31 Oktober 2009

Immerhin schmutzige Finger

Als wir den Film hinter uns hatten und im Freien standen, drückte sich jeder - so hatte ich den Eindruck - um eine klare Beurteilung. »Ganz scheiße war er nicht«, sagte dann jemand in der Runde. Kein schlechtes Fazit für »Die Päpstin«, den ich mir dieser Tage anschaute.

Immerhin hatte der Historienstreifen ein gewisses Star-Aufgebot: Johanna Wokalek (die ich ja sau-hübsch finde) spielte das aus der Pfalz stammende Mädchen Johanna, das sich als Johannes aus dem Elend der Frauen im frühen Mittelalter dadurch befreien kann, daß es bis nach Rom und dort irgendwann auf den Thron des Papstes kommt. Das ganze ist höchst dramatisch bebildert, es gibt Gemetzel und eine Vergewaltigung, viel christliches Gerede und eine lange Liebesgeschichte.

Das ganze läuft dann doch recht spannungsarm ab. Auch wer - wie ich - das Buch nie gelesen hat, kann sich in etwa vorstellen, was passieren wird. Von daher gibt es keine ungewöhnlichen Wendungen, sondern höchstens so Fragen wie »was passiert mit Johanna, wenn die Wikinger angreifen?« und dergleichen. Unterm Strich ist das nicht sehr befriedigend.

Dafür ist der Film schön bebildert; vieles ist unterm Strich recht glaubhaft. Am besten fand ich, daß die Helden vor allem am Anfang ständig schmutzig sind. Auch Frau Wokalek als die Heldin hat dreckige Fingernägel und ein verschmiertes Gesicht; so viel Realitätsnähe sieht man normalerweise weder in Historien- noch in Fantasy-Streifen.

Unterm Strich ein Streifen, den man im Fernsehen sicher nicht mit Genuß gucken kann: Da fällt die Langeweile zu sehr ins Gewicht. Im Kino machen die großen Bilder teilweise richtig Eindruck, und das hielt mich gut bei der Stange. Ich unterhielt mich also gut, und das ist für so einen Mittwoch abend nicht das dümmste.

30 Oktober 2009

Power und Energie

Als ich am Donnerstag, 29. Oktober 2009, in die »Alte Hackerei« kam, hatte ich bereits die erste Band verpasst: Biestig, die Lokalmatadorinnen aus Karlsruhe, die ich unlängst ja erst in diesem Blog abgefeiert habe. Nun denn, also verbrachte ich viel Zeit damit, alte Bekannte zu begrüßen, die an diesem Abend sogar aus Stuttgart und anderen auswärtigen Regionen angereist waren.

La Fraction sollten spielen, und die Sängerin entschuldigte sich gleich zu Beginn des Konzerts dafür, daß sie keinen Ton rausbringe. Deshalb würde es nur ein kurzes Konzert werden. Wie ich hinterher erfuhr, gab es einen profanen Grund für den Stimmausfall: Das Konzert am Vorabend in Zürich war bis in die frühen Morgenstunden nachgefeiert worden ...

Keine Gehässigkeit an dieser Stelle; die Band war klasse. Ich hatte sie in früheren Jahren in Stuttgart im Fasanenhof und in Karlsruhe in der Ex-Steffi gesehen, und jedesmal hatten sie mich begeistert. Auch in Karlsruhe rockten die zwei Frauen und zwei Männer, daß mir vor Freude der Mund offenstehen blieb.

Wobei man fairerweise sagen muß, daß die Band ohne die Sängerin sicher gut wäre, aber eben nicht so durchschlagend. Ein T-Shirt mit der Aufschrift »Kill«, eine schwarze Jeans und schwarze Stiefel, dazu diese hammerharte Stimme, die »richtig singen« kann - das war einfach klasse.

Und sie schaffte es tatsächlich, gut eine Dreiviertelstunde lang durchzuhalten und ein Stück nach dem anderen in das frenetisch jubelnde Volk zu pfeffern. Danach stand ich noch ewig lang herum, laberte mit den zahlreichen Bekannten und trank ein bißchen Bier. Wunderbarer Konzertabend!

Wer übrigens mal reinhören will, was die Band so macht, dem empfehle die Seite des deutschen Labels, wo La Fraction rauskommt, und dort das coole Stück »tu le sais«.

29 Oktober 2009

Badische Geschichten

Ich tu' mich ein wenig schwer damit, eine Anthologie vorzustellen oder zu besprechen, an der ich beteiligt bin und war. Ich meine damit »Phantastischer Oberrhein«, eine Geschichtensammlung, die Jörg Weigand zusammengestellt hat und in der ich mit einer Story vertreten bin. Darüber schrieb ich schon mal, jetzt habe ich das Buch endlich gelesen.

Das Problem ist nämlich: Manche Texte gefallen mir gut, manche weniger, und allen hätte eine gründliche Überarbeitung gut getan. Das geht leider los bei vermeidbaren Rechtschreib- und Grammatikfehlern und endet nicht bei mancherlei nicht geglückten Story-Entwicklungen.

Dabei ist die Idee der Anthologie eine gute: Man nehme Autoren aus der Region und lasse sie Geschichten mit phantastischem Inhalt erzählen – was dabei herauskommt, veröffentlicht man in einem Verlag, in diesem Fall bei Schillinger in Freiburg. Das Hardcover ist dann 186 Seiten stark und sieht echt gut aus.

Mit Manfred Borchard und Helmut Ehls sind Autoren vertreten, die in den späten 70er Jahren das Freiburger Fanzine PHALANX herausgeben, mit Frank Borsch und mir sind Leute drin, die mittlerweile eher auf das PERRY RHODAN-Umfeld bezogen werden, und dazu kommen Karla und Jörg Weigand oder die schon in den 80er Jahren aktiven Fans Rainer Schorm und Markus Kastenholz.

Das ist echt eine gelungene Mischung, bei der ich nur schade finde, daß sie nicht hundertprozentig zündet. Eine Kaufempfehlung spreche ich natürlich dennoch aus, weil ich Anthologien mit deutschsprachigen Autoren generell unterstützenswert finde und das Buch unterm Strich ja einen guten Eindruck hinterläßt.

