Jahren ihre Musik spielen, die sich aber einigermaßen den heutigen Zuordnungen entzieht. Es ist im weitesten Sinne Punkrock, aber in einer sehr altmodischen Art; das klingt unterm Strich zeitweise wie die frühen Anfänge des Genres, vielleicht auch wie der IndieRock der 80er Jahre.
Mir liegt die aktuelle CD der Band vor, die den hübschen Namen »This Was Supposed To Be The Future« trägt. Elf Stücke, teilweise sehr langen, die zwischen Wave und Punkrock und Pop-Musik und irgendwelcher Rock-Musik pendeln.
Ich nehme an, dass ich mir die Band mal live ansehen sollte, um herauszufinden, was die wirklich taugt. So ist die CD gut taugliche Hintergrundmusik, aber nichts, was mich irgendwie umwirft.
Mir liegt die aktuelle CD der Band vor, die den hübschen Namen »This Was Supposed To Be The Future« trägt. Elf Stücke, teilweise sehr langen, die zwischen Wave und Punkrock und Pop-Musik und irgendwelcher Rock-Musik pendeln.
Ich nehme an, dass ich mir die Band mal live ansehen sollte, um herauszufinden, was die wirklich taugt. So ist die CD gut taugliche Hintergrundmusik, aber nichts, was mich irgendwie umwirft.
27 September 2010
Nachruf im SF-Jahrbuch
Das habe ich noch gar nicht vermeldet: Im Heyne-SF-Jahrbuch 2010 ist ein mehrseitiger Artikel von mir enthalten. Auf fünfeinhalb Druckseiten gehe ich in diesem Jahresrückblick auf den Autor Robert Feldhoff ein, der letzten Sommer verstorben ist.
Mit Robert arbeitete ich jahrelang zusammen, und wenn wir uns zu Besprechungen trafen, wurde häufig über private Dinge geredet. Er war mehr für mich als »nur« ein Autorenkollege, und deshalb hat mich sein früher Tod wohl so sehr getroffen.
Ich haderte ein wenig mit mir, als das Angebot des Heyne-Verlags kam, diesen Nachruf zu schreiben. Dann habe ich ihn doch verfasst. In der Kommentarspalte dieses Blocks zitiere ich ausführlich aus dem Nachruf. (Aber natürlich wäre es besser, ihr kauft das ganze Buch. Das lohnt sich eh.)
Mit Robert arbeitete ich jahrelang zusammen, und wenn wir uns zu Besprechungen trafen, wurde häufig über private Dinge geredet. Er war mehr für mich als »nur« ein Autorenkollege, und deshalb hat mich sein früher Tod wohl so sehr getroffen.
Ich haderte ein wenig mit mir, als das Angebot des Heyne-Verlags kam, diesen Nachruf zu schreiben. Dann habe ich ihn doch verfasst. In der Kommentarspalte dieses Blocks zitiere ich ausführlich aus dem Nachruf. (Aber natürlich wäre es besser, ihr kauft das ganze Buch. Das lohnt sich eh.)
26 September 2010
Nur noch Ekelpakete
Glaubt man einer Emnid-Umfrage, die ausgerechnet im Auftrag der »Bild am Sonntag« erstellt wurde, ist eine Mehrheit der Bevölkerung gegen eine Anhebung der sogenannten Hartz-IV-Regelsätze. Es gibt sogar einen durchaus respektablen Teil der Befragten, bei dem die Meinung vorherscht, man sollte Hartz-IV-Empfängern noch mehr Geld streichen.
Ich bin mir nicht sicher, welche Empfindung in mir vorherrscht, wenn ich so was lese. Wut und Entsetzen, oder eher hysterisches Kichern? Kopfschüttelnd sitze ich vor solchen Zahlen.
Wenn mehr als die Hälfte aller Befragten der Ansicht sind, die Arbeitslosen erhielten zu viel Geld, bedeutet das doch, dass die Propaganda des herrschenden Gesindels auf immer fruchtbareren Boden fällt. Schuld an wirtschaftlichen Problemen scheinen also nicht diejenigen zu haben, deren Tätigkeit unzählige Milliarden verbrannt haben, sondern diejenigen, die den Bodensatz der Gesellschaft bilden.
Wer arm ist, so glauben offensichtlich viele Leute, ist auch selbst dran schuld. Und der Staat muss ihm nicht noch Geld in den Hintern schieben. Das ist nicht mal mehr FDP-Logik, das ist die Logik von Herren- und Untermenschen.
Noch besser: Dreiviertel der Befragten sind wohl auch der Ansicht, dass man den »Hartzern« auch die Kohle fürs Rauchen und Biertrinken streichen soll. Da mischt sich ein ekelig-protestantisches Spießertum (»wir wissen, was gut für die anderen ist«) mit derselben Herrenmenschen-Attitüde. Der Blick von »oben« auf »die da unten« herrscht vor.
Es ist einfach widerwärtig. In was für einer Scheißwelt wir leben, wird einem in solchen Fällen erst klar. Gemeinschaftsgeist und Mitmenschlichkeit gelten nur für Bankangestellte oder sogenannte Tabubrecher wie Thilo Sarrazin, die in jeder Talkshow öffentlichkeitswirksam darüber jammern dürfen, dass sie doch nur ihre Meinung sagen möchten.
Lachen muss ich dann trotzdem. Und zwar sehr höhnisch. Bei der nächsten Kündigungswelle, die so sicher kommen wird wie das Amen in der Kirche, haut's hoffentlich genügend von denen, die sich jetzt so gegen Hartz-IV-Empfänger stellen, raus in die kalte Luft der Arbeitslosigkeit. Dann merken sie hoffentlich selbst, wie beschissen es ist, in einer unsolidarischen Gesellschaft zu leben.
(Rein rechnerisch müssen ja auch Hartz-IV-Empfänger bei einer solchen repräsentativen Umfrage gegen ihre eigenen Interessen gestimmt haben. Ich glaube so was sofort. Dämlichkeit kennt keine Grenzen.)
Ich bin mir nicht sicher, welche Empfindung in mir vorherrscht, wenn ich so was lese. Wut und Entsetzen, oder eher hysterisches Kichern? Kopfschüttelnd sitze ich vor solchen Zahlen.
Wenn mehr als die Hälfte aller Befragten der Ansicht sind, die Arbeitslosen erhielten zu viel Geld, bedeutet das doch, dass die Propaganda des herrschenden Gesindels auf immer fruchtbareren Boden fällt. Schuld an wirtschaftlichen Problemen scheinen also nicht diejenigen zu haben, deren Tätigkeit unzählige Milliarden verbrannt haben, sondern diejenigen, die den Bodensatz der Gesellschaft bilden.
Wer arm ist, so glauben offensichtlich viele Leute, ist auch selbst dran schuld. Und der Staat muss ihm nicht noch Geld in den Hintern schieben. Das ist nicht mal mehr FDP-Logik, das ist die Logik von Herren- und Untermenschen.
Noch besser: Dreiviertel der Befragten sind wohl auch der Ansicht, dass man den »Hartzern« auch die Kohle fürs Rauchen und Biertrinken streichen soll. Da mischt sich ein ekelig-protestantisches Spießertum (»wir wissen, was gut für die anderen ist«) mit derselben Herrenmenschen-Attitüde. Der Blick von »oben« auf »die da unten« herrscht vor.
Es ist einfach widerwärtig. In was für einer Scheißwelt wir leben, wird einem in solchen Fällen erst klar. Gemeinschaftsgeist und Mitmenschlichkeit gelten nur für Bankangestellte oder sogenannte Tabubrecher wie Thilo Sarrazin, die in jeder Talkshow öffentlichkeitswirksam darüber jammern dürfen, dass sie doch nur ihre Meinung sagen möchten.
Lachen muss ich dann trotzdem. Und zwar sehr höhnisch. Bei der nächsten Kündigungswelle, die so sicher kommen wird wie das Amen in der Kirche, haut's hoffentlich genügend von denen, die sich jetzt so gegen Hartz-IV-Empfänger stellen, raus in die kalte Luft der Arbeitslosigkeit. Dann merken sie hoffentlich selbst, wie beschissen es ist, in einer unsolidarischen Gesellschaft zu leben.
(Rein rechnerisch müssen ja auch Hartz-IV-Empfänger bei einer solchen repräsentativen Umfrage gegen ihre eigenen Interessen gestimmt haben. Ich glaube so was sofort. Dämlichkeit kennt keine Grenzen.)
Ofenwasser und Kaffeemaul
Als das Kommando Sonne-nmilch in Karlsruhe spielte, war ich natürlich mal wieder verhindert. So was nervt echt. Dafür kann ich mir ihre Platten fleißig anhören; eine davon ist »Scheiße, nicht schon wieder Bernstein«, die schon Ende 2008 veröffentlicht wurde.
Seien wir ehrlich: Viele der Bands, in denen Jens Rachut singt oder sang, hören sich sehr ähnlich an. Spielt man mir ein Stück von Dackelblut vor oder eines von Oma Hans oder jetzt eben vom Kommando, kann es durchaus sein, dass ich den Sänger sofort-sogleich erkenne, das Werk aber keiner Band zuordnen kann. Solange mir fast alles gefällt, was Rachut mit seinen Musikerkollegen macht, ist mir das völlig egal.
Auf der Seite »Kaffeemaul« wird man als Hörer allerdings in die Irre geführt: Da sind nur zwei Stücke drauf, die nicht wie Punkrock klingen, sondern eher wie nachdenklicher IndiePop jenseits jeglicher Peinlichkeit, und die Stücke werden von Yvon Jansen gesungen – das klingt richtig klasse und überhaupt nicht wie die »Ofenwasser«-Seite.
Alles in allem wieder eine Platte, die sich wunderbar ins Dackelblut-undsoweiter-Universum einordnet und die ich mag. Diese Hamburger haben eine Art, ihren Punk zu spielen, dass ich mir das wohl noch in Jahren anhören kann.
Seien wir ehrlich: Viele der Bands, in denen Jens Rachut singt oder sang, hören sich sehr ähnlich an. Spielt man mir ein Stück von Dackelblut vor oder eines von Oma Hans oder jetzt eben vom Kommando, kann es durchaus sein, dass ich den Sänger sofort-sogleich erkenne, das Werk aber keiner Band zuordnen kann. Solange mir fast alles gefällt, was Rachut mit seinen Musikerkollegen macht, ist mir das völlig egal.
