26 Februar 2026

Bade-Kunst am Fluss

Aus der Serie »Ein Bild und seine Geschichte«

Als ich 2007 in Singapur unterwegs war, fotografierte ich viel. Vor allem machte ich zahlreiche Bilder von ganz normalen Gebäuden, gewissermaßen als Recherche für den Thriller, an dem ich zu dieser Zeit schrieb und der ja leider nie fertig wurde. Google Street View gab es damals noch nicht, und ich wollte ein möglichst authentisches Bild der asiatischen Metropole in meinem Roman präsentieren. Dazu gehörte auch, dass die Szenerie stimmte.

Wer durch Singapur spaziert oder fährt – die wenigsten Leute spazieren dort, wie ich nicht nur einmal feststellte –, sieht anfangs die großen Gebäude und die Malls, vielleicht auch die Polizei und die moderne Bahn. Aber er oder sie nimmt nicht unbedingt die Details wahr; für die braucht man dann doch ein bisschen Zeit und Muße.

Am Singapore River ging ich mehrfach an einem Kunstwerk vorbei, das mich verblüffte: junge Menschen, die sich anschicken, ins Wasser zu springen – so zumindest wirkt es auf mich. Doch der eine Junge hat den Mund offen, als ob er schreie würde. Es sieht nicht so aus, als hätte er Freude an dem, was er tut. Schreit er vor Angst?

Ich habe es nie erfahren, ich habe auch nie gefragt. Schaue ich mir das Bild heute an, befremdet es mich immer noch.

2 Kommentare:

  1. Peter2:20 AM

    „First Generation” (2000) ist eine beliebte Bronzeskulptur des autodidaktischen singapurischen Bildhauers Chong Fah Cheong (geboren 1946). Sie befindet sich am Singapore River in der Nähe von Boat Quay.
    Die Skulptur zeigt fünf Jungen, die in den Singapore River springen, und feiert die unbeschwerte Seite des Alltags am Fluss in Singapurs Vergangenheit. Es war kein ungewöhnlicher Anblick, Jungen zu sehen, die schwangen und mit Begeisterung ins Wasser sprangen — sie lernten, den schlammigen Tiefen und der Gefahr der vorbeifahrenden Boote auszuweichen, und fürchteten sich nicht vor dem verschmutzten Wasser, das manchmal voller Müll war.
    Als 1983 das Projekt „Clean Rivers” ins Leben gerufen wurde, wurden Familien, Händler und Boote aus dem Gebiet entfernt — und das unschuldige Lachen der schwimmenden Jungen war nicht mehr zu hören. Die Skulptur ist im Wesentlichen eine nostalgische Hommage an dieses verlorene Kapitel kindlicher Freiheit — Kinder, die einfach Kinder sein durften, bevor Singapur alles aufgeräumt hat.
    Chong Fah Cheong gilt als einer der Pioniere unter Singapurs Bildhauern und wurde 2014 mit der Cultural Medallion ausgezeichnet — Singapurs höchster Kunstauszeichnung. Er ist gewissermaßen der Schutzpatron der bronzenen Flussnostalgie. Die Skulptur ist inzwischen einer der meistfotografierten Orte am Fluss — und es ist leicht zu verstehen, warum: Diese in der Luft eingefrorenen Figuren strahlen eine unglaubliche Lebendigkeit und Bewegung aus.​​​​​​​​​​​​​​​​

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  2. Danke, Peter, für die sehr schöne Ergänzung. Die Skulptur gibt es also erst seit 2000; als ich 1998 zum ersten Mal in der Stadt war, fiel sie mir nicht auf – das erklärt das jetzt.

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