28 Oktober 2009

Fotografien gesammelt und präsentiert

Ich kenne die Kollegin vom Radio her: Immer wenn ich meine Punkrock-Sendung im freien Radio Querfunk in Karlsruhe mache, kommt hinterher der »Jazz zur Nacht«. Verantwortlich dafür ist Katharina Lohmann, die mit einer ziemlich frechen Schnauze die Musik so präsentiert, daß ich schon oftmals aus purem Interesse wegen der Moderation stehenblieb und einen Teil ihrer Sendung anhörte.

Seitdem weiß ich, daß Jazz nicht nur was für alternde Männer mit Halbglatze, Tweed-Jacke und schlechtem Bart ist.

Daß die Kollegin auch fotografiert, hat sie mir zwar irgendwann mal gesagt. Aber wie das in solchen Fällen so ist: Ich habe die Information vergessen. Das kleine Hirn kann nicht alles fassen.

Dafür gibt es ja jetzt Internet: Ich habe den Link zu ihrer Homepage erhalten, und die will ich hier empfehlen. Die Leser dieses Blogs sind sicher nicht unbedingt die Zielgruppe – aber die Frau kann saugut fotografieren, und das zeigt ihre Homepage sehr schön.

Natürlich gibt es klassische Fotos von Jazz-Musikern zu sehen, das bietet sich ja an; alles in schönem Schwarzweiß. Dazu kommen aber Gesichter, Körper und Körperteile (inklusive Schwänzen, also nix für moralisch verschüchterte Menschen), diverse Szenen (quasi ausm Leben gegriffen) und rein künstlerische Aufnahmen. Es macht Spaß, sich durch die Seite zu klicken – eine respektable Zusammenstellung!

27 Oktober 2009

Biestig als Punkrock-Hoffnung


Ich weiß nicht, wie oft ich in den letzten zwei Jahren die Band Biestig aus Karlsruhe gesehen habe. Meist spielten die zwei Mädchen (angesichts des Alters ist der Begriff noch völlig angemessen) als Vorgruppe vor Bands wie Bambix – und errangen dabei längst mehr als nur Achtungserfolge.

Jetzt gibt's mit »Nebenan« den ersten offiziellen Tonträger (das Demo, das 2008 rauskam, habe ich irgendwie zu kaufen vergessen), für den Rookie Records verantwortlich ist. Die LP habe ich noch nicht in den Händen gehalten, werde ich mir aber noch kaufen; die CD sieht aber schon mal gut aus. Und sie steckt seit Wochen im CD-Fach meines Büro-Computers und läuft hier ziemlich oft. Weil sie einfach gut ist.

Musikalisch ist es schon Punkrock, wenngleich auf Schlagzeug und Gitarre sowie Gesang »beschränkt«; ich vermisse bei den Stücken aber keinen Bass oder irgendwie aufgemotztes Zeug. Die Melodien stimmen, es ist stets ein Stück »Rotzigkeit« enthalten, auch in den Stücken, in denen es poppig zugeht, die eher »plänkeln« und nicht unbedingt heftig losrocken. Manchmal drängt sich bei mir glatt ein Vergleich zu Hans-A-Plast auf; wobei Biestig-Sängerin Jule die bessere Stimme hat.

Inhaltlich spielen Teenagerthemen und Liebesleid eine große Rolle; bei »I Hate You« wird sogar gebrüllt. Texte wie »Null Bock« oder »Warum sich erst verstehen« greifen aktuelle persönliche Themen auf, während auf politische Inhalte oder irgendwelche Parolen verzichtet wird.

Insgesamt eine überdurchschnittliche Platte, die ich mit Lob überschütten kann, ohne eine Sekunde lang irritiert zu sein. Rundum sympathisch und gelungen.

26 Oktober 2009

Trommeln in der Scheune

Unter der Band Palitos konnte ich mir nicht viel vorstellen; ich kannte nur einen der vier Bandmitglieder, und so entschlossen wir uns, auf »Rhythmen aus Brasilien, Lateinamerika und Westafrika« einzulassen. Das ganze fand in Ettlingen statt, in einer örtlichkeit, die sich »Kultur in der Scheune« nannte und zum Diakonischen Werk gehörte.

Ich fand das Publikum ein wenig langweilig: ein paar Dutzend Leute, die an Tischen saßen und die sehr brav aussahen. Dafür war die Band umso besser: eine Frau und drei Männer in weißen Anzügen, die hinter einer Unzahl von Trommeln und anderen Schlaginstrumenten standen.

Und dann taten sie das, was im Programm angekündigt war: Sie trommelten Rhythmen aus Afrika und Lateinamerika, was jetzt vielleicht nicht besonders ausgefallen klingt, live aber echt Spaß machte. Abwechslungsreich war's, schnell zeitweise, und originelle Instrumente gab's zuhauf zu bewundern.

Dazu kam die Moderation – oder wie immer ich das nennen soll – der coolen Frau in der Band, die in teilweise breitem Schwäbisch die einzelnen Stücke erklärte. Ich hatte vorher nicht gewußt, wie abwechslungsreich das Trommeln sein kann.

Alles in allem ein Kultur-Abend, und zwar einer, der richtig Spaß machte. Das muß ich nicht oft haben, aber ab und zu empfinde ich das als echte Bereicherung.

25 Oktober 2009

Bierbeben und Schnapsgespritze

Eigentlich wollte ich am Freitag, 23. Oktober 2009, mal wieder nach Mannheim fahren; dort stand ein Punk-Konzert mit mehreren Bands auf dem Programm, und es hätte mich inhaltlich gereizt. Aber irgendwie übermannte mich an diesem Abend nach einer anstrengenden Arbeitswoche die Faulheit, und bis ich mich endlich aufraffte, war es für Mannheim zu spät.

Ich radelte in die Oststadt, mal wieder in die »Alte Hackerei«. Dort stand Elektropunk mit Bands wie Bierbeben auf dem Programm. Das zeigte sich prompt auch daran, daß das Publikum weitaus jünger wirkte als sonst: Viele Leute um die zwanzig waren da – fand ich gut.

Von den Bands bekam ich nicht so viel mit: Ich strandete mit Bier im Vorraum, wo ich an der kleinen Theke stand, weiter Bier trank und viel redete. Elektro-Gewummer und schräges Gesinge hörte ich, zuordnen konnte ich nicht viel.