Auf der Seite »Kaffeemaul« wird man als Hörer allerdings in die Irre geführt: Da sind nur zwei Stücke drauf, die nicht wie Punkrock klingen, sondern eher wie nachdenklicher IndiePop jenseits jeglicher Peinlichkeit, und die Stücke werden von Yvon Jansen gesungen – das klingt richtig klasse und überhaupt nicht wie die »Ofenwasser«-Seite.
Alles in allem wieder eine Platte, die sich wunderbar ins Dackelblut-undsoweiter-Universum einordnet und die ich mag. Diese Hamburger haben eine Art, ihren Punk zu spielen, dass ich mir das wohl noch in Jahren anhören kann.
25 September 2010
Abend mit Känguru
Der Kabarettist Marc-Uwe Kling war mir bis vor wenigen Tagen nicht einmal vom Namen her bekannt. Am Freitag abend schauten wir uns in Heidelberg ein aktuelles Kabarett-Programm an - und jetzt weiß ich über den Mann ein bisschen mehr.
Seine Show ist nicht politisch in dem Sinn, dass er Politiker verarscht oder aktuelle politische Themen wiederkäut. Sie ist aber extrem politisch in dem Sinn, dass er in seinen Sketchen und Liedern immer wieder politisch-gesellschaftliche Zusammenhänge überspitzt darstellt.
Das ist großartig! Am liebsten mochte ich seine Lieder. Wenn der schmächtig wirkende Mann auf der Bühne steht, die Wandergitarre in der Hand und vom »Scheißverein« singt oder von den Alpträumen eines Selbstmordterroristen, dann hat das einfach große Klasse. Der Saal tobte zeitweise vor Begeisterung.
Als Running-Gag hat der Kabarettist seine Känguru-Geschichten. Die seien alle wahr, beteuert er auf der Bühne, und nichts davon sei erfunden. Er lebe tatsächlich mit einem Känguru zusammen, und das sei eben Kommunist.
Und mit diesem Känguru erlebt er die unmöglichsten Geschichten, angefangen von einer Flugreise von Berlin-Tegel nach Berlin-Schönefeld (ist ja billiger als Fahrt mit der Bahn) bis hin zum Verarschen von Touristen. Großes Kino, superlustig - ich lachte Tränen.
Ein wunderbarer Kabarett-Abend mit einem Künstler, von dem man womöglich noch viel hören wird. Wobei ich mir nicht vorstellen kann, dass man dem im Fernsehen zu viel Zeit und Raum geben wird ...
Seine Show ist nicht politisch in dem Sinn, dass er Politiker verarscht oder aktuelle politische Themen wiederkäut. Sie ist aber extrem politisch in dem Sinn, dass er in seinen Sketchen und Liedern immer wieder politisch-gesellschaftliche Zusammenhänge überspitzt darstellt.
Das ist großartig! Am liebsten mochte ich seine Lieder. Wenn der schmächtig wirkende Mann auf der Bühne steht, die Wandergitarre in der Hand und vom »Scheißverein« singt oder von den Alpträumen eines Selbstmordterroristen, dann hat das einfach große Klasse. Der Saal tobte zeitweise vor Begeisterung.
Als Running-Gag hat der Kabarettist seine Känguru-Geschichten. Die seien alle wahr, beteuert er auf der Bühne, und nichts davon sei erfunden. Er lebe tatsächlich mit einem Känguru zusammen, und das sei eben Kommunist.
Und mit diesem Känguru erlebt er die unmöglichsten Geschichten, angefangen von einer Flugreise von Berlin-Tegel nach Berlin-Schönefeld (ist ja billiger als Fahrt mit der Bahn) bis hin zum Verarschen von Touristen. Großes Kino, superlustig - ich lachte Tränen.
Ein wunderbarer Kabarett-Abend mit einem Künstler, von dem man womöglich noch viel hören wird. Wobei ich mir nicht vorstellen kann, dass man dem im Fernsehen zu viel Zeit und Raum geben wird ...
24 September 2010
Martin Büsser ist tot
Als ich die Mail heute morgen in meinem Computer sah, war ich fassungslos. Ich bin's immer noch: Martin Büsser ist im Alter von nur 42 Jahren gestorben. Der Ventil-Verlag schweigt sich über die Ursachen aus, es geht mich auch nichts an – aber mir verschlug's für einige Zeit die Sprache.
Martin Büsser lernte ich vom Namen her kennen, als er anfing, fürs ZAP zu schreiben, das Hardcore- und Punk-Fanzine, für das ich später auch schrieb. Seine Artikel und Interviews waren kenntnisreich und belesen, zeitweise auf einem intellektuellen Niveau, das man in einer Szenezeitschrift dieser Art nicht vermutete. Ich gestehe, dass er mir damit zeitweise auch auf den Keks ging.
Später besuchte ich ihn mal in dem rheinischen Weinbauerndorf, in dem er anfangs der 90er Jahre wohnte, und übernachtete dort im Schlafsack. Er spielte mir unglaubliche Musik vor, die lichtjahreweit hinter meinem von Punk und Hardcore beeinflussten Horizont lag; wir tranken Bier, redeten stundenlang, und er rauchte eine Zigarette nach der anderen.
Dann kam die Zeitschrift »testcard«, die sich auf einer anspruchsvollen Ebene mit Musik beschäftigte (mir war's zu hoch), er gründete den Ventil-Verlag mit, und ich las immer wieder seinen Namen. Er schrieb Bücher, verfasste kenntnisreiche Artikel über Musik, Literatur und Filme, wusste einfach Bescheid und kannte sich in vielen Dingen beeindruckend gut aus.
Und wir verloren uns aus den Augen. Wie das so ist – seit Jahren haben wir uns nicht mehr gesehen, zuletzt auf einer Buchmesse. (In den späten 80er Jahren traf man sich eben eher auf Krachmusikkonzerten.) Das bedauere ich jetzt.
Wenn ich mich an ihn erinnere, sehe ich sein verschmitztes Grinsen, höre den leichten Mainzer Singsang in der Stimme. Und ich fühle mich traurig.
Martin Büsser lernte ich vom Namen her kennen, als er anfing, fürs ZAP zu schreiben, das Hardcore- und Punk-Fanzine, für das ich später auch schrieb. Seine Artikel und Interviews waren kenntnisreich und belesen, zeitweise auf einem intellektuellen Niveau, das man in einer Szenezeitschrift dieser Art nicht vermutete. Ich gestehe, dass er mir damit zeitweise auch auf den Keks ging.
Später besuchte ich ihn mal in dem rheinischen Weinbauerndorf, in dem er anfangs der 90er Jahre wohnte, und übernachtete dort im Schlafsack. Er spielte mir unglaubliche Musik vor, die lichtjahreweit hinter meinem von Punk und Hardcore beeinflussten Horizont lag; wir tranken Bier, redeten stundenlang, und er rauchte eine Zigarette nach der anderen.
Dann kam die Zeitschrift »testcard«, die sich auf einer anspruchsvollen Ebene mit Musik beschäftigte (mir war's zu hoch), er gründete den Ventil-Verlag mit, und ich las immer wieder seinen Namen. Er schrieb Bücher, verfasste kenntnisreiche Artikel über Musik, Literatur und Filme, wusste einfach Bescheid und kannte sich in vielen Dingen beeindruckend gut aus.
Und wir verloren uns aus den Augen. Wie das so ist – seit Jahren haben wir uns nicht mehr gesehen, zuletzt auf einer Buchmesse. (In den späten 80er Jahren traf man sich eben eher auf Krachmusikkonzerten.) Das bedauere ich jetzt.
Wenn ich mich an ihn erinnere, sehe ich sein verschmitztes Grinsen, höre den leichten Mainzer Singsang in der Stimme. Und ich fühle mich traurig.
23 September 2010
Ausflug in Gaggenau
Mein Vater fotografierte in den 60er Jahren richtig gern. Er hatte eine kompliziert aussehende Kamera, die er sich vor den Bauch halten musste, um oben in sie hineinzuschauen; damit sah er das, was er fotografieren wollte, gewissermaßen verkehrt – das war damals wohl üblich. Ich erinnere mich an viele Momente, in denen er so seine Fotos schoss.
Manchmal sitze ich aber ratlos vor alten Bildern und kann nicht genau sagen, von wann sie sind. So halte ich ein Schwarzweiß-Foto in den Händen: Vier Frauen gehen spazieren, sie schieben einen dieser altmodischen Kinderwagen mit dünnen Rädern. Die Straße ist ohne Autos, auf der einen Seite stehen Einfamilienhäusern hinter Vorgärten, auf der anderen Seite erstreckt ich eine Streuobstwiese. Schönes Landleben. Im Hintergrund schiebt ein kleiner Junge einen Kinderwagen mit einem noch kleineren Kind.
»Spaziergang in Gaggenau«, schrieb meine Mutter auf die Rückseite des Fotos. »Im Hintergrund Klaus mit Andrea.«
Das bin ja ich! Auf diesem Foto hätte ich mich nicht erkannt. Immerhin hilft diese Aussage und die Tatsache, dass es meine Schwester und ich sind, das Datum einzugrenzen: dürfte 1967 sein.
Alte Bilder anzugucken ist manchmal ein kleines Detektivspiel. Eines, bei dem man auch ein wenig traurig wird ...
Manchmal sitze ich aber ratlos vor alten Bildern und kann nicht genau sagen, von wann sie sind. So halte ich ein Schwarzweiß-Foto in den Händen: Vier Frauen gehen spazieren, sie schieben einen dieser altmodischen Kinderwagen mit dünnen Rädern. Die Straße ist ohne Autos, auf der einen Seite stehen Einfamilienhäusern hinter Vorgärten, auf der anderen Seite erstreckt ich eine Streuobstwiese. Schönes Landleben. Im Hintergrund schiebt ein kleiner Junge einen Kinderwagen mit einem noch kleineren Kind.
»Spaziergang in Gaggenau«, schrieb meine Mutter auf die Rückseite des Fotos. »Im Hintergrund Klaus mit Andrea.«
Das bin ja ich! Auf diesem Foto hätte ich mich nicht erkannt. Immerhin hilft diese Aussage und die Tatsache, dass es meine Schwester und ich sind, das Datum einzugrenzen: dürfte 1967 sein.
Alte Bilder anzugucken ist manchmal ein kleines Detektivspiel. Eines, bei dem man auch ein wenig traurig wird ...
Wenn Italo-Punks reifen ...