Später bollerte abwechslungsreiche Musik aus den Boxen: Wave der 80er Jahre, Deutschpunk, Hardcore, ein bisschen Metal und viel Punkrock. Es wurde tatsächlich getanzt, ich trank weiter Bier, und irgendwann wurde Schnaps spendiert.

Gegen drei Uhr nachts fuhr ich nach Hause. In solchen Nächten entwickelt mein Fahrrad, so glaube ich langsam, ein eigenes Bewußtsein mit Beschützer-Instinkt ...

24 Oktober 2009

Vergangenheitsblick auf Squandered Message

Ab Mitte der 80er Jahre setzte sich in Berlin immer mehr der Hardcore-Punk durch, zumindest musikalisch. Zu einer der beliebtesten Bands gehörten damals Squandered Message, die ich Ende der 80er Jahre auch einmal in Waiblingen live zu Gesicht bekam. Es war ein rasant gespieltes Konzert, bei dem schlacksige Jungmänner in zu kurzen Hosen, Turnschuhen und zerfetzten T-Shirts sowie mit langen struppigen Haare, die von Stirnbändern gebändigt wurden, über die Bühne tobten.

Das merkt man auch an der Platte »Getting Blunt«, die im Jahr 2009 schon ziemlich unmodern klingt, die aber 1987 – als sie erschien – den aktuellen Stand im amerikanisch beeinflussten Hardcore markierte. Für mich war's damals ganz schön metallisch und trashig; die Töne splittern geradezu aus den Lautsprechern, und alles klang schnell und hektisch.

Inhaltlich distanzierte sich die Band aber immer vom Metal und setzte sich in ihren englischen Texten sowohl mit aktueller Politik (»Fourth Reich«) als auch mit der Szene (»Linus von Skateboard«) auseinander. Wie international die Hardcore-Szene schon zu jener Zeit aufgestellt war, zeigt sich übrigens daran, dass die Platte in Holland aufgenommen wurde.

»Getting Blunt« ist keine von den Platten, die man haben muss. Aber sie ist ein Zeitdokument, anders kann ich's nicht nennen, das ein Schlaglicht aufs Jahr 1987 wirft.

23 Oktober 2009

Comic-Vortrag zum Anschauen


Unter dem Titel »Faszination PERRY RHODAN: die Comics zur erfolgreichsten Science-Fiction-Serie der Welt« gab es auf der Frankfurter Buchmesse einen Vortrag, der am Freitag nachmittag im Comic-Zentrum stattfand. Selbstverständlich war das schon wieder eine Gelegenheit für mich, meinen schon elf Jahre alten Anzug und eine Krawatte spazierenzutragen.

Kai Hirdt von der Alligator-Farm (übrigens eine Gründung von Karl Nagel), verantwortlich für die neuen PERRY-Comics, und ich sprachen über die bisherigen Versuche, die größte SF-Serie der Welt in die Welt des Comics zu überführen. Ich gab mir redlich Mühe, gelegentlich ein wenig witzig zu sein, habe aber nicht die geringste Ahnung, ob das klappte: Der Lärmpegel, der von hinten auf mich eindrang, war so hoch, daß ich meine eigene Stimme zeitweise kaum hörte.

Insgesamt waren wohl manche Comic- und Perry Leser recht unglücklich, daß der Vortrag am Freitag war – also an einem der Fachbesuchertage, wo normales Publikum nicht so leicht in die Messe kommt. Aus diesem Grund kann nun bei splashpages.de der komplette Vortrag angeschaut werden. Insgesamt ist das eine halbe Stunde - auch mal nett.

22 Oktober 2009

Rollenspiel-Heft auf hohem Niveau

In edler Bescheidenheit schreibt der Herausgeber in seinem Vorwort: »Wir sind kein professioneller Verlag.« Gemeint ist der Verlag, der die famose Zeitschrift Mephisto herausgibt. Von der trudelte dieser Tage die Nummer 46 ein; offiziell müßte sie in den nächsten Tagen erscheinen.

Dabei ist jegliche falsche Bescheidenheit hier fehl am Platz: Das Magazin hat sich im Verlauf der letzten Jahre richtig gut entwickelt und gehört längst zu den erfreulichsten Erscheinungen im Bereich der Science Fiction und Fantasy. Okay, Rollenspiele stehen hier hoch im Kurs, aber es gibt dennoch ausreichend Buchbesprechungen und Autoren-Interviews (diesmal mit Heide Solveig Göttner und Alexander Lohmann), so daß auch Leute wie ich auf ihre Kosten kommen.

Das ganze wird mit einem professionellen Layout garniert, in dem es keine Peinlichkeiten zu bewundern gibt, sondern immer wieder schöne Grafiken den Text auflockern; größtenteils exklusiv fürs Magazin gemacht. Natürlich gehen Spielberichte und Rollenspiel-Szenarien vor, aber wenn die so ansprechend gemacht sind wie hier, liest man die selbst als Nicht-Spieler gern.

Und nach einem entsprechenden Artikel weiß ich jetzt besser über die legendäre Schlacht von Agincourt im Jahr 1415 Bescheid. Soll keiner sagen, daß Lesen und Spielen nicht bilden.

Alles in allem empfinde ich die 84 Seiten im A4-Format als ziemlich klasse. Das Ding kostet 5,95 Euro, man sollte es in jedem guten Spieleladen erhalten. Ansonsten eben direkt über den Verlag. Wer sich für phantastische Genres und die begleitenden Spiele interessiert, kann da getrost mal einen Blick reinwerfen.

Breschdleng – soll wohl witzig sein

Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit, bis irgend jemand auf die naheliegende Idee kommen würde. Wir nehmen Hardcore und mixen das mit – jajajajaja, das ist soooooo luschdig! – schwäbischen Texten. Mit Spätzledreck gibt's ja auch schon eine Band, die schwäbischen Dialekt mit Deutschpunk mischt, das ganze aber ironisch meint.

Bei Breschdleng, was auf gut deutsch so viel wie »Erdbeere« heißt, scheint das ganze ernst gemeint zu sein. Zumindest behauptet man im Info, ernsthafte Texte zu haben. Musikalisch ist das ganze ein stumpfer Mix aus 90er-Jahre-Crossover-Grütze, Numetal und metallischem Hardcore.

Wer schon immer mal superlustigen Hardcore hören wollte, ist hier richtig. Ich fürchte, man wird mich für einen humorlosen alten Deppen halten. Aber da muß ich durch: Bei so einem Scheiß muß ich kotzen.

21 Oktober 2009

Süßer Marzipan in den Buchläden

»Welche Literatur in den Ladenregalen steht und beworben wird, das liegt immer seltener in der Hand der Verlage.« Mit diesem Satz beginnt ein durchaus lesenswerter Artikel der »Süddeutschen Zeitung«, dessen Lektüre ich nur empfehlen kann.

Er zeigt in eindrucksvoller Art und Weise, wie sehr eine Buchhandlungskette wie die »Thalia« immer stärkeren Einfluß auf den Buchhandel gewinnt. In Karlsruhe kann ich mich davon selbst überzeugen: Der »Buch-Kaiser«, ehemals meine Lieblingsbuchhandlung, ist so gut wie weg.

Ich kann also jetzt in die normalen Buchhandlungen gehen, wo ich auf teilweise sehr versnobt wirkende Händler stoße, die sich wundern, wenn unsereins Trivialliteratur kauft, oder ich gehe gleich zur »Thalia«. Zumindest die Auswahl an Bestsellern ist da riesig ...

Daß die Branche an ihrem Niedergang zumindest teilweis selbst schuld ist, belegt unabsichtlich der vorliegende Artikel. Wer allen Ernstes davon ausgeht, man müsste als ein »in der Literaturbranche tätiger« Namen wie Hans Henny Jahnn und Warlam Schalamow kennen (ich habe die noch nie gehört, ähm), steht zumindest auf einem sehr großen Podest.

Mein liebster Vergleich in dem Artikel ist allerdings der, wenn Paulo Coelho mit »süßestem Marzipan« verglichen wird. Schöner hätte ich es selbst nie sagen können. Manchmal sind die intellektuellen Feuilleton-Redakteure doch für einen guten Vergleich zu haben.

20 Oktober 2009

Mein Messe-Highlight


Sicher werde ich dazu noch einen ausführlichen Text schreiben - hier und an dieser Stelle möchte ich mich nur öffentlich über das Foto freuen: Ich in Schlips und Anzug am Stand der »tageszeitung«. So muß das sein!

Am Stand der »taz« bekam die PERRY RHODAN-Serie am Samstag auf der Buchmesse den Preis für den diesjährigen Wahrheit-Unterbring-Wettbewerb verliehen. Unter der reizenden Überschrift »Perry und Pingpong« berichtete das Blatt über den famosen Preis, den ich in Empfang nehmen konnte.

Das Bizarre dabei waren die Medienvertreter. Nicht nur ein Fotograf der »taz« war anwesend, sondern auch ein Kamerateam, das derzeit an einer Dokumentation über die PERRY RHODAN-Serie arbeitet. Alles in allem ein ungewohntes Gefühl und zugleich eine amüsante Auszeichnung, über die ich mich sehr freute.

19 Oktober 2009

Bestes Messe-Fanzine

Jeden Tag gab es auf der Frankfurter Buchmesse ein spezielles Fanzine. Das hieß natürlich nicht so, sondern nannte sich »Frankfurter Allgemeine - Zeitung zur Buchmesse«, wurde von der FAZ-Redaktion herausgegeben und gratis verteilt.

Wann immer ich die Chance hatte, holte ich mir eine von den Ausgaben, nahm sie nach Hause und las sie dort durch; auf der Messe selbst fehlten Zeit und Muße. Und die Lektüre lohnte sich auf jeden Fall.

Was die FAZ-Kollegen machten, war eine typische Fanzine-Mischung: Party- statt Konzertberichte, viele Fotos (nur eben von Autoren und Verlagsmenschen und nicht von Bands), einige längere Texte und Interviews, viel Tratsch und Klatsch. Das ganze wurde sehr humorvoll und mit einem fetten Augenzwinkern präsentiert - so eine Mischung aus Plastic Bomb und Entkettet also und das für eine andere Szene.

Ich genoß die Lektüre sehr, stecke die Exemplare allerdings trotzdem nicht in die Fanzine-Sammlung, sondern in den Papierkorb. Man verzeihe mir, aber es ist dann eben doch »nur« eine Zeitung. Die FAZ hat sich für mich damit aber endgültig aus der Klischee-Falle konservative Männer befreit ...

17 Oktober 2009

Drängel-Experten

Im Verlauf einer solchen Buchmesse entwickle ich Instinkte, die sind geradezu atavistisch. Ich werde vor allem immer besser damit, mich buchstäblich durch die Menge zu drängeln.

Rechts mal einen schlendernden Studienrat mit dem Ellbogen touchiert, links mal durch eine Gruppe kichernder Manga-Mädels gedrückt; das ist schweißtreibend und anstrengend, und ich überlege mir, das als Olympische Disziplin voranzutreiben. Auch nicht besser als Bungee-Springen oder dergleichen; der Adrenalin-Kick ist ja da.

Wobei mich manche Leute toppen, und zwar locker: Wer es schafft, einen Kinderwagen durch dieses Getümmel zu schieben (die armen Kinder), oder wer allen Ernstes einen Rollkoffer hinter sich herzieht, hat ein Herz für schweißtreibende Aktionen. Sportlich und nervig zugleich.

Ein Bierlein zu viel

Gibt man mir einmal die Chance, auf der Buchmesse nicht mit dem Firmenwagen, sondern per Taxi unterwegs zu sein, nutze ich das gleich aus. So auch gestern: Galaktisches Forum war, sprich, die von uns veranstaltete Party für Autoren, Übersetzer, Zeichner und Verlagsleute aus den Bereichen Science Fiction, Fantasy und ein bisschen Horror, dazu Freunde und Bekannte aus anderen Verlagsbereichen oder aus »verwandten« Firmen wie Hörspiel, Hörbuch, Akademie oder Börsenverein.

Ich startete mit einem Gimlet, was vielleicht ein Fehler war, und sattelte dann recht schnell auf Bier um. Bis ich meine Rede halten konnte, hatte ich schon einige Biere intus; danach bremste ich mich erst einmal.