Immer wieder wird über Bands gesagt, dass sie in ihrer frühen Phase »so richtig gut« gewesen seien und dann abgebaut hätten. Auf manche mag das zutreffen, vor allem die frühen englischen Bands sind praktisch alle nach zwei Jahren ihrer Existenz entweder zu New Wave (Police) oder später schlimmem Hardrock (Cockney Rejects) gewechselt.
Höre ich mir aber die italienische Band Atarassia Gröp an, stelle ich fest, wie sich eine Band über Jahre hinweg immer besser entwickelt. Die Band stammt aus Como in Norditalien, und ich habe ihre CD in den letzten Tagen und Wochen oft gehört, wenn ich mit dem Auto unterwegs war. Das Label Mad Butcher Records hat nämlich bereits 2006 eine Art »best of« herausgegeben, die den schönen Titel »The Old The Bad And The Ugly« trägt und allerlei Aufnahmen aus den Jahren 1997 bis 2006 enthält.
Im Jahr 1997 war die Band noch ruppig, die erste Demo-CD belegt das. Da wird »Oi Oi Oi« gebrüllt, und der Sound schraddelt so richtig dynamisch-schnell vor sich hin. Nicht schlecht, aber eben höchstens Durchschnitt. Bereits bei der nächsten Demo-CD im 1999 wird's ausgereifter, bleibt aber immer noch schlicht.
Richtig klasse war die Band dann 2003; die Aufnahmen einer CD aus diesem Jahr sind einfach stark. Man wechselt zwischen Punkrock mit Melodie und Schmackes, zwischen Skapunk und Hardcore – das alles ist dynamisch gebracht und hat echt Hitqualitäten.
Mir passierte es irgendwann, dass ich die CD, die 25 Stücke enthält, nur noch zwischen Stück 16 und Stück 23 hörte – das sind alles Hits, sauber produziert und gut gespielt. Also nach klassischer Lesart weniger »punkig«. Seltsam, wie der Blick auf eine Band sich so ändert ... gut und anhörbar ist aber die gesamte CD, die sich noch einige Tage in meinem CD-Player aufhalten wird.
Höre ich mir aber die italienische Band Atarassia Gröp an, stelle ich fest, wie sich eine Band über Jahre hinweg immer besser entwickelt. Die Band stammt aus Como in Norditalien, und ich habe ihre CD in den letzten Tagen und Wochen oft gehört, wenn ich mit dem Auto unterwegs war. Das Label Mad Butcher Records hat nämlich bereits 2006 eine Art »best of« herausgegeben, die den schönen Titel »The Old The Bad And The Ugly« trägt und allerlei Aufnahmen aus den Jahren 1997 bis 2006 enthält.
Im Jahr 1997 war die Band noch ruppig, die erste Demo-CD belegt das. Da wird »Oi Oi Oi« gebrüllt, und der Sound schraddelt so richtig dynamisch-schnell vor sich hin. Nicht schlecht, aber eben höchstens Durchschnitt. Bereits bei der nächsten Demo-CD im 1999 wird's ausgereifter, bleibt aber immer noch schlicht.
Richtig klasse war die Band dann 2003; die Aufnahmen einer CD aus diesem Jahr sind einfach stark. Man wechselt zwischen Punkrock mit Melodie und Schmackes, zwischen Skapunk und Hardcore – das alles ist dynamisch gebracht und hat echt Hitqualitäten.
Mir passierte es irgendwann, dass ich die CD, die 25 Stücke enthält, nur noch zwischen Stück 16 und Stück 23 hörte – das sind alles Hits, sauber produziert und gut gespielt. Also nach klassischer Lesart weniger »punkig«. Seltsam, wie der Blick auf eine Band sich so ändert ... gut und anhörbar ist aber die gesamte CD, die sich noch einige Tage in meinem CD-Player aufhalten wird.
22 September 2010
Dorf- und andere Punks
»Dein Roman ist echt unterhaltsam«, sagte die junge Frau zu mir. »Aber er erinnert halt doch stark an ›Dorfpunks‹«. Sie meinte es nicht böse, aber ich wäre fast geplatzt.
Die junge Frau wurde ungefähr in dem Jahr geboren, in dem mein Roman »Vielen Dank Peter Pank« spielt. Sie konnte nicht wissen, dass sie mich ganz schön traf mit dem flapsigen Spruch.
Meinen Roman schrieb ich in der ersten Hälfte der 90er Jahre, die entscheidenden Szenen erschienen 1995. Im Jahr darauf, also 1996, wurde er erstmals als Paperback veröffentlicht; die Hardcover-Version folgte in den Nuller-Jahren - beides im Archiv der Jugendkulturen.
»Dorfpunks« kam 2004 heraus. Rocko Schamoni verarbeitete eigene Erfahrungen aus seiner Jugend, und offensichtlich waren die Erfahrungen von Jugendlichen, die auf Dörfern großwachsen und sich irgendwann für Krachmusik interessieren, sehr ähnlich. Abgeschrieben hat aber keiner vom anderen ...
Die junge Frau wurde ungefähr in dem Jahr geboren, in dem mein Roman »Vielen Dank Peter Pank« spielt. Sie konnte nicht wissen, dass sie mich ganz schön traf mit dem flapsigen Spruch.
Meinen Roman schrieb ich in der ersten Hälfte der 90er Jahre, die entscheidenden Szenen erschienen 1995. Im Jahr darauf, also 1996, wurde er erstmals als Paperback veröffentlicht; die Hardcover-Version folgte in den Nuller-Jahren - beides im Archiv der Jugendkulturen.
»Dorfpunks« kam 2004 heraus. Rocko Schamoni verarbeitete eigene Erfahrungen aus seiner Jugend, und offensichtlich waren die Erfahrungen von Jugendlichen, die auf Dörfern großwachsen und sich irgendwann für Krachmusik interessieren, sehr ähnlich. Abgeschrieben hat aber keiner vom anderen ...
21 September 2010
Hotelchen in Grenoble
Rückblick auf den Trip nach Südfrankreich im Mai 2010
Die Rue Thiers gehört sicher nicht zu den schönsten Straßen im inneren Stadtbereich von Grenoble; die Häuser sehen ein wenig abgewohnt aus, die Cafés und Läden wirken ein wenig sehr ... nun ja ... preiswert. Als wir im Mai 2010 dort eine Unterkunft fanden, wirkte das ganze nicht unbedingt berauschend - aber es war in der Nähe der Innenstadt und preiswert genug.
Das Hotel Splendid, in dem wir ein Doppelzimmer fanden, erwies sich als ein verwinkeltes Gebäude, das ordentlich renoviert und sauber war, von der Gesamtsubstanz seine besten Zeiten ein wenig hinter sich gelassen hatte. Durch mehrere Gänge kamen wir in unser Zimmer, das dafür am Hinterausgang lag - von diesem kamen wir in den Hof, in dem wir unser Auto auch sicher abstellen konnten.
Die Zimmer waren ordentlich, wenngleich nicht riesengroß; Duschen und Betten gefielen, und da das Fenster zum Hof ging, hatten wir's auch ruhig. Der Service an der Rezeption, die nicht immer besetzt war, war stets freundlich und hilfsbereit, und es gab sogar brauchbares Frühstück. Für den Preis (wir zahlten 60 Euro pro Nacht fürs Doppelzimmer, inklusive Frühstück) gab's eh nichts zu meckern.
Wer einen schicken Aufenthalt in Grenoble buchen möchte, ist hier nicht optimal aufgehoben. Wer einen langen Abend bummeln will und danach eh müde ins Bett fällt, wem es nichts ausmacht, in der Nacht durch eine nicht sehr helle Straße zu gehen, für den ist das Splendid Hotel eine preiswerte und vernünftige Alternative für die Stadt.
Die Rue Thiers gehört sicher nicht zu den schönsten Straßen im inneren Stadtbereich von Grenoble; die Häuser sehen ein wenig abgewohnt aus, die Cafés und Läden wirken ein wenig sehr ... nun ja ... preiswert. Als wir im Mai 2010 dort eine Unterkunft fanden, wirkte das ganze nicht unbedingt berauschend - aber es war in der Nähe der Innenstadt und preiswert genug.
Das Hotel Splendid, in dem wir ein Doppelzimmer fanden, erwies sich als ein verwinkeltes Gebäude, das ordentlich renoviert und sauber war, von der Gesamtsubstanz seine besten Zeiten ein wenig hinter sich gelassen hatte. Durch mehrere Gänge kamen wir in unser Zimmer, das dafür am Hinterausgang lag - von diesem kamen wir in den Hof, in dem wir unser Auto auch sicher abstellen konnten.
Die Zimmer waren ordentlich, wenngleich nicht riesengroß; Duschen und Betten gefielen, und da das Fenster zum Hof ging, hatten wir's auch ruhig. Der Service an der Rezeption, die nicht immer besetzt war, war stets freundlich und hilfsbereit, und es gab sogar brauchbares Frühstück. Für den Preis (wir zahlten 60 Euro pro Nacht fürs Doppelzimmer, inklusive Frühstück) gab's eh nichts zu meckern.
Wer einen schicken Aufenthalt in Grenoble buchen möchte, ist hier nicht optimal aufgehoben. Wer einen langen Abend bummeln will und danach eh müde ins Bett fällt, wem es nichts ausmacht, in der Nacht durch eine nicht sehr helle Straße zu gehen, für den ist das Splendid Hotel eine preiswerte und vernünftige Alternative für die Stadt.
20 September 2010
Japanische Phantastik ohne Manga-Stil

Denkt man an Comics, die in Japan spielen, fallen einem üblicherweise die unterschiedlichsten Manga-Stilrichtungen ein. Wer einmal etwas anderes sehen mag, sollte am besten nach den zwei Bänden der Reihe »Die Legende der scharlachroten Wolken« greifen, die bislang erschienen sind.
Verantwortlich für die Reihe ist der Splitter-Verlag. Das heißt von vorneherein, dass die Bücher sehr gut aussehen, super gedruckt sind und auf dem Umschlag diverse »Veredelungen« aufweisen. Ich habe beide Alben mit großem Interesse gelesen.
Enttäuscht war ich nicht unbedingt – aber was Saverio Tenuta in dieser Reihe bisher geliefert hat, reißt mich auch nicht vom Hocker. Es ist seine erste Serie, und vielleicht liegt es daran: Stilistisch sind seine Zeichnungen durchaus eigenständig, dennoch wirken sie oftmals unfertig und verraten bei den Gesichtern einige Schwächen.