Ausfällig wurde ich nicht, es gab keinen Grund dazu. Ich unterhielt mich bombig mit einer Runde von populären Schriftsteller-Kollegen (Markus Heitz, Christoph Hardebusch und Bernhard Hennen; allesamt schon auf die SPIEGEL-Bestsellerlisten abonniert), ich freute mich über die Kollegen aus anderen Verlagen, und ich hatte viel Vergnügen dabei, die vielen Gäste zu begrüßen und später auch zu verabschieden.

Spät war's wieder. Nach einem kleinen Absacker im Hotel war's dann halb drei Uhr in der Früh'. Na ja, früher hätten wir bis fünf Uhr weitermacht, aber das mit dem Partyfeiern auf der Buchmesse läßt wohl so langsam nach ...

16 Oktober 2009

Dritter Messetag 2009

Seit heute morgen bin ich praktisch ohne Beschwerden; Xusal blockiert erfolgreich meine Allergie. Na super, und ich dachte, ich stecke mal ausnahmsweise als Seuchenherd auf zwei Beinen die halbe Buchmesse an ...

Nachdem ich gestern abend auf der Autobahn schlechten Deutschpunk ausm Jahr 2009 hören mußte (weil ich dummerweise die falsche CD eingelegt hatte), so daß ich fast auf der Autobahn einschlief, ging ich heute morgen auf Nummer sicher: Die Terrorgruppe geht immer.

Ungelogen: Zu »Hey du kleiner Kalikumpel, wie geht's denn deiner Kalifrau?« rollte ich heute morgen aufs Messegelände. Da fühlt man sich gleich besser, und da stört es mich keinen Millimeter, wenn der Himmel grau und das Wetter beschissen ist.

15 Oktober 2009

Gerotze zum Zweiten

Heute mittag in der Messehalle: Ich verrotzte einen ganzen Termin. Niesanfälle, eine Packung Tempo-Taschentücher aufgebraucht. Was für ein Frust, und das alles ist so unnötig.

Bis ich die Erleuchtung erlange: Das könnte ja alles nur ein fieser Allergieschub sein. Ich fühle mich schließlich fit, und rote Augen sowie Nies-Attacken könnten schlicht auch von der schlechten Luft kommen - unter anderem bin ich gegen Hausstaub und Schimmel allergisch.

Tatsächlich habe ich ein Xusal dabei und schlucke es. Besserung bisher: Fehlanzeige. Aber ich gebe die Hoffnung noch nicht auf ...

Wider die Piraterie

Ein wenig hilflos muten die Versuche an, auf der Buchmesse gegen die Internet-Piraterie zu argumentieren. Auf dem Freigelände stehen Displays im Design der 70er Jahre, über die in großer Flimmerschrift Aussagen von Schriftstellern wie Amelie Fried laufen.

Die Aussagen haben alle einen Tenor: Wer unsere Bücher digital klaut, trägt dazu bei, daß wir pleite gehen. Diese Aussagen sind berechtigt, kein Zweifel, und der Kampf gegen die Internet-Piraterie ist nachvollziehbar.

Ich fürchte aber, daß diejenigen, die Bücher »tauschen«, sprich zum Diebstahl anbieten und klauen, entweder nicht zur Buchmesse kommen und deshalb die Kampagne nicht mitkriegen oder sie gleich antiquiert, altbacken und lächerlich finden. Aber das ganze ist wahrscheinlich eh eine Kunst-Kampagne und von daher anders zu beurteilen.

Die Leute auf der Buchmesse wollen offensichtlich noch Bücher in die Hand nehmen. Man redet über e-Books, es gibt haufenweise Vorträge und Konferenzen dazu, und bei uns ist es auch ein Thema - aber was die Leute vor Ort angucken und anfassen, sind nach wie vor »echte« Bücher.

14 Oktober 2009

Pendeln nach Karlsruhe

Nach einem Tag auf der Frankfurter Buchmesse brummt der Kopf buchstäblich vor lauter Stimmen; man sehnt sich nach frischer Luft. Ich gehe mit dem Auto auf die Autobahn, quäle mich durch den Verkehr rings um Frankfurt und komme erfolgreich auf die A5.

Welcher Horst auf die Idee kam, die A5 ausgerechnet zum Messestart zu einer Baustelle von gut zwanzig Kilometern auszubauen, würde mich mal interessieren. Aber wahrscheinlich ging's nicht anders, weil in Frankfurt ja dauernd Messe ist. Und wer sich durch den stockenden Verkehr quält, hat immerhin einen andauernd schönen Blick auf die dolle Skyline.

Immerhin läßt sich die Rückfahrt gut überstehen, wenn man laute Musik hört. Nur ernüchtert das manchmal: Youth Tribe fand ich 1996 live in Neuss saugut - im Oktober 2009 schlafe ich bei ihrer CD fast ein. Und wer zum Teufel hat mir die Sublime-CD gebrannt und geschenkt und meinte, das müsse mir doch gefallen? Grausige Kiffer-Kacke.

Dann doch lieber die Spermbirds: Alte Männer sind immer wieder überzeugend.

Nebelfahrt

Mittwoch morgen in Nordbaden: Um dem üblichen Baustellen-Stau auf der Autobahn zwischen Karlsruhe und Bruchsal zu entgehen, nehme ich die Landstraße, zuerst B 36, dann B 35, klapot eigentlich immer.

Es klappte auch ganz gut; zwar war viel Verkehr unterwegs, weil ich selbstverständlich nicht der einzige mit dieser famosen Idee war, aber ich kam gut voran. Zwischen Graben-Neudorf und Bruchsal dann der Effekt: Nebel hüllte die Landschaft ein, es herrschten drei Grad plus, und die Sonne stach durch die Wolken.

Ich fuhr auf einer Art Straßendamm, rechts und links von mir ein unendlich erscheinendes Nebelmeer, am Hintergrund jeweils der Wald, der alles einsäumte; darüber der Himmel und eine Sonnee, die gelb flimmerte. Im Auto bolzte Lee Hollis mit Steakknife gerade »Parallel Universe of the Dead« aus den Boxen, und irgendwie schien alles zu passen.

Perfekter Start in die Buchmesse!

13 Oktober 2009

Echt harte Rock-Musik

In der »Heiligen Sophie«, einem Lokal in der westlichen Innenstadt von Karlsruhe, läßt es sich im Keller bei Kerzenschein und dezenter Musik sehr schön sitzen. Das Essen ist neuerdings klasse, die Weinkarte war schon immer gut, und die Atmosphäre hält die Balance zwischen gediegen und trotzdem modern.

Das dachte wohl auch das Paar am Nachbartisch. Beide um die dreißig, er mit weißem Hemd und dunkler Krawatte, sie im dunklen Kostümchen. Sie unterhielten sich in einer Lautstärke, die dazu führte, daß ich am Nebentisch genug mitbekam.

Was sie denn für Musik höre, fragte er. Es klang, als hätten sie ihr erstes Rendezvous. Na immerhin: Sie waren bereits beim »Du«.

»Rock-Musik«, gab sie zur Auskunft.

Da war er glatt verwundert. »So was wie Rammstein?«, fragte er.

»Nein, nicht so hartes Zeugs«, gab sie zurück. Es gäbe bei der Rock-Musik ja viel mehr, es gäbe ja sogar »Pop-Rock«, und sie stünde eher auf die ruhigeren Klänge.

Welche Bands sie denn meinte, fragte er investigativ weiter.

Ihr fielen keine ein. Nach beharrlichem Nachfragen kam sie auf Kings Of Leon, und als er Bon Jovi vorschlug, kannte sie die auch.

Das war der Zeitpunkt, wo ich mich geistig aus dem Lauschen des Gesprächs ausklinkte und mich lieber um meinen Tisch, meinen Wein und meine Tapas kümmerte. War wohl auch besser so.

12 Oktober 2009

Im Unterbring-Wettbewerb

Ich weiß nicht, wann ich zum ersten Mal die »taz« gelesen habe - das schrieb ich unlängst schon mal in diesem Blog. Wenn ich sie heute lese, gucke ich mir die Titelseite an, drehe dann die Zeitung um und lese die letzte Seite zuerst.

Das ist die »Wahrheit«, eine satirische Seite, die mit dem täglichen »tom« einen großartigen Tages-Cartoon hat und bei der es zwischen gelungenem Irrsinn und blödsinnigem Wahnsinn alle möglichen Abstufungen gibt. Oft finde ich es albern, oft muß ich aber auch lachen; hängt wohl von meiner Tagesform ebenso ab wie von der Form der Satiriker.

Seit einiger Zeit veranstaltet die »Wahrheit« den sogenannten Unterbring-Wettbewerb. Da geht's letztlich darum, einen Nonsens-Satz in einer Zeitung oder Zeitschrift unterzubringen. In früheren Jahren gewannen durchaus relevante Blätter wie die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« oder das Berliner Stadtmagazin »Zitty«. Dieses Jahr lautete der Satz: »Was für Konfuzius Konfetti, sind für Chinesen die Spaghetti.«

Da ich auch mal so einen Preis kassieren wollte, bequatschte ich den armen Hubert Haensel, den Satz sinnvoll in seinem aktuellen Roman unterzubringen. Und deshalb erschien vor zwei Wochen der Roman »Schatten im Paradies« (PERRY RHODAN-Band 2511) mit genau diesem Satz.

Dafür erhalten wir jetzt den sogenannten Jieper-Preis, sprich, es gibt eine Flasche mit Allohool für die PERRY RHODAN-Redaktion. Die hole ich mir dann am Samstag nachmittag ab - auf der Buchmesse. Das wird sicher mein wichtigster Messetermin, na ja, vielleicht der lustigste.

11 Oktober 2009

Red Dust und Comanche


Wenn's ein Genre gibt, das hoffnungslos veraltet anmutet, dann ist es wohl der Western. Buchstäblich seit Jahrzehnten fristet dieses zeitweise sehr erfolgreiche Unterhaltungssegment ein Schattendasein. Zwar gibt es noch Romane, Filme und Comics, aber sie bewegen nicht mehr die Massen.

Dabei halte ich den Western für eine ziemlich coole Sache. Das ist meist abenteuerlich und spannend, er zeigt grandiose Natur und starke Emotionen - alles Dinge, die man in guter Science Fiction und Fantasy auch findet. Kein Wunder, daß man anno dunnemals aus der »Horse Opera« des Westerns irgendwann mal die »Soap Opera« der Science Fiction ableitete.

Zu meinen absoluten Western-Favoriten bei den Comics gehörte schon in den 70er Jahren die Serie »Comanche«: spannend geschrieben von Greg, faszinierend gezeichnet von Hermann - die Abenteuer des Cowboys Red Dust hatten stets auch eine literarische Qualität, die höchstens von »Blueberry« übertroffen wurde.

Nur schade, daß die Serie hierzulande nie ordentlich erschienen ist. Bei Ehapa gab's sogar echte Zensur, weil man den jugendlichen Lesern - so dachte man wohl - eben nicht einen Helden zumuten wollte, der in Selbstjustiz einen Unbewaffneten tötet, oder eben auch nicht zeigen wollte, wie ein gehenkter Mann aussieht.

Umso besser, daß mein Lieblings-Comicverlag, nämlich Splitter, jetzt auch wieder »Comanche« rausbringt. Natürlich in der Qualität, für die Splitter durch Science Fiction und Fantasy bekannt geworden ist: saugute Druckqualität, hervorragend gestaltete Hardcover, redaktionelle Ergänzungen und sogar beigelegte Kunstdrucke.

Raus ist jetzt »Red Dust« (Leseprobe gibt's im Netz), folgen werden neun weitere Alben. Ich freue mich schon jetzt; ein Platz im Regal ist freigeräumt!

10 Oktober 2009

Schon wieder Peter


Die aktuelle PETER PANK-Folge erschien in der OX-Ausgabe 86; diesmal nur ein kurzer Hinweis, weil ich das neue Heft bislang nur geblättert habe. Zum x-ten Mal geht es um die Abenteuer des Punkrockers Peter Meißner, den alle nur Peter Pank nennen und der im Januar 1987 versucht, sein Leben auf die Reihe zu bekommen.