Vor allem die Geschichte ist es aber, die mich nicht begeistert. Die Geschichte des Samurai, der mit weißen Wölfen und seiner Vergangenheit kämpft, mit phantastischen Elementen und Götterglauben – sie wirkt verwirrend und scheint mir nicht sauber erzählt. Zeitweise verstand ich bei der Lektüre nicht, was eigentlich geschah, und das ist bei einem Comic ziemlich ungeschickt.
Wer mal einen Blick auf besonderen Japan-Stil werfen möchte, sollte »Die Stadt, die zum Himmel spricht« und »Wie Blätter im Wind« einfach mal antesten. Auf der Splitter-Homepage gibt's schicke Leseproben. Vielleicht können andere Leser mit der zeitweise »lyrisch« erzählten Geschichte mehr anfangen als ich ...
19 September 2010
Brunzdumm, aber cool
Kurze Diskussion am Samstag abend, nach einem leckeren Abendessen und gutem Wein: Gehen wir noch ins Kino, und wenn ja, in welchen Film? Die Diskussion strandet recht schnell bei »ein alter Mann in ›The American‹« oder »viele alte Männer auf einem Haufen«.
Wir entscheiden uns für viele alte Männer und gehen in »The Expendables«. Sylvester Stallone und eine Handvoll anderer alter Haudegen im Großeinsatz. Explodierende Körperteile, viel Blut, brennendes Napalm - wir kamen uns vor wie in den 80er Jahren, wenn man sich solche Filme angucken ging; nur ist so was heute viel professioneller ...
Kein Schmarrn: Es war grandiose Unterhaltung. Nicht unbedingt geistvoll, sondern eher sackdoof, dafür aber mit enorm viel Krachbummbeng. Nachts um halb zwölf bis ein Uhr vielleicht nicht mal das dümmste Programm - vor allem, wenn man noch Bier dabei hat.
Allerdings ist »The Expendables« dann auch so ein Film, über den man anschließend nicht so viel zu diskutieren hat. Da sitzt man dann lieber mit neuem Bier zusammen und redet über Urlaub, die blöde Regierung und andere unsinnige Themen ...
Wir entscheiden uns für viele alte Männer und gehen in »The Expendables«. Sylvester Stallone und eine Handvoll anderer alter Haudegen im Großeinsatz. Explodierende Körperteile, viel Blut, brennendes Napalm - wir kamen uns vor wie in den 80er Jahren, wenn man sich solche Filme angucken ging; nur ist so was heute viel professioneller ...
Kein Schmarrn: Es war grandiose Unterhaltung. Nicht unbedingt geistvoll, sondern eher sackdoof, dafür aber mit enorm viel Krachbummbeng. Nachts um halb zwölf bis ein Uhr vielleicht nicht mal das dümmste Programm - vor allem, wenn man noch Bier dabei hat.
Allerdings ist »The Expendables« dann auch so ein Film, über den man anschließend nicht so viel zu diskutieren hat. Da sitzt man dann lieber mit neuem Bier zusammen und redet über Urlaub, die blöde Regierung und andere unsinnige Themen ...
18 September 2010
Jingo knapp verpasst
Ich gestehe, dass ich eigentlich keinerlei Lust darauf hatte, aufs Konzert von Jingo de Lunch in die »Alte Hackerei« zu gehen. Dass ich die Berliner Band mal klasse fand, ist über zwanzig Jahre her. Und das eine Konzert, das ich in den 90er Jahren von denen sah, war so grausig-metalmäßig, dass ich die Band seither weit in den Hinterkopf geschoben habe.
Dann juckte es mich aber doch, und nach einem Bier im »fünf« stolperte ich am Donnerstag abend, 16. September 2010, doch noch in das alte Fleischmarkt-Areal. Die »Hackerei« war brechend voll und ausverkauft, viele Leute standen im Freien, aber die Musik, die durch die Fenster drang, klang sehr gut.
Da am selben Tag nebenan das neue »Substage« seine Eröffnung feierte, guckte ich mir das auch noch an. Ich war in den letzten Jahren eher selten in den Konzertort in der Fußgänger-Unterführung gegangen, weil das Programm zu wenig für mich bereithielt, fand es aber schade, dass die Jungs und Mädels jetzt wegen des tollen »Karlsruhe 21«-Projektes (oder wie immer das bei uns heißt) umziehen mussten.
Das neue »Substage« sieht von außen fürchterlich aus, strahlt aber innen gemütliche Beton-Behaglichkeit aus. Ein guter Rock'n'Roll-Laden, in dem es nicht auffallen wird, wenn die ersten Besoffenen in die Ecke kotzen werden. Viel Beton und Steine, eine hohe Decke und eine lange Theke - das macht einen guten Eindruck, das gefällt mir. Ich bin auf das weitere gespannt!
Dann wieder in die »Alte Hackerei«. Mit einer Coverversion von Slime beendete Jingo de Lunch das Konzert. Verschwitzte Leute drängten in Massen heraus, alle wirkten glücklich und zufrieden. Offensichtlich hatte ich ein Klasse-Konzert verpasst.
Schade, aber nicht zu ändern. Dann doch lieber noch das eine oder andere Bier und vor allem das eine oder andere geistvolle Gespräch. Auch recht ...
Dann juckte es mich aber doch, und nach einem Bier im »fünf« stolperte ich am Donnerstag abend, 16. September 2010, doch noch in das alte Fleischmarkt-Areal. Die »Hackerei« war brechend voll und ausverkauft, viele Leute standen im Freien, aber die Musik, die durch die Fenster drang, klang sehr gut.
Da am selben Tag nebenan das neue »Substage« seine Eröffnung feierte, guckte ich mir das auch noch an. Ich war in den letzten Jahren eher selten in den Konzertort in der Fußgänger-Unterführung gegangen, weil das Programm zu wenig für mich bereithielt, fand es aber schade, dass die Jungs und Mädels jetzt wegen des tollen »Karlsruhe 21«-Projektes (oder wie immer das bei uns heißt) umziehen mussten.
Das neue »Substage« sieht von außen fürchterlich aus, strahlt aber innen gemütliche Beton-Behaglichkeit aus. Ein guter Rock'n'Roll-Laden, in dem es nicht auffallen wird, wenn die ersten Besoffenen in die Ecke kotzen werden. Viel Beton und Steine, eine hohe Decke und eine lange Theke - das macht einen guten Eindruck, das gefällt mir. Ich bin auf das weitere gespannt!
Dann wieder in die »Alte Hackerei«. Mit einer Coverversion von Slime beendete Jingo de Lunch das Konzert. Verschwitzte Leute drängten in Massen heraus, alle wirkten glücklich und zufrieden. Offensichtlich hatte ich ein Klasse-Konzert verpasst.
Schade, aber nicht zu ändern. Dann doch lieber noch das eine oder andere Bier und vor allem das eine oder andere geistvolle Gespräch. Auch recht ...
17 September 2010
Allerloi Oi!-Tips

Ich weiß, dass schon eine weitere Ausgabe erschienen ist, aber jetzt habe ich eben die Ausgabe 30 von Oi! The Print gelesen. Das Fanzine kommt aus dem schönen Österreich und feiert die Oi!-Szene so richtig gut ab. Der Untertitel »The One & Only Austrian Drinkingclass Fanzine« greift szene-interne Eigenklischees auch schön auf.
Das Fanzine ist unpolitisch im positiven Sinn; man hakt bei den Bands nicht unbedingt nach, wo sie politisch stehen, hält sich aber bewusst aus dem politischen Hickhack der aktuellen Zeit raus. Man steht allerdings eindeutig nicht im rechten Lager, und das ist gut so.
Stomper 98 aus Göttingen kommen ausführlich zu Wort (und auch aufs Cover), ebenso die Ska-Band The Valkyrians aus Finnland oder die alten England-Säcke von Red Alert. Wobei ... der Sänger stellt sich als ziemlichen Alkoholiker dar, und das ist unterm Strich dann doch nicht soo lustig.
Ich fand den Szene-Bericht zu Australien sehr interessant. Dass es »downunder« so viele Oi!-Bands gibt, wusste ich nicht. Ich benutzte den Bericht prompt zu einem kleinen Einkaufsbummel und bin von einigen der Bands sehr angetan ...
Selbstverständlich gibt's Plattenbesprechungen, Fanzine-Rezensionen und haufenweise anderes Zeugs. Geschichtsbeflissene freuen sich sogar über einen Bericht über Iron Cross, die erste amerikanische Skinhead-Band, deren Stück »Crucified« jede Glatze und jeder Hardcore-Mensch kennen dürfte.
Gelungenes Fanzine, das mit 68 sauber gestalteten Seiten im A5-Format und mit vierfarbigem Titelbild zu überzeugen weiß. Das Heft gibt's für zwoeinhalb Euro bei den einschlägigen Versendern; wer sich für Oi! begeistern kann, sollte es mal antesten.
16 September 2010
Angela und Stuttgart
Parlamentsdebatte im Bundestag, es ging rund. Meist erspare ich mir das Spektakel, dieses Mal hatte es aber doch hohen Unterhaltungswert. Vor allem deshalb, weil die Kanzlerin auch mal laut wurde.
Dann wurde auf einmal Stuttgart zum Thema, der schweineteure Bahnhofsumbau und der Widerstand der Bevölkerung. Angela Merkel argumentierte, dass die Landtagswahl im nächsten Frühjahr die Volksbefragung zu Stuttgart 21 werde. Man brauche keinen Volksentscheid, bei dem das durch die Großparteien, die Großindustrie und andere Gauner zusammengeschmierte Projekt vielleicht gestoppt werden könnte.
Wahrscheinlich hat sie da sogar recht. Baden-Württemberg steht in den Umfragen auf rot-grün, nicht mehr auf schwarz-gelb. Das liegt daran, dass »mein Ländle« mit Stefan Mappus einen absoluten Unsympathen als Ministerpräsidenten hat und dass man mit Stuttgart 21 ein echtes Reizthema an den Start schiebt, bei dem sogar konservative Leute auf einmal gegen die CDU sind.
Nur: Ich bin sicher, dass es die SPD wieder vergeigen wird. Ich habe die unfähige Figur, die vor vier Jahren gegen Öttinger antrat, schon fast vergesen, aber es geht 2010 und 2011 aso weiter: Das Personal, das die größte Oppositionspartei gegen Mappus aufbietet, ist von erschütternder Schlichtheit.
Ganz ehrlich: So sehr ich auch Mappus und Konsorten verabscheue – diese Bande von Dilettanten kann ich wieder mal nicht wählen. (Und jetzt komme keiner mit den Grünen oder gar der Linkspartei.)