Das Festival in Ludwigshafen ist in dieser Folge vorüber, es geht jetzt um die Heimreise. Die ist selbstverständlich mit Hindernissen verbunden; unter anderem muß ja erst einmal der richtige Zug gefunden werden. Und wer dann in aller Herrgottsfrühe in einem schwäbischen Dorf auf den Bus wartet, kann dort durchaus Probleme bekommen.

Ich bin selbst gespannt, wie es mit Peter weitergeht: Die aktuelle Punkrock- und Konzert-Phase ist vorüber, jetzt geht es erst mal wiederum Polit-Kram, Dorf-Nazis und andere Themen. Mein Konzept ist ja nicht so detailliert ausgearbeitet, als daß ich genau wüßte, wann was in diesem Roman passiert.

Nur das Ende steht schon fest, zumindest in der bisherigen Planung. Bis wir das erreichen, dauert es aber sicher noch Jahre.

09 Oktober 2009

Herta wer?

Ich gehöre nicht zu den Lesern, die nach den Büchern von Literaturnobelpreisträgern schauen und diese bevorzugt kaufen. Meine Erfahrung ist ja doch eher davon geprägt, daß ich vieles von dem preisgekrönten Zeugs einfach langweilig fand. Wenn also jetzt eine deutschsprachige Autorin den Nobelpreis für Literatur kassiert, bewegt mich das nicht gerade zu grenzenlosem Jubel.

Immerhin war mir Herta Müller ein Begriff, eher sogar unter positiven Vorzeichen. Ich kannte ihren Namen aus jahre- und jahrzehntelanger Lektüre von Fachzeitschriften im Politik- und Literatur-Umfeld. Von ihr selbst hatte ich bislang nie etwas gelesen.

Glaubte ich.

Das stimmt aber nicht. In der »taz« von heute (und auch in der Online-Ausgabe) war ein Text veröffentlicht, der 1987 schon einmal in der sogenannten Literaten-»taz« publiziert worden war. Und an diese Zeitungsausgabe erinnerte ich mich gut, wenngleich ich selbstverständlich alle Inhalte vergessen hatte.

Der Herta-Müller-Text ist für meine Begriffe rein stilistisch keine große Literatur. Die unterkühlte Sprache in Verbindung mit den unglaublichen Schilderungen hat mich allerdings fast umgeblasen. Lesenswert, absolut lesenswert - wenngleich keine »leichte« Unterhaltung.

Vielleicht sollte ich mich nach meinem gescheiterten Versuch, mich an das Werk Elfriede Jelineks heranzutasten. doch noch einmal mit einer deutschsprachigen Literaturnobelpreisträgerin versuchen.

08 Oktober 2009

Putsch in der Bananenrepublik

Ich entsinne mich nicht mehr daran, wann ich zum ersten Mal »Junta« gespielt habe. Es war in den späten 80er Jahren, soviel ist sicher - ob das jetzt 20 oder 25 Jahre ist, tut ja letztlich nichts zur Sache. Seither habe ich das Spiel aber nicht mehr gespielt, sondern immer nur davon geredet, wie toll ich es gefunden hatte.

Gestern war es dann doch nach all den Jahren mal wieder so weit: In meinem sozialen Umfeld gibt es jetzt eine »Junta«-Version, und wir versuchten uns zu sechst, in das umfangreiche Regelwerk einzuarbeiten. »Arbeiten« ist angesichts eines wahren Heftes mit Regeln der richtige Begriff; ich geriet schon angesichts der vielen Seiten ins Schwitzen.

Den Schweißausbruch bekämpfte ich mit viel Bier; dummerweise gab es nur dunkles Bockbier, was dazu führte, daß ich nachts mein Auto stehen lassen mußte. (Die zwei Grappa-Gläser, die ich nach dem verlorenen Putsch konsumierte, taten auch das Ihrige dazu.) Die Regeln kapierte ich danach immer noch nicht, aber egal.

Das Spiel war klasse, auch wenn wir nicht mal drei Runden so richtig gespielt bekamen. Tatsache ist, daß ich als »Chef der Luftstreitkräfte« mit viel Würfel-Pech eine sehr unglückliche Figur hinlegte und zur Strafe hinterher von den erfolgreichen Putschisten »erschossen« wurde.

Am besten fand und finde ich eh, daß man mit sechs Leuten um den Tisch sitzt, dabei viel futtert, trinkt und redet. Wenn ich den ganzen Tag am Computer verbringe, kann ich mir nicht einmal vorstellen, abends noch Computerspiele zu betreiben ...

07 Oktober 2009

Seriensüchtig

Bis zum Alter von 36 Jahren hatte ich keinen Fernseher. Meine Eltern lehnten das Gerät aus religiösen Gründen ab, mir war es vor allem zu verblödend. Aber obwohl ich einen Fernseher habe, ist mein Konsum recht überschaubar: Nachrichten, gelegentlich »Tatort«, Fußball oder sonst ein Krimi – das ist es eigentlich schon. Und natürlich »Dr. House«.

Ich gestehe, daß ich süchtig bin. Der stressige Grebory House, der in einem amerikanischen Krankenhaus die ungewöhnlichsten Fälle löst und nebenbei allerlei Privatkram zu bewältigen hat, fasziniert mich seit Jahren durch originelle Handlungsführung, zynisch-sarkastische Sprüche und eine Vielzahl von originellen Ideen.

Die Serie läuft in den USA seit 2004; keine Ahnung, seit wann ich sie im deutschsprachigen Raum verfolge. Wahrscheinlich seit eineinhalb Jahren, höchstens seit zwei Jahren – also sicher nicht von Anfang an, weil ich zeitweise sehr froh war, daß alte Folgen wiederholt wurden.

Ich finde den Doktor und seine Mannschaft extrem unterhaltsam und bilde mir ein, daß man sehr viel über die Vereinigten Staaten und ihre Kultur aus der Serie lernen kann. Und ich lerne vielleicht noch was über »Storytelling«, wie das neudeutsch heißt.

Schade ist, daß ich die Homepages zur Serie nicht so besonders finde; unter anderem liegt es daran, daß die Seiten recht viel Fremdwerbung aufweisen oder daß irgendwelche Popups aufgehen – die kann man natürlich wegmachen, aber es nervt mich schon. Ziemlich schlimm ist die Seite »drhouse.de«, die ein teilweise seltsames Deutsch bietet, das zumindest mir keinen Spaß macht. Ein »drhouseforum« finde ich amüsant; ich nutze es aber nicht.