Und so wird's womöglich ausgehen wie so oft: Ich (und viele andere) finde die CDU grauenvoll, die SPD ebenfalls und bleibe zuhause oder wähle ungültig. Dann bleibt der Dicke aus Pforzheim weiter an der Regierung, und alles geht so weiter wie bisher. Demokratie ist schon ein lustiges Spiel ...
Dann wurde auf einmal Stuttgart zum Thema, der schweineteure Bahnhofsumbau und der Widerstand der Bevölkerung. Angela Merkel argumentierte, dass die Landtagswahl im nächsten Frühjahr die Volksbefragung zu Stuttgart 21 werde. Man brauche keinen Volksentscheid, bei dem das durch die Großparteien, die Großindustrie und andere Gauner zusammengeschmierte Projekt vielleicht gestoppt werden könnte.
Wahrscheinlich hat sie da sogar recht. Baden-Württemberg steht in den Umfragen auf rot-grün, nicht mehr auf schwarz-gelb. Das liegt daran, dass »mein Ländle« mit Stefan Mappus einen absoluten Unsympathen als Ministerpräsidenten hat und dass man mit Stuttgart 21 ein echtes Reizthema an den Start schiebt, bei dem sogar konservative Leute auf einmal gegen die CDU sind.
Nur: Ich bin sicher, dass es die SPD wieder vergeigen wird. Ich habe die unfähige Figur, die vor vier Jahren gegen Öttinger antrat, schon fast vergesen, aber es geht 2010 und 2011 aso weiter: Das Personal, das die größte Oppositionspartei gegen Mappus aufbietet, ist von erschütternder Schlichtheit.
Ganz ehrlich: So sehr ich auch Mappus und Konsorten verabscheue – diese Bande von Dilettanten kann ich wieder mal nicht wählen. (Und jetzt komme keiner mit den Grünen oder gar der Linkspartei.)
Und so wird's womöglich ausgehen wie so oft: Ich (und viele andere) finde die CDU grauenvoll, die SPD ebenfalls und bleibe zuhause oder wähle ungültig. Dann bleibt der Dicke aus Pforzheim weiter an der Regierung, und alles geht so weiter wie bisher. Demokratie ist schon ein lustiges Spiel ...
15 September 2010
In den Bergen des Valpolicella
Rückblick auf den Trip nach Norditalien im August 2010
Dass es die Region Valpolicella gibt, war mir schon vorher bekannt. Sie liegt im Prinzip, wenn man auf die Landkarte guckt, rechts vom Gardasee und oberhalb von Verona, also mitten in Norditalien, und sie ist bekannt für ihre vielen Weine. Mehr wusste ich nicht über die gesamte Region.
Also schauten wir sie uns an, als wir eh da waren, und fuhren einen Nachmittag lang mit dem Auto kreuz und quer durch die Weinberge und Hügeldörfer. Über schmale, teilweise recht kurvige Straßen ging es hoch auf Hügel, von denen aus sich eine tolle Aussicht bot: bis zum Gardasee und den Alpen, bis hinunter ins Flachland der Poebene, hinweg über Weinberge und eine seit zweieinhalbtausend Jahren aktive Kulturlandschaft.
Kleine Dörfer wie Molina oder Montecchio, halb verborgen an den Felshängen klebend, zerstreute Weingemeinden wie Negrar mit einem alten Dorfkern und ausufernden Rändern, das winzige Dorf Castelrotto, bei dem ich mich nur wunderte, wo die Touristenbusse blieben, und wie sie alle hießen: Ich hatte manchmal das Gefühl, es sei überall schön.
Und da das Wetter mitspielte – es war gut warm, aber nicht hitzig –, machte die Fahrt gleich doppelt Spaß. Der Buschwald roch intensiv, die warme Luft drang in die Nase und in jede Pore, und wir fühlten uns wohl. Den Tag beschloss eine gute Flasche Wein, natürlich aus dem Valpolicella. Klasse.
Dass es die Region Valpolicella gibt, war mir schon vorher bekannt. Sie liegt im Prinzip, wenn man auf die Landkarte guckt, rechts vom Gardasee und oberhalb von Verona, also mitten in Norditalien, und sie ist bekannt für ihre vielen Weine. Mehr wusste ich nicht über die gesamte Region.
Also schauten wir sie uns an, als wir eh da waren, und fuhren einen Nachmittag lang mit dem Auto kreuz und quer durch die Weinberge und Hügeldörfer. Über schmale, teilweise recht kurvige Straßen ging es hoch auf Hügel, von denen aus sich eine tolle Aussicht bot: bis zum Gardasee und den Alpen, bis hinunter ins Flachland der Poebene, hinweg über Weinberge und eine seit zweieinhalbtausend Jahren aktive Kulturlandschaft.
Kleine Dörfer wie Molina oder Montecchio, halb verborgen an den Felshängen klebend, zerstreute Weingemeinden wie Negrar mit einem alten Dorfkern und ausufernden Rändern, das winzige Dorf Castelrotto, bei dem ich mich nur wunderte, wo die Touristenbusse blieben, und wie sie alle hießen: Ich hatte manchmal das Gefühl, es sei überall schön.
Und da das Wetter mitspielte – es war gut warm, aber nicht hitzig –, machte die Fahrt gleich doppelt Spaß. Der Buschwald roch intensiv, die warme Luft drang in die Nase und in jede Pore, und wir fühlten uns wohl. Den Tag beschloss eine gute Flasche Wein, natürlich aus dem Valpolicella. Klasse.
14 September 2010
»Inception« zum zweiten
Es gibt Filme, die sollte man nur einmal angucken. Sie verblüffen oder faszinieren beim ersten Mal und entsetzen einen beim zweiten Durchgang. Am Montag, 13. September 2010, dann doch der Versuch: Klappt »Inception« zum zweiten Mal?
Der Hauptgrund war, dass ich ihn endlich kapieren wollte. So richtig kapieren. Ohne dass Fragen übrig bleiben und ich diskutieren und überlegen muss.
Um es kurz zu machen: Der Film ist auch beim zweiten Mal noch klasse. Die offenen Fragen, die ich beim ersten Durchgang hatte, sind beim zweiten Mal geblieben. Was ist Realität, wo beginnt der Traum, und wer ist eigentlich in wessen Kopf drin?
Beeindruckende Action-Szenen, dramatisch sich steigernde Musik und ein verwirrendes Ende - »Inception« ist ein Film, den man sich wahrscheinlich ein drittes Mal ohne Gewissensbisse angucken könnte. Coole Scheiße.
Der Hauptgrund war, dass ich ihn endlich kapieren wollte. So richtig kapieren. Ohne dass Fragen übrig bleiben und ich diskutieren und überlegen muss.
Um es kurz zu machen: Der Film ist auch beim zweiten Mal noch klasse. Die offenen Fragen, die ich beim ersten Durchgang hatte, sind beim zweiten Mal geblieben. Was ist Realität, wo beginnt der Traum, und wer ist eigentlich in wessen Kopf drin?
Beeindruckende Action-Szenen, dramatisch sich steigernde Musik und ein verwirrendes Ende - »Inception« ist ein Film, den man sich wahrscheinlich ein drittes Mal ohne Gewissensbisse angucken könnte. Coole Scheiße.
13 September 2010
Veranstaltungen und Produkte
Wann immer sich die Gelegenheit bietet, krame ich in meinen Erinnerungen und Tagebüchern und schreibe einen Text dazu. Unter der Rubrik »Der Redakteur erinnert sich« erscheinen solche Texte dann auf der PERRY RHODAN-Homepage. Und da sich die Leser dort bislang noch nicht dagegen gewehrt haben, gibt's immer wieder Nachschub.
So am 9. September, also erst vor wenigen Tagen. Unter dem Titel »Ein freundlicher Anruf aus Hannover« ging es um meine Bekanntschaft mit Peter Schlenter sowie die Vorarbeiten zu einer Musik-CD - das war alles im Frühjahr 1996.
Eine Woche davor hieß der Titel »Erinnerungen an das Schattenland«. Ich blickte auf die MYTHOR-Heftromanreihe zurück, die ich als Jugendlicher gern gelesen hatte, und stellte die Versuche dar, die Reihe neu auf den Markt zu bringen - bis jetzt eben fünf Taschenbücher einen MYTHOR-Zyklus zusammengefasst haben.
»Der Sonderzug nach Mannheim« ist kein Versuch, alte Lieder von Udo Lindenberg unter neuem Titel zu veröffentlichen, sondern erinnert an das Jahr 1986. Damals fand der PERRY RHODAN-WeltCon in Saarbrücken statt, und deshalb ist der Titel auch falsch. Streng genommen müsste es »Der Sonderzug von Mannheim nach Saarbrücken« heißen - aber man kann ja nicht alles haben ...
In den Sommer 2000 blendet »Auf dem Medienforum«. Da war ich in Köln auf einer richtigen Wichtig-Wichtig-Messe, wo ich mich unwohl fühlte, aber dennoch einen Vortrag hielt. Selten zuvor und danach sah ich so viele wichtige Leute auf einem Haufen ...
So am 9. September, also erst vor wenigen Tagen. Unter dem Titel »Ein freundlicher Anruf aus Hannover« ging es um meine Bekanntschaft mit Peter Schlenter sowie die Vorarbeiten zu einer Musik-CD - das war alles im Frühjahr 1996.
Eine Woche davor hieß der Titel »Erinnerungen an das Schattenland«. Ich blickte auf die MYTHOR-Heftromanreihe zurück, die ich als Jugendlicher gern gelesen hatte, und stellte die Versuche dar, die Reihe neu auf den Markt zu bringen - bis jetzt eben fünf Taschenbücher einen MYTHOR-Zyklus zusammengefasst haben.
»Der Sonderzug nach Mannheim« ist kein Versuch, alte Lieder von Udo Lindenberg unter neuem Titel zu veröffentlichen, sondern erinnert an das Jahr 1986. Damals fand der PERRY RHODAN-WeltCon in Saarbrücken statt, und deshalb ist der Titel auch falsch. Streng genommen müsste es »Der Sonderzug von Mannheim nach Saarbrücken« heißen - aber man kann ja nicht alles haben ...
In den Sommer 2000 blendet »Auf dem Medienforum«. Da war ich in Köln auf einer richtigen Wichtig-Wichtig-Messe, wo ich mich unwohl fühlte, aber dennoch einen Vortrag hielt. Selten zuvor und danach sah ich so viele wichtige Leute auf einem Haufen ...