Und unterm Strich sollte ich froh sein, daß mich die Seiten nicht sonderlich überzeugen: So beschränkt sich mein Konsum von »Dr. House« auf eine Stunde pro Woche, und ich verbringe nicht noch zusätzliche Zeit im Internet. (Mach' ich eh zu viel.)

06 Oktober 2009

All Time High jetzt mit Neo-Grunge

Die Bezeichnung »Neo-Grunge« habe ich mir eben ausgedacht; wahrscheinlich kamen aber findige Musikjournalisten schon vor Monaten darauf. Ich höre gerade die CD der Band All Time High aus Seattle, und da erinnert mich buchstäblich jedes Stück an die angeblich so große Zeit des Grunge-Rock, der ja vorrangig aus Seattle kam.

Das ist richtig lange her. Ich erinnere mich noch gut, als mir zum ersten Mal Nirvana vorgespielt wurde. In aller Punkrock-Arroganz sagte ich damals: »Für eine Hardrock-Band gar nicht schlecht.« Ich meinte es ernst.

Eineinhalb Dutzend Jahre später räume ich ein, daß Nirvana eine wichtige Band war. All Time High klingten nicht unbedingt so wie Kurt Cobain und seine Kapelle, die Assoziation drängt sich auf.

Die vier Typen, von denen die Platte »Friends In High Places« stammt, lassen auf jeden Fall die Gitarren tief hängen; schleppend und depressiv sind manche Stücke, nur selten lassen sie es krachen. Es klingt manchmal nach den 70er Jahren, manchmal nach den frühen 90er Jahren – und alles in allem hätte ich früher Reißaus genommen, hätte ich mir das angehört.

2009 scheine ich toleranter zu sein als früher. Die Band ist gut, auch wenn sie nicht gerade meine täglich' Tasse Bier ist. Ich glaub', ich werde echt alt.

05 Oktober 2009

Blick auf Norddeutschland

Ein recht seltenes Thema hatte ich mir für die ENPUNKT-Radiosendung am Sonntag, 4. Oktober 2009, ausgesucht: Es ging musikalisch nach Norddeutschland, sprich, ich spielte halbwegs aktuelle Bands aus Schleswig-Holstein und Niedersachsen. (Manchmal sind die inhaltlichen Klammern, die ich finde, arg kniffelig.)

Unter anderem spielte ich Tischlerei Lischitzki aus Lüneburg mit ihrem Emopunk und Alias Caylon aus Hab-ich-vergessen, die eher IndieRock mit einem Schuß Hardcore abliefern. Und wenn ich schon Emopunk sage, muß ich natürlich auch Turbostaat in den Ätzer blasen - eine Klasse-Band.

Hardcore-Gebratze lieferten die Max Rebo Kids (sind irgendwo aus Niedersachsen) und Mr. Burns aus Flensburg, während Mururoa Attäck aus Porta Westfalica oder so mit ihrem knalligen Deutschpunk eine gute Gegenrichtung belegten.

Dazu gab's ein bißchen drumherum, was ich schon wieder vergessen habe, einen Haufen von schlechten Witzen und stockend verlesenen Terminvorschlägen - alles in allem eine sehr normale Radiosendung im örtlichen Querfunk.

03 Oktober 2009

Karlsruhe zum ersten Mal

Der erste Besuch in meiner jetzigen Heimatstadt blieb mir nur als Desaster in Erinnerung. Ich war klein, vielleicht sechs Jahre alt, und meine Eltern, meine Schwester und ich waren mit unserem VW Käfer aus dem Schwarzwalddorf unterwegs nach Karlsruhe.

Was wir dort suchten, weiß ich nicht mehr genau - irgendein Einkaufszentrum auf jeden Fall. Und das fanden wir nicht, mein Vater verfuhr sich auf einer dieser endlos lang erscheinenden Straßen. In den späten 60er oder frühen 70er Jahren gab es noch keine Südtangente und keine vierspurigen Trassen durch die Innenstadt.

Die einzige Erinnerung,die ich wirklich noch habe, ist die: Mein Vater hielt an, in einer Straße, die geradeaus ging, gesäumt von Häusern, die mehrstöckig in die Höhe ragten. (Die Kriegsstraße vor dem Ausbau zur vierspurigen? Die Sophienstraße? Die Hirschstraße? Die Kaiserallee?)

Er fragte einen Passanten nach dem Weg. Dieser wies in eine Richtung - es gehe noch fünf Kilometer, und man müsse einfach gerade aus fahren. Ob wir unser Ziel damals erreichten, habe ich vergessen.

Nicht vergessen habe ich aber das Gefühl von Verwirrung, sich in einer so großen Stadt zu befinden ...

02 Oktober 2009

Hunger im Gebirge

Erinnerung an die Schweiz 2009

Wir hatten die Alpenpässe überquert, die ich unbedingt hatte fahren wollen, und rollten mit dem Auto langsam in die Schweiz hinein; ab diesem Zeitpunkt ging es wohl nur noch abwärts, und irgendwann, so dachte ich, würden wir auf jeden Fall auch die Autobahn erreichen. Es dämmerte langsam, und ich hatte richtig Hunger.

Spontan hielten wir in der Gemeinde Schiers an, ein Ort, von dem ich bislang nichts gehört hatte. Nach einigem Suchen fanden wir sogar ein Restaurant, das offen hatte und das zuverlässig aussah. Außer uns saßen keine weiteren Touristen in der »Neuen Veltlinerhalle«, man sprach strammes Schwyzerdütsch, gab sich für uns aber Mühe.

Und das Essen war richtig klasse: Wir saßen auf dem großzügigen Balkon, mit Blick auf die Voralpenberge, und schaufelten Kässpätzle und andere deftige Leckereien in uns hinein. Dazu ein Bier, hinterher noch ein Espresso – und danach konnte ich gestärkt auf die Autobahn gehen, mit Dampf im Bauch auf die Straße in Richtung Karlsruhe.

Manchmal sind die spontanen Entscheidungen die besten. Und häufig sind Lokale auf dem Land eine gute Empfehlung.