12 September 2010
Neue Ausgabe eines literarischen Heftes
Es dauerte einige Zeit, bis ich zur Lektüre kam, aber heute schaffte ich es endlich: Ich las die achte Ausgabe der Zeitschrift »Phantasia Almanach«, zu dem vielleicht auch eher die Bezeichnung Kundenmagazin passen würde. Das Heft wird von der Edition Phantasia verlegt, dem kleinen, aber feinen Verlag aus der Pfalz, und es wird Kunden des Verlags kostenlos zugeschickt.
Auf 24 Seiten geht es vor allem um die Autoren des Verlages – was nicht weiter überrascht. Einen Schwerpunkt bildet dabei James Graham Ballard, zu dem es gleich zwei Nachrufe gibt, einen von Verlagschef Joachim Körber selbst.
Die Kurzgeschichte von Stefan Blankertz ist so formuliert, dass ich mir das Buch dieses Schriftstellers kaum kaufen werde. Umso schöner dafür die klassische, sehr altmodisch wirkende Geschichte von Robert E. Howard – so was kann man immer noch lesen.
Wie immer ein gelungenes kleines Heft. Wer sich dafür interessiert, sollte die Homepage des Verlages checken. Das lohnt sich eh.
Auf 24 Seiten geht es vor allem um die Autoren des Verlages – was nicht weiter überrascht. Einen Schwerpunkt bildet dabei James Graham Ballard, zu dem es gleich zwei Nachrufe gibt, einen von Verlagschef Joachim Körber selbst.
Die Kurzgeschichte von Stefan Blankertz ist so formuliert, dass ich mir das Buch dieses Schriftstellers kaum kaufen werde. Umso schöner dafür die klassische, sehr altmodisch wirkende Geschichte von Robert E. Howard – so was kann man immer noch lesen.
Wie immer ein gelungenes kleines Heft. Wer sich dafür interessiert, sollte die Homepage des Verlages checken. Das lohnt sich eh.
11 September 2010
Gospel und Trottel
Freitag abend in der Karlsruher Innenstadt: Aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen hatte ich vergessen, dass ein internationales Gospelsänger-Treffen veranstaltet wurde. Und wir Trottel hatten uns ausgerechnet die »Marktlücke« am Marktplatz ausgesucht.
Gar nicht so einfach: Der Marktplatz war voll mit Verkaufsständen, Bierzelten und mehr oder weniger lauten Menschen, die allesamt ein Schlüsselbändchen plus Namensschild (oder so was) um den Hals hielten. Sie sprachen in fremden Zungen, die meisten davon aber in deutschen Dialekten, wirkten teilweise schwer verwirrt oder eben einfach nur völlig christlich - und sie waren in Pulks unterwegs.
In der »Marktlücke« sang eine junge Blondine, während hinter ihr drei junge Männer ein wenig Jazz- und Pop-Gedudel veranstalteten. Da war guter Rat teuer. Aber da schönes Wetter war, gingen wir einige Meter um die Ecke und landeten in einer Espresso-Bar, wo wir im freien sitzen und Bier trinken konnten.
Auch recht. Stunden später saßen wir da immer noch, guckten Gospel-Fans nach, die auf der Straße vorbeigingen, tranken Bier, redeten über Sarrazin, andere Rassisten und schlechte Tätowierer, die alten Zeiten als Dorfpunker und andere wichtige Themen. Um halb zwei Uhr meinte die Bedienung, es wäre langsam ein bisschen spät - und dann war auch gut.
Wir hatten den Abend erfolgreich mit reden und trinken verbracht. Großartig. So muss es sein.
Gar nicht so einfach: Der Marktplatz war voll mit Verkaufsständen, Bierzelten und mehr oder weniger lauten Menschen, die allesamt ein Schlüsselbändchen plus Namensschild (oder so was) um den Hals hielten. Sie sprachen in fremden Zungen, die meisten davon aber in deutschen Dialekten, wirkten teilweise schwer verwirrt oder eben einfach nur völlig christlich - und sie waren in Pulks unterwegs.
In der »Marktlücke« sang eine junge Blondine, während hinter ihr drei junge Männer ein wenig Jazz- und Pop-Gedudel veranstalteten. Da war guter Rat teuer. Aber da schönes Wetter war, gingen wir einige Meter um die Ecke und landeten in einer Espresso-Bar, wo wir im freien sitzen und Bier trinken konnten.
Auch recht. Stunden später saßen wir da immer noch, guckten Gospel-Fans nach, die auf der Straße vorbeigingen, tranken Bier, redeten über Sarrazin, andere Rassisten und schlechte Tätowierer, die alten Zeiten als Dorfpunker und andere wichtige Themen. Um halb zwei Uhr meinte die Bedienung, es wäre langsam ein bisschen spät - und dann war auch gut.
Wir hatten den Abend erfolgreich mit reden und trinken verbracht. Großartig. So muss es sein.
10 September 2010
Zeitkristalle und Geschichten

Vor über vierzig Jahren gründete sich in Dresden ein Science-Fiction-Verein. Das klingt nach etwas relativ normalem, denn SF-Vereinigungen wurden in den späten 60er Jahren überall im deutschsprachigen Raum gegründet. Dresden gehörte damals aber zur DDR – und dort war eine solche Gründung nicht so einfach wie in Westdeutschland oder Österreich.
Das bekamen die Aktivisten des Stanislaw-Lem-Klubs bald zu merken. Nach einem kurzen Höhenflug kam bereits das Verbot – aber bis heute gibt es ehemalige Mitglieder, die in der Science-Fiction-Szene aktiv sind.
Diesem Verein, seinen Mitgliedern und den dort entstandenen Texten widmet sich eine Sonderausgabe von »Andromeda«, die bereits im September 2009 erschienen ist. Herausgeber ist Erik Simon, seit Jahrzehnten ein international anerkannter SF-Fachmann – und die Lektüre des 84 Seiten starken A4-Heftes empfiehlt sich für SF-Fans sowie für Menschen, die sich für die Geschichte der untergegangenen DDR interessieren.
Ich las vor allem die Rückblicke auf die Geschichte des Vereins sehr gern, inklusive der Porträts jener Menschen, die in den frühen 70er Jahren in Dresden aktiv waren – gegen einen Staat, der damit überhaupt nichts anzufangen wusste. Darüber hinaus finden sich in dem Heft aber auch Kurzgeschichten sowie der Fortsetzungsroman »Abenteuer auf Sakuntala«, der 1972 unter extrem schweren Bedingungen entstand. Das ist literarisch nicht unbedingt hochwertig, aber dennoch betrachtens- bis lesenswert.
Insgesamt ein Heft, das den herausgebenden Science Fiction Club Deutschland e.V. ausnahmsweise mal schmückt. Wer sich dafür interessiert, kann es für acht Euro bestellen – am besten über die Homepage des Vereins.
09 September 2010
Kurzer Nachruf auf HoPe
Man kann nicht sagen, dass ich ihn gut gekannt hätte – dennoch war ich sehr überrascht und auf einen Schlag traurig, als ich dieser Tage erfuhr, dass Horst-Peter Schwagenscheidt bereits im Juli 2010 verstorben ist. Der Science-Fiction-Fan, der in den 60er Jahren unter anderem das einflussreiche Fanzine »Science Fiction Times« herausgab, wurde 71 Jahre alt.
Ich lernte »HoPe«, wie man ihn im allgemeinen nannte, erst in den sogenannten Nuller-Jahren kennen. In den Jahrzehnten davor waren wir sicher teilweise auf denselben Veranstaltungen unterwegs, wir unterhielten uns aber nie.
Er schickte mir seine »Stammtisch-Post«, ein Fanzine, in dem sich nachgedruckte Fan-Artikel aus den 60er Jahren mit aktuellen Ansichten und Meinungen trafen, und ich machte ihm gelegentlich Kopien von Fanzines aus meiner Sammlung, die ihm fehlten. Und wir unterhielten uns einige Male kurz.
Seine Artikel in Fanzines wie dem »Fandom Observer« las ich gern, auch wenn die Science-Fiction-Serie, für die ich arbeite, in diesen Texte oft »ihr Fett weg« bekam. Kritisch ging er gegen deutschsprachige SF-Autoren alter und neuer Zeit vor, immer wieder hinterfragte er auch »rhodanische Legenden«.
Das mochte ich nicht immer, wofür man hoffentlich Verständnis hat. Aber ich schätzte seine kritische, seine bissige, seine stets nachbohrende Art, weil sie mit gesunder Ironie und viel Wissen daher kam und sich somit von dem oftmals »nur meckernden« Stil mancher Fan-Diskussion unterschied.
Horst-Peter Schwagenscheidt, der Fanzine-Herausgeber der 60er und frühen 70er Jahre, der Organisator der OldieCons in den Nuller Jahren – er ist tot. Und er wird dieser Science-Fiction-Szene tatsächlich fehlen.
Ich lernte »HoPe«, wie man ihn im allgemeinen nannte, erst in den sogenannten Nuller-Jahren kennen. In den Jahrzehnten davor waren wir sicher teilweise auf denselben Veranstaltungen unterwegs, wir unterhielten uns aber nie.
Er schickte mir seine »Stammtisch-Post«, ein Fanzine, in dem sich nachgedruckte Fan-Artikel aus den 60er Jahren mit aktuellen Ansichten und Meinungen trafen, und ich machte ihm gelegentlich Kopien von Fanzines aus meiner Sammlung, die ihm fehlten. Und wir unterhielten uns einige Male kurz.
Seine Artikel in Fanzines wie dem »Fandom Observer« las ich gern, auch wenn die Science-Fiction-Serie, für die ich arbeite, in diesen Texte oft »ihr Fett weg« bekam. Kritisch ging er gegen deutschsprachige SF-Autoren alter und neuer Zeit vor, immer wieder hinterfragte er auch »rhodanische Legenden«.
Das mochte ich nicht immer, wofür man hoffentlich Verständnis hat. Aber ich schätzte seine kritische, seine bissige, seine stets nachbohrende Art, weil sie mit gesunder Ironie und viel Wissen daher kam und sich somit von dem oftmals »nur meckernden« Stil mancher Fan-Diskussion unterschied.
Horst-Peter Schwagenscheidt, der Fanzine-Herausgeber der 60er und frühen 70er Jahre, der Organisator der OldieCons in den Nuller Jahren – er ist tot. Und er wird dieser Science-Fiction-Szene tatsächlich fehlen.
08 September 2010
Über die Kinder des Krieges
Obwohl ich Jahrgang 1963 bin, also lange nach dem Zweiten Weltkrieg geboren wurde, war das Thema Krieg in meinem sozialen Umfeld immer gegenwärtig. Ich wuchs mit dem Schweigen meiner Eltern auf, den seltenen Aussagen zu wenigen Themen, dem Geschwätz anderer Menschen aus ihrer Generation – und im Nachhinein werden mir viele Konflikte meiner Jugend langsam klarer.
Zuletzt las ich ein spannendes Sachbuch, das sich mit genau diesem Thema auseinandersetzte: Die Journalistin Sabine Bode beschäftigt sich in »Die vergessene Generation« mit den sogenannten Kriegskindern, also jenen Menschen, die das Ende des Zweiten Weltkriegs als Kinder erlebten.
Dabei geht es ihr nicht darum, irgendwie revanchistisch zu sein oder gar das Leid der Nazi-Opfer mit dem Leid der Deutschen aufzurechnen – diesem Gedanken widerspricht sie klar. Aber sie weist darauf hin, dass es nach dem Krieg zig Millionen traumatisierter Menschen in den Besatzungszonen gab.
Diese Menschen bauten danach drei neue Staaten auf; was für die Erwachsenen als Trauma schon schlimm war, wurde für die Kinder zu einer lebenslangen Belastung, die sich teilweise erst im Alter von 60 Jahren oder noch älter klar zeigt. Die Kriegskinder oder gar die Kriegsenkel bekamen so noch die Spätfolgen des Krieges zu spüren.
Das Buch ist sachlich und zugleich unterhaltsam geschrieben; es arbeitet mit Aussagen von Betroffenen und versucht, deren Biografie mit späteren psychischen Belastungen in Einklang zu bringen. Menschen, die zeit ihres Lebens von Albträumen geplagt sind, waren gegen Kriegsende vielleicht drei oder vier Jahre alt, haben den Bombenkrieg also nicht bewusst mitbekommen, wurden aber von ihm geprägt.
Ein packendes Thema, das mich während der Lektüre nicht losgelassen hat. (Meine Eltern betrifft's dann doch nicht so sehr: Mein Vater erlebte das Ende nach zwei Jahren Ostfront mit zwanzig Jahren im Lazarett; meine Mutter war schon 13 Jahre alt und überlebte die Brandschatzung von Freudenstadt.) So biografisch war's nicht unbedingt, aber eine nachdrückliche Lektüre. Respekt!
Wen's interessiert: Das Taschenbuch ist bei Piper erschienen, ist 287 Seiten stark und sollte in jeder Buchhandlung zu haben sein. Menschen mit ähnlichen biografischen Hintergründen sollten es mal antesten – es lohnt sich.
Zuletzt las ich ein spannendes Sachbuch, das sich mit genau diesem Thema auseinandersetzte: Die Journalistin Sabine Bode beschäftigt sich in »Die vergessene Generation« mit den sogenannten Kriegskindern, also jenen Menschen, die das Ende des Zweiten Weltkriegs als Kinder erlebten.
Dabei geht es ihr nicht darum, irgendwie revanchistisch zu sein oder gar das Leid der Nazi-Opfer mit dem Leid der Deutschen aufzurechnen – diesem Gedanken widerspricht sie klar. Aber sie weist darauf hin, dass es nach dem Krieg zig Millionen traumatisierter Menschen in den Besatzungszonen gab.
Diese Menschen bauten danach drei neue Staaten auf; was für die Erwachsenen als Trauma schon schlimm war, wurde für die Kinder zu einer lebenslangen Belastung, die sich teilweise erst im Alter von 60 Jahren oder noch älter klar zeigt. Die Kriegskinder oder gar die Kriegsenkel bekamen so noch die Spätfolgen des Krieges zu spüren.
Das Buch ist sachlich und zugleich unterhaltsam geschrieben; es arbeitet mit Aussagen von Betroffenen und versucht, deren Biografie mit späteren psychischen Belastungen in Einklang zu bringen. Menschen, die zeit ihres Lebens von Albträumen geplagt sind, waren gegen Kriegsende vielleicht drei oder vier Jahre alt, haben den Bombenkrieg also nicht bewusst mitbekommen, wurden aber von ihm geprägt.
Ein packendes Thema, das mich während der Lektüre nicht losgelassen hat. (Meine Eltern betrifft's dann doch nicht so sehr: Mein Vater erlebte das Ende nach zwei Jahren Ostfront mit zwanzig Jahren im Lazarett; meine Mutter war schon 13 Jahre alt und überlebte die Brandschatzung von Freudenstadt.) So biografisch war's nicht unbedingt, aber eine nachdrückliche Lektüre. Respekt!
Wen's interessiert: Das Taschenbuch ist bei Piper erschienen, ist 287 Seiten stark und sollte in jeder Buchhandlung zu haben sein. Menschen mit ähnlichen biografischen Hintergründen sollten es mal antesten – es lohnt sich.
07 September 2010
Seminar-Planung für 2011
Wie schnell die Zeit voranschreitet, belegt dieser Tage die Bundesakademie für kulturelle Bildung in Wolfenbüttel: Bereits jetzt liegen die Termine fürs Jahr 2011 fest - und es ist ja noch sooooo lange bis dahin. Aber ich bin auch im Jahr 2011 in zwei Seminaren als Dozent dabei, und das ist eine erfreuliche Nachricht.
Das Motto vom 25. bis 27. März 2011 ist: »Phantastische Literatur schreiben - Langformen in Fantasy, Horror und Sciencefiction.« Meine Co-Dozentin hierfür ist Kathrin Lange.
Das Motto vom 16. bis 18. Dezember 2011 ist: »Vier Seiten für ein Universum - Die Sciencefiction-Kurzgeschichte.« Mein Partner bei diesem Seminar ist der Kollege Uwe Anton.
Das Motto vom 25. bis 27. März 2011 ist: »Phantastische Literatur schreiben - Langformen in Fantasy, Horror und Sciencefiction.« Meine Co-Dozentin hierfür ist Kathrin Lange.
Das Motto vom 16. bis 18. Dezember 2011 ist: »Vier Seiten für ein Universum - Die Sciencefiction-Kurzgeschichte.« Mein Partner bei diesem Seminar ist der Kollege Uwe Anton.
06 September 2010
Norditalien im Punkrock-Blick
Es ergab sich mehr aus Zufall, aber: Die Radiosendung am 5. September 2010 war im Prinzip eine direkte Antwort auf meinen Trip nach Italien eine Woche zuvor. Okay, ich spielte keine Musik aus der Oper »Carmen«, das wäre unglaubwürdig gewesen – aber ich brachte ausschließlich Punkrock und Ska aus dem Großraum Norditalien.
Da gibt's auch haufenweise gute Bands, angefangen von den eh schon bekannten Los Fastidios, die ich bereits gespielt habe. Großartigen Skapunk spielen Persiana Jones aus Turin, während die Atarassia Gröp die Vermengung von Ska und Oi! macht, die offensichtlich im nördlichen Italien beliebt ist.
Antifaschistische Skinheads finde ich gut, und in Italien gibt's da wohl viele – ich spielte aus dem Grund viele Bands, die auf Mad Butcher Records erschienen sind. Das Label publiziert solche Bands gerne, und die meisten davon kann man sich gut anhören. Dazu zählen Arpioni aus Bergamo, die schönen traditionellen Ska spielen. Oder Talco, bei denen's glatt noch einen Spritzer gibt.
Eher kommerziellen Punkrock spielen die Criminal Jokers oder auch Carryall – das kann man sich gut anhören, aber es klingt doch ein bisschen weichgespült. In die ENPUNKT-Sendung im Freien Radio Karlsruhe passten beide Bands. Und dann noch Mquestionmark mit ihrer Mixtur aus Elektro und Punk, IndieRock und Emo ... wieder mal eine abwechslungsreiche Mischung.
Da gibt's auch haufenweise gute Bands, angefangen von den eh schon bekannten Los Fastidios, die ich bereits gespielt habe. Großartigen Skapunk spielen Persiana Jones aus Turin, während die Atarassia Gröp die Vermengung von Ska und Oi! macht, die offensichtlich im nördlichen Italien beliebt ist.
Antifaschistische Skinheads finde ich gut, und in Italien gibt's da wohl viele – ich spielte aus dem Grund viele Bands, die auf Mad Butcher Records erschienen sind. Das Label publiziert solche Bands gerne, und die meisten davon kann man sich gut anhören. Dazu zählen Arpioni aus Bergamo, die schönen traditionellen Ska spielen. Oder Talco, bei denen's glatt noch einen Spritzer gibt.
Eher kommerziellen Punkrock spielen die Criminal Jokers oder auch Carryall – das kann man sich gut anhören, aber es klingt doch ein bisschen weichgespült. In die ENPUNKT-Sendung im Freien Radio Karlsruhe passten beide Bands. Und dann noch Mquestionmark mit ihrer Mixtur aus Elektro und Punk, IndieRock und Emo ... wieder mal eine abwechslungsreiche Mischung.
05 September 2010
Bierbörse und Folgen
Es war vielleicht ein Fehler, am Freitag abend, 3. September, nach einem langen Arbeitstag (zuerst im Büro, dann daheim) noch auszugehen. Aber die Anrufe auf dem Handy fühlten sich drängend an, das Bier lockte, und es schien eine halbwegs erträgliche Außentemperatur zu sein.
Also schnappte ich mir mein Rad und mein Ausgeh-Jackett und düste zum Karlsruher Schloss – die Bierbörse wartete. Als ich eintraf, tummelten sich schon viele Leute dort, geschätzt 80 bis 90 Prozent Männer, geschätzt 70 Prozent besoffen. Großartige Kulisse ... aber alles sehr lautstark und zugleich friedlich.
Wir tranken einige Biere, wir redeten viel dummes Zeugs, und wir saßen an einem Biertisch, bis uns die Security-Leute freundlich zu verstehen gaben, dass wir endlich verschwinden sollten. (»Wir haben's euch doch schon vor einer Stunde gesagt, dass Schluss ist. Ihr seid die letzten.«)
Am Samstag ging's mir schlecht. So richtig. Kopfschmerzen und Übelkeit. Dabei hatte ich nicht so viel getrunken, nur einige Biere, die aber durcheinander. Ich fürchte, dass ich mit dem Medium Bier nicht mehr so viel anfangen kann.
Immerhin schmeckte der Wein am Samstag abend. Ganz muss ich die Hoffnung also doch nicht aufgeben ...
Also schnappte ich mir mein Rad und mein Ausgeh-Jackett und düste zum Karlsruher Schloss – die Bierbörse wartete. Als ich eintraf, tummelten sich schon viele Leute dort, geschätzt 80 bis 90 Prozent Männer, geschätzt 70 Prozent besoffen. Großartige Kulisse ... aber alles sehr lautstark und zugleich friedlich.
Wir tranken einige Biere, wir redeten viel dummes Zeugs, und wir saßen an einem Biertisch, bis uns die Security-Leute freundlich zu verstehen gaben, dass wir endlich verschwinden sollten. (»Wir haben's euch doch schon vor einer Stunde gesagt, dass Schluss ist. Ihr seid die letzten.«)
Am Samstag ging's mir schlecht. So richtig. Kopfschmerzen und Übelkeit. Dabei hatte ich nicht so viel getrunken, nur einige Biere, die aber durcheinander. Ich fürchte, dass ich mit dem Medium Bier nicht mehr so viel anfangen kann.
Immerhin schmeckte der Wein am Samstag abend. Ganz muss ich die Hoffnung also doch nicht aufgeben ...
03 September 2010
Carmen und ihre Sängerknaben
Die Arena in Verona ist richtig alt, fast zweitausend Jahre. Und ich habe sie am Freitag, 27. August 2010, zum wiederholten Mal besucht. Allerdings zum ersten Mal während einer Vorstellung.
Die hatte es in sich: Es wurde die Oper »Carmen« gegeben. Jetzt kann man mir alles vorwerfen, aber nicht, dass ich ein Fan von Opern wäre. Trotzdem hielt ich es gut dreieinhalb Stunden auf steinernen Stufen aus, dankenswerterweise mit einem Kissen unter dem Popo und ein bisschen Rotwein versorgt.
Es war schlicht beeindruckend. Die Sänger hatten keine Mikrofone, die Instrumente keine Verstärkung. Dennoch war alles in der gigantischen Arena zu hören, Tausende von Leuten saßen da und ließen sich beschallen.
Was auf der Bühne geboten wurde, war auch jenseits der Musik eindrucksvoll. Dutzende von Sängern, die als Soldaten und Schmuggler, Zigeuner und Marktfrauen und was auch immer verkleidet waren, stolzierten über die Bühne, dazwischen ritt man sogar mit einem Pferd durch das Gelände.
Für die einzelnen Akte wurde aufwendig umgebaut. Vom Marktplatz zur Schmugglerkneipe zum Versteck im Gebirge zur Zirkusarena – jedesmal ein anderes Bild, jedesmal eine andere Kulisse.
Ob die Musik gut gespielt war oder die Sängerleistungen überzeugten, kann ich nicht beurteilen. Die Sachverständigen im Publikum klatschten Beifall und schrien häufig ein »Bravo« durch die Arena – es schien gut gewesen zu sein.
Und als wir später noch einen Wein in einer Kneipe am Rand der Arena tranken, kam eine der Sängerin vorbei, und die Leute standen teilweise auf und spendeten ihr nochmals Beifall. War schon irgendwie cool ...
Die hatte es in sich: Es wurde die Oper »Carmen« gegeben. Jetzt kann man mir alles vorwerfen, aber nicht, dass ich ein Fan von Opern wäre. Trotzdem hielt ich es gut dreieinhalb Stunden auf steinernen Stufen aus, dankenswerterweise mit einem Kissen unter dem Popo und ein bisschen Rotwein versorgt.
Es war schlicht beeindruckend. Die Sänger hatten keine Mikrofone, die Instrumente keine Verstärkung. Dennoch war alles in der gigantischen Arena zu hören, Tausende von Leuten saßen da und ließen sich beschallen.
Was auf der Bühne geboten wurde, war auch jenseits der Musik eindrucksvoll. Dutzende von Sängern, die als Soldaten und Schmuggler, Zigeuner und Marktfrauen und was auch immer verkleidet waren, stolzierten über die Bühne, dazwischen ritt man sogar mit einem Pferd durch das Gelände.
Für die einzelnen Akte wurde aufwendig umgebaut. Vom Marktplatz zur Schmugglerkneipe zum Versteck im Gebirge zur Zirkusarena – jedesmal ein anderes Bild, jedesmal eine andere Kulisse.
Ob die Musik gut gespielt war oder die Sängerleistungen überzeugten, kann ich nicht beurteilen. Die Sachverständigen im Publikum klatschten Beifall und schrien häufig ein »Bravo« durch die Arena – es schien gut gewesen zu sein.
Und als wir später noch einen Wein in einer Kneipe am Rand der Arena tranken, kam eine der Sängerin vorbei, und die Leute standen teilweise auf und spendeten ihr nochmals Beifall. War schon irgendwie cool ...
Destiny Program machen fiesen MetalCore
Eigentlich mag ich keinen Metal, nicht einmal dann, wenn er sich als Hardcore tarnt. Da macht die Band Destiny Program aus Husum keine Ausnahme. Doch nachdem ich mir die aktuelle CD »Gathas« zweimal angehört hatte, gefiel wie mir doch ganz gut: Das ist wütender Brüllaffen-Gesang mit wuchtiger Gitarre, schwer wummerndem Bass und knalligem Schlagzeug, da stimmt musikalisch alles.
In den Stücken steckt brutal viel Wut und Hass, schlechte Laune und Energie – das machen die ziemlich gut. Textlich macht das ganze einen guten Eindruck: Es sind eher Hardcore- und weniger Metal-Aussagen, was mir gefällt.
Fan dieser Band werde ich nicht werden, dazu ist mir der Punkrock-Aspekt zu gering. Aber ich ziehe den Hut vor der Energie, mit der die Burschen ans Werk gehen: Das knallt gut. Und ich bin sicher, dass ich mir die CD demnächst mal auf der Autobahn zu Gemüte führen werden ... wenn's mal schnell gehen soll ...
In den Stücken steckt brutal viel Wut und Hass, schlechte Laune und Energie – das machen die ziemlich gut. Textlich macht das ganze einen guten Eindruck: Es sind eher Hardcore- und weniger Metal-Aussagen, was mir gefällt.
Fan dieser Band werde ich nicht werden, dazu ist mir der Punkrock-Aspekt zu gering. Aber ich ziehe den Hut vor der Energie, mit der die Burschen ans Werk gehen: Das knallt gut. Und ich bin sicher, dass ich mir die CD demnächst mal auf der Autobahn zu Gemüte führen werden ... wenn's mal schnell gehen soll ...
02 September 2010
Supersüß und superlecker
Italien-Kurztrip im August 2010
Falls es mich jemals wieder an den Gardasee verschlagen wird, werde ich dort auf jeden Fall nach Salò fahren. Die Stadt liegt superschön am See, und als wir am Montag, 30. August, durch ihre Straßen und Gassen bummelten, herrschten angenehme Temperaturen.
Wir steuerten die Pasticcerie Vassali an, die in der Via San Carlo liegt, einer schmalen Straße, die im Prinzip entlang des Seeufers führt und in der sich die Geschäfte aneinander reihen. Die Konditorei – um es auf gut deutsch zu sagen, ha! – sieht von außen sehr spießig aus, ein echtes »Oma-Café« also, in dem sich entsprechendes Publikum herumtreibt.
Man kann innen sitzen und Kaffee und Kuchen konsumieren, man kann sich aber auch auf der Straße an einen Tisch setzen. Wer mag, guckt sich die edle Weinhandlung im hinteren Raum ein. Oder er macht es wie wir: Man stelle sich an die Theke, bestaune die unglaublichen Leckereien, die es dort gibt, und freue sich eine Weile daran – dann kauft man nach einiger Zeit ein.
Wir fragten nicht nach dem Preis, zu verhandeln gab es mangels Sprachkenntnissen eh nicht viel. Aber wir kauften haufenweise »Kleingebäck« und Kuchenkram, das wir in den Stunden und Tagen danach mit wachsender Begeisterung verspeisten.
Italienische »Dolci« sind einfach lecker – und bei Vassalli in Salò schmecken sie besonders gut!
Falls es mich jemals wieder an den Gardasee verschlagen wird, werde ich dort auf jeden Fall nach Salò fahren. Die Stadt liegt superschön am See, und als wir am Montag, 30. August, durch ihre Straßen und Gassen bummelten, herrschten angenehme Temperaturen.
Wir steuerten die Pasticcerie Vassali an, die in der Via San Carlo liegt, einer schmalen Straße, die im Prinzip entlang des Seeufers führt und in der sich die Geschäfte aneinander reihen. Die Konditorei – um es auf gut deutsch zu sagen, ha! – sieht von außen sehr spießig aus, ein echtes »Oma-Café« also, in dem sich entsprechendes Publikum herumtreibt.
Man kann innen sitzen und Kaffee und Kuchen konsumieren, man kann sich aber auch auf der Straße an einen Tisch setzen. Wer mag, guckt sich die edle Weinhandlung im hinteren Raum ein. Oder er macht es wie wir: Man stelle sich an die Theke, bestaune die unglaublichen Leckereien, die es dort gibt, und freue sich eine Weile daran – dann kauft man nach einiger Zeit ein.
Wir fragten nicht nach dem Preis, zu verhandeln gab es mangels Sprachkenntnissen eh nicht viel. Aber wir kauften haufenweise »Kleingebäck« und Kuchenkram, das wir in den Stunden und Tagen danach mit wachsender Begeisterung verspeisten.
Italienische »Dolci« sind einfach lecker – und bei Vassalli in Salò schmecken sie besonders gut!
01 September 2010
»Magira 2010« mit Story von mir

Die aktuelle Ausgabe 2010 von »Magira - Jahrbuch zur Fantasy« ist dieser Tage bei mir eingetrudelt. Das Buch sieht richtig stark aus, und ich bin stolz darauf, mit einem Text darin veröffentlicht worden zu sein.
Die Erzählung heißt »Am Meer der Blitze« und hat meinen »Helden« Ghazir und seinen getreuen Diener Raimund Riemenschneider als Hauptfiguren. Wenn ich's mir genau überlege, sind sie auch die einzigen beiden Figuren in der Geschichte.
Auf Kritiken warte ich gespannt. Wahrscheinlich wird man den Text als »heftromanig« bezeichnen ... Das Jahrbuch ist übrigens gut 500 Seiten stark und kostet 15,90 Euro. Es ist über den eigenen Shop lieferbar. Weitere Informationen zum Inhalt sowie den Bestellmöglichkeiten gibt es auf der Homepage des Jahrbuches.
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